Montag, 13.04.2015 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © flas100 - Fotolia.com

Frühjahrsputz: Wenn der Fensterputzer anrückt

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Worum geht´s

Blitzblankes Haus: Welche Reinigungskosten Sie umlegen können.

Voller Durchblick: Und das durch alle Fensterscheiben in Ihrem Treppenhaus. Selbst das Vordach ist endlich vom Moos befreit und blinkt in der Frühjahrssonne. 

Dafür bekommen Sie auch prompt die Rechnung: Vom Glasreiniger. Können Sie die jetzt auf Ihre Mieter umlegen? Das kommt darauf an. Rückt dagegen der Fensterputzer in Ihrem Eigenheim an, können Sie die Rechnung als haushaltsnahe Dienstleistung von der Steuer absetzen.  

Zweimal im Jahr rücken die Fensterputzer an und reinigen die Glaskuppel überm Treppenhaus. Gilt das noch als Hausreinigung?

Ein kleiner, aber feiner Unterschied, denn nur, wenn die Kuppel noch zur Hausreinigung zählt, dürfen Sie die Rechnung als Betriebskosten auf den Mieter umlegen; die einer Fassadenreinigung jedoch nicht.

Treppenhausfenster putzen: Ein Fall für die Betriebskostenabrechnung

Ein Glasdach überm Treppenhaus ist ebenso Bestandteil des Hauses, wie beispielsweise der Hausflur, die Fenster im Treppenhaus, die Treppen und die Hauseingangstür.

Deswegen dürfen Sie die Reinigungskosten für das Glasdach im Treppenhaus dem Mieter auf die Betriebskostenabrechnung setzen (AG Potsdam, Urteil v. 23.5.2007, 23 C 456/06, GE 2007 S. 917).

Lassen Sie „nur“ die Treppenhausfenster reinigen, fällt das ebenfalls unter die umlegbaren Hausreinigungskosten nach § 2 Nr. 9 Betriebskostenverordnung.

Eigenleistungen: Was gilt, wenn Sie selbst putzen 

Putzen Sie selbst die Fenster, dürfen Sie Ihre Eigenleistungen mit dem Betrag ansetzen, den Ihnen z. B. ein Unternehmen für die gleiche Arbeit in Rechnung stellen würde (BGH, Urteil v. 14.11.2012, VIII ZR 41/12, NJW 2013 S. 456 ). Lassen Sie die Arbeiten stattdessen unentgeltlich, z. B. von Ihrem Ehepartner, erbringen, den Sie nicht z. B. als Minijobber angestellt haben, dürfen Sie für ihn keine fiktiven Kosten ansetzen, weil Ihnen auch keine Kosten entstanden sind (LG Berlin, Urteil v. 6.12.2011, 63 S 122/11, GE 2012 S. 205 ).

Das Vordach gehört bereits zur Fassade

Beauftragen Sie dagegen eine Glasreinigungsfirma damit, das verglaste Vordach über dem Eingang zu putzen, geht das auf Ihre Kosten!

Denn das Reinigen und Instandhalten von Dächern ist Sache des Vermieters. So sehen es jedenfalls die Gerichte ( LG Hamburg, Beschluss v. 21.5.2001, 311 S 42/01).

Fußabtreter dürfen Sie reinigen lassen – aber bitte nicht zu oft

Die Kosten für das Reinigen der Schmutzfänger im Eingangsbereich dürfen Sie wiederum nach § 2 Nr. 9 der Betriebskostenverordnung als Hausreinigungskosten umlegen. Das gilt jedenfalls, sofern Sie sie nicht jede Woche reinigen lassen, denn Reinigungshäufigkeit muss dem Gebot der Wirtschaftlichkeit genügen.

Lichtschächte zählen zu den „Sonstigen Betriebskosten“

Haben Sie Jalousien oder Lichtschächte am Haus, dürfen Sie die Reinigungskosten nur umlegen, wenn Sie die Umlage der Kosten unter den „Sonstigen Betriebskosten“ vereinbart haben (AG Potsdam, Urteil v. 23.5.2007, 23 C 456/06, GE 2007 S. 917).

Reinigt Ihr Hausmeister die Lichtschächte, müssten Sie streng genommen die Arbeitszeit dafür aus den Hausmeisterkosten herausrechnen. Streng genommen…

Nicht umlagefähig sind dagegen die Kosten für Sonderreinigungen, wie z. B. das Entfernen von Graffitis, die Beseitigung von Hundekot im Treppenhaus oder von Dreck und Staub nach einer Sanierung des Vermieters.

Fensterputzer im Eigenheim: Ein Fall fürs Finanzamt

Als Eigentümer Ihrer selbst genutzten Immobilie können Sie weder Betriebskosten umlegen, noch die Rechnung des Fensterputzers als Werbungskosten geltend machen.

Allerdings besteht seit einiger Zeit die Möglichkeit, haushaltsnahe Dienstleistungen von der Steuer abzusetzen.

Jedoch sind bei Handwerkerrechnungen rund ums Haus höchstens eine Steuerersparnis von 1.200 Euro für Sie drin. Wichtig ist dabei, dass der Dienstleister seine Arbeitsleistung getrennt von den Materialkosten auf der Rechnung ausweist, denn nur die Arbeitszeit und die Fahrtkosten gelten als haushaltsnahe Dienstleistung.

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
Wollmäuse, ein zerknülltes Papiertaschentuch und eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe in der Ecke. Das sind untrügliche Beweiszeichen dafür, dass Ihr Treppenhaus schon länger nicht mehr geputzt wurde. Tja, Ihre Mieter nehmen es mit der Kehrwoche leider nicht so genau. Das wollen Sie jetzt ändern: mit einer regelmäßigen Reinigungskraft. Die Kosten dafür wollen Sie auf alle Mieter umlegen. Wie Sie das rechtlich korrekt hinbekommen, lesen Sie hier.
Alles nass und dreckig. Wohlgemerkt im Treppenhaus und nicht in der Wohnung des Mieters. Denn der zieht seine Schuhe immer brav vor seiner Wohnungstür aus.    So weit so gut, würde er nicht seine dreckigen und ausdünstenden Schuhe vor der Tür stehen lassen. Nicht nur Ihnen, sondern auch den Mitbewohnern im Haus ist das ein Dorn im Auge.
Die Treppe glänzt und es riecht nach Putzmittel. Wer eins und eins zusammenzählen kann, der merkt, dass das Treppenhaus wohl gerade frisch geputzt wurde. Wer´s dennoch eilig hat, sollte sich beim Benutzen der Treppe am besten am Treppengeländer festhalten. Wer das nicht tut und dennoch losläuft, tut das auf eigene Gefahr!
Sie haben den Maler, den Elektriker oder den Fliesenleger im Haus. Hinterher ist zwar alles schöner und besser, aber natürlich bekommen Sie dafür auch eine Rechnung präsentiert. Heften Sie diese Rechnung zu Ihrer Steuererklärung, denn dafür bekommen Sie vom Finanzamt was geschenkt: 20 % des Rechnungsbetrags als Ihr persönliches „Steuerbonbon!“

 meineimmobilie.de-Tipp

Die Sonstigen Betriebskosten sind leider kein Sammelbecken für alle unliebsamen Rechnungen, die nach Ihrer Betriebskostenabrechnung noch auf Ihrem Schreibtisch liegen bleiben.

 

Solche Rechnungen dürfen Sie nur umlegen, wenn sie

 

  • regelmäßig anfallen,
  • das Haus betreffen,
  • gerichtlich schon einmal als Sonstige Betriebskosten anerkannt wurden und
  • wenn Sie diese ausdrücklich als Sonstige Betriebskosten im Mietvertrag aufgeführt haben.