Donnerstag, 19.02.2015 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © Marek Gottschalk - Fotolia.com

Mietvorvertrag abschließen? Bitte nicht!

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Worum geht´s

Warum Sie mit Ihrem Mieter keinen Mietvorvertrag abschließen sollten.

Die Wohnung ist noch nicht ganz fertig, der Mieter will aber schon quasi eine feste Zusage, dass er sie auf jeden Fall bekommt. Spätestens jetzt verfallen viele Vermieter auf die Idee, mit dem Mieter einen Mietvorvertrag zu schließen.

Keine gute Idee“, sagt Rechtsanwältin Heidi Schnurr – und hat dafür ein paar gute Gründe parat.

Wenn schon Vertrag, dann gleich ein Mietvertrag

Ein Mietvorvertrag will gut überlegt sein! Ein Mietvorvertrag ist ein formloser Vertrag, mit dem sich die Vertragsparteien nur verpflichten, in der Zukunft einen Mietvertrag abzuschließen.

Besser ist es jedoch, wenn Sie gleich den richtigen Mietvertrag mit dem Mieter abschließen, denn damit sichern Sie sich Ihren Mieter und die Miete!

Hier ein einfaches Beispiel, warum Sie gleich den richtigen Mietvertrag mit Ihrem Mieter abschließen sollten statt den Umweg über einen Mietvorvertrag zu gehen:

Ihr Mieter hat einen Mietvorvertrag unterschrieben. Er weigerte sich jedoch, am vereinbarten Termin den eigentlichen Mietvertrag zu unterschreiben. Klar zahlte er auch keine Miete. Kurzum: Der Mieter in spe will einen Rückzieher machen!

Sie können nur die Unterschrift, aber noch kein Geld fordern!

Haben Sie jetzt nur einen Mietvorvertrag in der Tasche, können Sie ihn jetzt nur auf Abschluss des anvisierten Hauptvertrags verklagen. Der Mietvorvertrag allein gibt Ihnen noch keinen direkten Mietzahlungsanspruch gegen Ihren Mieter!

Hätten Sie dagegen schon gleich den richtigen Mietvertrag abgeschlossen, dessen Vertragslaufzeit nur etwas später beginnt, könnten Sie von Ihrem Mieter gleich die Miete fordern. Den zeit- und kostenaufwendigen Umweg über die Klage auf Abschluss des Hauptmietvertrags würden Sie sich dann sparen.

Erschweren Sie Ihrem Mieter einen Rückzieher vom Vertrag

Außerdem erschweren Sie Ihrem Mieter mit einem "richtigen Mietvertrag" den Ausstieg aus dem Vertrag: Will Ihr Mieter einen Rückzieher machen, muss er Ihnen erst kündigen, um Ihrem Mietzahlungsanspruch wieder zu entgehen!

Wenn Sie also „Bares" sehen wollen, können Sie bei Vorliegen eines echten Mietvertrags gleich auf Zahlung klagen bzw. einen Mahnbescheid beantragen.

Beim Mietvorvertrag lohnt es sich dagegen meist nicht, deswegen zu klagen: Bis Sie da Ihr Geld sehen, müssen Sie 2 Prozesse führen und zudem noch nachweisen, dass Sie die Wohnung bereits anderweitig hätten vermieten können.

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
Den perfekten Mieter gibt es nicht. Dennoch müssen Sie jemanden finden, dem Sie Ihre Immobilie guten Gewissens anvertrauen können. Dabei kann es nichts schaden, wenn Sie sich nicht nur auf Ihr Bauchgefühl verlassen, sondern Ihrem Mieter in spe ein wenig auf den Zahn fühlen.
Grundmiete, Nettomiete, Bruttomiete oder Inklusivmiete: Was ist gemeint, wenn Ihr  Mieter mit solchen Fachbegriffen um sich wirft? Vereinbaren Sie eine falsche Mietart, sitzen Sie ruckzuck in einer Kostenfalle, die Sie so schnell und einfach nicht wieder ändern können, wenn der Mieter den Mietvertrag erst einmal unterschrieben hat.    
Schaffe Sie es mal eben in 5 rasanten Minuten einen Mietvertrag quasi zwischen Tür und Angel abzuschließen? Gratuliere: Dann sind Sie entweder ein wahres Genie oder Sie haben schlimmstenfalls ein paar wichige Punkte übersehen.    Denn erfahrungsgemäß dauert es ein bisschen länger, bis Sie einen Mietvertrag Wort für Wort durchgelesen haben und sich über alle auszufüllenden Lücken und Vertragsalternativen so Ihre Gedanken gemacht haben.   Erst dann sollten Sie zum Stift greifen und mit dem eigentlichen Ausfüllen beginnen.

 meineimmobilie.de-Tipp

Wer glaubt, mit einem Mietvorvertrag seine Miete schon sicher zu haben, irrt sich gewaltig: Ein Mietvorvertrag gibt Ihnen nur einen Anspruch auf Abschluss des "richtigen" Mietvertrags, aber noch keinen Zahlungsanspruch!

Erst, wenn Sie mit dem Mieter den versprochenen Hauptmietvertrag abschließen, können Sie auf die Miete pochen. Vorher nur auf den Abschluss des eigentlichen Mietvertrags. Ein guter Grund, besser gleich den "richtigen" Mietvertrag mit dem Mieter abzuschließen.