Mittwoch, 14.01.2009 | Autor: heihec

Nerviger Streit ums Erdgas

Worum geht´s

Wenn Russland und die Ukraine sich streiten, wird das Gas zum Druckmittel. Da die Ukraine durchleitendes Land ist, droht sie mit dem Stopp.

Topstory: Gazprom und die Ukraine sind sich bei ihrem Konflikt über die russische Erdgaslieferungen erst einig geworden, dann wieder nicht, dann doch, dann nicht. Erdgas wird zum Spielball politischer Interessen. Deutsche Bürger müssen sich aber um die Versorgungssicherheit wenig sorgen.

Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine scheint mittlerweile eine winterliche Prozedur zu sein. Für Deutschland wäre ein erneuter Gasstreit nicht sehr tragisch. Obwohl etwa 28 Prozent des russischen Gases über Leitungen in der Ukraine nach Deutschland gepumpt werden, muss Deutschland nicht frieren.

"Keiner braucht Angst haben, dass er im Winter frieren muss", sagte der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Michael Glos im Anschluss an ein Treffen mit dem Vizepräsidenten des russischen Gaskonzerns Gazprom, Alexander Medwedew. Er sicherte Glos zu, alle Möglichkeiten zu nutzen, um den Westen Europas mit ausreichend Gas zu beliefern. Dazu sollten insbesondere alternative nördliche Pipeline-Routen in stärkerem Umfang genutzt werden. Zudem verfüge Deutschland über gut gefüllte Gasspeicher, die 25 Prozent des durchschnittlichen Jahresverbrauchs abdecken und somit die deutschen Haushalte versorgt sind.

Deutschlands große Gasspeicher-Kapazitäten

Deutschland besitzt in Europa die höchste Speicherkapazität von Gas. In 46 unterirdischen Speicheranlagen ruhen nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) rund 20 Milliarden Kubikmeter Arbeitsgas. Das entspreche rund einem Viertel des Verbrauchs im Jahr 2007 in Deutschland. "Im vergangenen Jahr hat die deutsche Gaswirtschaft rund 130 Millionen Euro investiert, um die Speicheranlagen zu erweitern oder neue Anlagen zu bauen", so der BDEW.

Deutschlands Erdgas-Versorger

Außerdem ist Russland nicht Deutschlands einziger Erdgasliferant. Zwei Drittel des Erdgases kommt aus westeuropäischen und deutschen Quellen. "Die Mengen aus Westeuropa und Deutschland werden unverändert geliefert", so Weyand. "Um die Schwankungen und Lieferausfälle aus Russland auszugleichen, können die Erdgasmengen aus anderen Ländern wie Norwegen oder den Niederlanden kurzfristig teilweise erhöht werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die Erdgaslieferungen über andere Transportwege zu erhöhen", führt Weyand weiter aus.

"Erst dann, wenn sich die Lieferkürzungen als gravierend heraus­stellen sollten, lang anhalten und der Winter besonders kalt wird, stoßen auch unsere Ausgleichsmöglichkeiten an ihre Grenzen", sagte Dr. Bernhard Reutersberg, Vorsitzender des Vorstands der E.ON Ruhrgas AG.

Zukünftig Erdgas für die Europäische Union sichern

Obwohl für deutsche Haushalte die Versorgungssicherheit gegeben ist, macht die aktuelle Situation darauf aufmerksam, wie wichtig es sei, noch unabhängiger von einzelnen Energielieferanten und -trägern zu sein.

Dr. Franz-Georg Rips, Präsident des Deutschen Mieterbundes (DMB) appelliert deshalb an die Bundesregierung: "Die Bundesregierung muss alles daran setzen, die Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen bzw. die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen überhaupt einzuschränken und möglichst zu beenden. Das Maßnahmenpaket zur Sicherung der Konjunktur und Beschäftigung drängt sich gewissermaßen auf für Maßnahmen zur Energieeinsparung, der Verbesserung der Energieeffizienz und vor allem zum verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien."

Der Bundesverband Neuer Energieanbieter e.V. (bne) fordert die Politik auch auf, für bessere Wettbewerbsbedingungen zu sorgen. "Wenn viele starke Importeure miteinander in Konkurrenz stehen, hat der Ausfall eines Lieferanten lediglich begrenzte und kontrollierbare Auswirkungen", erläutert bne-Geschäftsführer Robert Busch.

 

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.