Mittwoch, 06.08.2014 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © Marek Gottschalk - Fotolia.com

Mietvertrag: Wissen Sie, was drin steht?

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Worum geht´s

Mietvertragsabschluss: Wie genau Mieter ihren Mietvertrag lesen.

Miete, Betriebskosten, Schönheitsreparaturen, Kaution: Das alles geht ganz schön ins Geld und deswegen legen viele Vermieter ihr Hauptaugenmerk beim Ausfüllen des Mietvertrags hauptsächlich darauf.

Sie wissen, bis wann und wie viel der Mieter zahlen muss, wie hoch die Betriebskostenvorauszahlung ist und dass der Mieter renovieren oder eine Kaution zahlen muss. Aber weiß das auch ihr Mieter?

 

17 Prozent der Mieter kennen den eigenen Mietvertrag nicht

Viele Vermieter wird diese Zahl erschrecken, andere erfreuen: 17 Prozent der Deutschen kennen den Inhalt ihres eigenen Mietvertrags nicht. Sie haben keine Ahnung, was in ihrem Mietvertrag steht, weil sie ihn lediglich vor dem Unterschreiben nur grob überflogen und geschaut haben, ob Sie die Miete korrekt eingetragen haben.

Dieses Ergebnis zeigt die repräsentative Studie „Wohnen und Leben 2014“, bei der im Auftrag von immowelt.de 1.015 Personen befragt wurden. Davon gaben 621 an, Mieter zu sein.

Mietvertragsabschluss: Besserverdiener schauen genauer hin

Bei der Umfrage hat sich zudem gezeigt: Je besser die Mieter verdienen, umso kritischer prüften sie auch ihren Mietvertrag.

So haben deutlich mehr Besserverdiener ihren Mietvertrag vor der Unterzeichnung durchgelesen (89 Prozent) als Geringverdiener (77 Prozent). Auch bei den Mehrfach-Durchlesern liegen die Besserverdiener klar vorne.

Das Motto: „Trau`, schau wem!“, haben sich jedoch 44 % der Mieter zu Herzen genommen. Sie vertrauten ihrem Vermieter nicht blind, sondern nahmen den Vertrag etwas genauer unter die Lupe: Sie gaben an, den Mietvertrag zumindest einmal komplett durchgelesen zu haben.

39 Prozent der Befragten haben den Text sogar mehrfach studiert

Von den 17 % der „Nichtvertragsleser“ gaben 11 Prozent an, so froh zu sein, überhaupt eine Wohnung bekommen zu haben, dass sie sich mit Detailfragen nicht lange aufhalten wollen. Ebenfalls 11 Prozent glaubten, einen Standardmietvertrag vor sich zu haben, an dem sie sowieso nichts ändern könnten.

Die Umfrage-Ergebnisse der Studie im Überblick:

Haben Sie Ihren Mietvertrag durchgelesen, bevor Sie ihn unterschrieben haben?

  • Ja, ich habe ihn einmal komplett gelesen: 44 Prozent
  • Ja, ich habe ihn sogar mehrfach komplett durchgelesen: 39 Prozent
  • Nein: 17 Prozent

Von den 17 Prozent, die den Mietvertrag nicht durchgelesen hatten, sagten

  • 60 Prozent: Ich habe ihn nur (grob) überflogen und geprüft, ob die Miete korrekt angegeben war
  • 14 Prozent überließen den Mietvertragsabschluss einer anderen Person, wie z. B. den Eltern.
  • 11 Prozent hielten sich nicht lange damit auf, weil sie einfach nur froh waren, die Wohnung überhaupt bekommen zu haben.
  • 11 Prozent hielten den Standardmietvertrag ohnehin für unabänderlich.
  • 3 Prozent überließen den Mietvertragsabschluss dem Partner.

 

 

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Es schreibt für Sie

Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
Den perfekten Mieter gibt es nicht. Dennoch müssen Sie jemanden finden, dem Sie Ihre Immobilie guten Gewissens anvertrauen können. Dabei kann es nichts schaden, wenn Sie sich nicht nur auf Ihr Bauchgefühl verlassen, sondern Ihrem Mieter in spe ein wenig auf den Zahn fühlen.

 meineimmobilie.de-Tipp

Gehen Sie davon aus, dass 44 Prozent der Mieter Ihren Mietvertrag zumindest einmal komplett durchlesen. 39 Prozent sogar mehrmals.

Selbst noch so Kleingedrucktes wird dabei sicherlich nicht übersehen. Deswegen lohnt es sich nicht, z. B. zusätzliche Pflichten im Kleingedruckten zu verstecken. Schlimmstenfalls gelten die ohnehin als überraschende Klausel und macht nicht nur diese unwirksam. Steht sie nämlich im Widerspruch zu einer weiteren Klausel, macht sie auch diese unwirksam.

Typisches Beispiel: Die Renovierungspflicht bei Mietvertragsende. Die kann ihre gesamte Renovierungsklausel zum Kippen bringen!