Samstag, 01.02.2014 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © Jeanette Dietl - Fotolia.com

Abstandszahlung: Wenn der Mieter um seine Küche feilscht

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Worum geht´s

Einbauküche, Markise, Parkettboden: Beim Auszug will Ihr Mieter dafür Geld sehen. Wie seine Chancen stehen und an wen er sich halten kann, lesen Sie hier.

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Der eine zieht aus, der andere ein. Alles kein Problem, wenn der bisherige Mieter nicht so ungemein geschäftstüchtig wäre: Der will nämlich seine Küche in der Wohnung stehen lassen – und das natürlich nicht umsonst! Sein Problem oder Ihres? Oder etwa das des Nachfolgemieters? Darauf gibt es eine klare Antwort! 

Von einer "Abstandszahlung" haben Sie sicher auch schon gehört. Die war Anfang der 90er-Jahre in aller Munde. Quasi als zusätzliche Einnahmequelle dafür, dass man einem anderen die Wohnung überließ.

Dafür zahlte ein wohnungssuchender Mieter meist freiwillig ein ansehnliches Sümmchen an seinen Vorgänger, damit der ihm die Wohnung „abtritt“.

Vorsicht: Was Sie übernehmen, müssen Sie auch instand halten!

Heute ist mit „Abstandzahlung“ was ganz anderes gemeint! Nämlich die „Ablöse“, die ein ausziehender Mieter von Ihnen oder einem Nachfolgemieter dafür haben will, dass er z.B. seine Einbauküche oder seine Markise in der Wohnung lässt.

Lassen Sie sich auf solche „Geschäftchen“ besser nicht ein! Denn wenn Sie als Eigentümer solche Gegenstände übernehmen und in der Wohnung lassen, gehören sie damit automatisch zur Mietsache. Auch für den neuen Mieter gehören sie dann wie Heizung oder Badewanne mit dazu.

Ihm gegenüber sind Sie nun verpflichtet, diese auch instand zu halten.

Deswegen: Lassen Sie solche „Kleingeschäfte“ Ihren ausziehenden Mieter und den neuen Mieter unter sich klären! Sie sparen damit nicht nur viel Zeit, sondern künftig auch noch Instandhaltungskosten.

Wichtig: Klären Sie unbedingt bei Beginn des Mietverhältnisses, wem die Gegenstände gehören! Am besten schreiben Sie dies klarstellend ins Übergabe-Protokoll oder den Mietvertrag hinein.

Eine Übernahme ist kein Muss

Ohnehin ist die Übernahme solcher Gegenstände vom Vormieter weder für Sie noch für den Nachmieter ein „Muss“.

Will also Ihr ausziehender Mieter, dass Sie den Mietvertrag mit demjenigen schließen, der auch seine Küche übernimmt, müssen Sie sich darauf nicht einlassen.

Will Ihr neuer Mieter lieber seine eigene Einbauküche mitnehmen und in die Wohnung stellen, muss Ihr ausziehender Mieter seine Küche mitnehmen. Sie sind weder zur Übernahme der Küche, noch zum Mietvertragsabschluss mit dem Mieter, der die Küche vom Vormieter übernimmt, verpflichtet!

Klären Sie, wem die Ausstattungen gehören

Wenn schon die Einbauküche stehen bleibt, dann klären Sie bitte eindeutig, wem die gehört. Schreiben Sie am besten in den Mietvertrag ausdrücklich hinein, dass die Einbauküche Eigentum des (neuen) Mieters ist und nicht zur Mietsache gehört.

Andernfalls kann es Ihnen beim nächsten Auszug so ergehen: Der Nachfolgemieter lässt seine abgenutzten Gegenstände, wie z.B. einen fleckigen Teppichboden oder seine alte Einbauküche bei seinem Auszug einfach in den Mieträumen stehen. Als Sie ihn darauf ansprechen, entgegnet er Ihnen frech: "Wieso ausbauen? Die gehört doch Ihnen!"

Wenn Sie jetzt nicht nachweisen können, dass der Mieter die Einbauten vom Vormieter übernommen hat bzw. sein Eigentum sind, haben Sie leider Pech gehabt!

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
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 meineimmobilie.de-Tipp

Bevor Sie Ihrem Mieter großzügig erklären, dass Sie seine Einbauküche übernehmen, bedenken Sie bitte Folgendes: Meist bringt der neue Mieter seine eigene Küche mit bzw. scheitert ein aussichtsreicher Mietvertragsabschluss an der Küche, die dem neuen Mieter überhaupt nicht gefällt.

 

Dann müssen Sie entweder für eine „küchenfreie“ Wohnung sorgen oder sich einen neuen Mieter suchen.

Außerdem: Was in der Wohnung steht, zählt für einen neuen Mieter zur Ausstattung der Wohnung und ist damit mitvermietet. Geht also irgendwann einmal der Herd oder der Kühlschrank kaputt, müssen Sie dem Mieter einen neuen kaufen!