Mittwoch, 23.05.2012 | Autor: Jörg Stroisch

Wasser marsch ohne Legionellen

Worum geht´s
  • Neue Trinkwasserverordnung
  • Überprüfung des Trinkwassers auf Legionellen

Topstory: Die sehr gefährlichen Legionellen werden durch das Sprühwasser etwa einer Dusche auf den Menschen übertragen. Damit sie nicht gefährlich werden, müssen Vermieter seit dem 1. November 2011 das Wasser eventuell überprüfen lassen. Das schreibt die neue Trinkwasserverordnung vor.

Der Tod kommt aus der Leitung: Wenn es um die Legionellenerkrankung geht, werden die Schlagzeilen, wie hier etwa vom „Spiegel“, drastisch. Legionellen verbreiten oft den Schrecken mindestens schwerer Erkrankungen. Laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit gibt es in Deutschland gesichert 6.000 bis 10.000 Erkrankungsfälle und etwa 1.000 bis 2.000 Todesfälle im Jahr.  Ein Grund für den Gesetzgeber, zum 1. November 2011 die Prüfpflichten auf Legionellen deutlich zu verschärfen.

Betroffen sind vor allem vermietete Immobilien

„Wir erwarten alle – egal, ob Eigentümer oder Mieter – sauberes und qualitativ hochwertiges Trinkwasser“, kommentiert Ulrich Ropertz, Pressesprecher beim Deutschen Mieterbund. Er hält die neue Trinkwasserverordnung für richtig. Konkret wird dabei vorgeschrieben, dass einmal im Jahr eine Untersuchung des Wassers auf Legionellen stattfinden muss.
Diese Auflage trifft vermietete Immobilien, die einen 400 Liter umfassenden Trinkwassererwärmer oder drei Liter Wasserinhalt in der Warmwasserleitung hinter dem Trinkwassererwärmer haben. Sprich: Wohnung mit Durchlauferhitzer und selbst bewohnte Häuser sind per sé nicht betroffen. Schwierig wird die Einschätzung bei Eigentumswohngemeinschaften, bei der ein oder mehr Wohnungen vermietet sind: „Da ist Rechtsunsicherheit“, kommentiert Gerold Happ, Umwelt- und Energieexperte bei der Eigentümergemeinschaft Haus & Grund. „Hier hat der Verordnungsgeber leider keine klaren Regelungen getroffen.“ Konkret ist nicht klar, ob zum Beispiel der Vermieter unter den Eigentümern die Kosten für die Überprüfung – die dann gleich für das ganze Haus gemacht wird – alleine tragen muss.

Einen 400-Liter-Tank – so schätzen es sowohl die Eigentümergemeinschaft Haus & Grund als auch der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) – haben dabei Häuser ab etwa vier bis fünf Wohneinheiten. „Es ist für viele Vermieter gar nicht so einfach, herauszufinden, wie groß der Tank ist“, beschreibt Happ Erfahrungen aus der Praxis. Ist dann klar, dass geprüft werden muss, rät Franz-Josef Heinrichs, Referent für Sanitärtechnik beim ZVSHK, dringend dazu, vorab einen „Wassercheck“ durchführen zu lassen, „denn es gibt bestimmte Indizien, die es sehr wahrscheinlich machen, dass die Wasserproben sonst negativ ausfallen würden“, formuliert er es diplomatisch. Konkret: Die Kolonien der winzigen Stäbchenbakterien kommen an sehr vielen Stellen vor, auch in geringer Anzahl im Grundwasser. Gelangen die Legionellen dann in den Wasserkreislauf eines Hauses, mögen sie vor allem Temperaturen zwischen 20 und 50 Grad und Stillstand in den Leitungssystemen.

Viele Indizien für Legionellenbefall

Sprich: Bei alten Leitungssystemen mit Stichleitungen und Strängen mit wenig Zirkulation, ohne Regulierungsventilen und vor allem zu geringer Grundtemperatur kommt es sehr schnell zu einer Überschreitung der Grenzwerte. „Der Hausbesitzer sollte das erst kontrollieren lassen und eventuell in Ordnung bringen“, rät Heinrichs. „Denn wenn eine Kontamination mit Legionellen festgestellt wird, dann kann es richtig aufwändig werden.“ Üblicherweise im Wasser vorhanden sind weniger als eine koloniebildende Einheit an Legionellen pro Liter, bei unter 1000 Einheiten wird es noch zu keiner Maßnahme des Gesundheitsamtes kommen. Werden diese Legionellen-Grenzwerte überschritten kann in schweren Fällen zum Beispiel eine Sanierung oder Desinfektion der Trinkwasserversorgung angeordnet und ein Duschverbot verhängt werden. „Es ist generell sehr aufwändig, ein Leitungssystem von den Legionellen zu befreien, wenn einmal ein starker Befall da ist“, so Heinrichs. Da Hygiene und Gesundheit schon von der richtigen Installation abhängen, kommentiert auch Karin Gerhardy, Referentin für den Bereich Wasser beim Deutschen Verein des Gas- und Wasserfachs: „Hier liegt es in der Verantwortung der Hausbesitzer, Arbeiten an der Trinkwasser-Installation nur durch Fachbetriebe durchführen zu lassen. Um es klar zu sagen: Arbeiten an der Trinkwasser-Installation sind nichts für Heimwerker.“

Kosten für die Überprüfung auf Legionellen

Auch der konkrete Test auf Legionellen ist nur etwas für Profis. Die Trinkwasserentnehmer müssen von einem akkreditierten Labor akzeptiert sein, ein durchaus beachtlicher Aufwand an Weiterbildung entsteht dadurch. Die Kosten für die Trinkwasserüberprüfung schätzt Haus & Grund so auf etwa 20 bis 25 Euro pro Wohneinheit betragen. „Da sie aber jetzt für viele zur Pflicht wird, kann es sein, dass es hier viel Bewegung gibt“, beschreibt Gerold Happ. „Ob nach oben oder unten, ist noch nicht klar.“ Sanitärexperte Heinrichs rechnet mit etwa 60 Euro pro Wasserprobe auf Legionellen und hält mindestens drei bis vier Wasserproben pro Gebäude für notwendig. Wer dann am Ende die Kosten trägt, darüber dürfte Streit entbrennen. „Die Kosten sollten als Betriebskosten auf die Mieter umgelegt werden können“, schreibt so Steffen Haase in einem Fachartikel für den Immobilienverlag Haufe. Ulrich Roppertz vom Deutschen Mieterbund sieht dies allerdings anders: „Betriebskosten, die jetzt einfach über die Jahresabrechnung auf die Mieter umgelegt werden können, sind diese Untersuchungskosten nicht.“

Rechtsunsicherheit und ein gewisser Überraschungseffekt sind augenscheinlich die Wegbegleiter der neuen Trinkwasserverordnung: „Da ist gerade viel Stress auch bei den Gesundheitsämtern, weil diese oft gar nicht genügend Personal haben, um ihren neuen Überwachungs- und Prüfpflichten der Trinkwasser-Installation nachzukommen“, kommentiert zum Beispiel Franz-Josef Heinrichs. Und Gerold Happ von Haus & Grund sagt: „Ich habe das Gefühl, dass viele regelrecht von der Verordnung überrascht sind. Es gibt deshalb bereits in einigen Bundesländern Bestrebungen, die Fristen aufzulockern.“ Für den Hauseigentümer ändert das nichts: Am 1. November 2011 trat die Verordnung in Kraft, danach muss er sein Gesundheitsamt unterrichten, ob für ihn die Prüfpflicht besteht. „Da muss er sich aber zeitnah informieren“, sagt Happ. Denn sonst drohen Geldbußen von bis zu 25.000 Euro.

Kommentare (1)

6.6.2012, 14:58 Uhr von arstpan Profil ansehen
Sind das etwa nur die Legionellen aeroginosa? Sicher sind diese Viecher gefährlich, ohne Zweifel. Aber warum nennt man nicht die einfachen Mittel zur Bekämpfung. Einmal im Monat das Brauchwasser auf 70°C aufheizen, alle Zapfstellen 10 Minuten laufen lassen, fertig. Die meisten Kesselanlagen haben die sogenannte Legionellenschaltung schon seit Jahren eingebaut. Aber da ist ja noch ein Haken in dem ganzen Hyp. Warum ist eigentlich mal wieder der Endverbraucher in der Pflicht. Wenn ich lese, daß zwar wenige Kolonien schon von den Wasserwerken geschickt werden, warum werden die Wasserwerke durch eine dahingehende Änderung der DIN für Trinkwasseraufbereitung nicht in die Pflicht genommen?
Foto: Sebastian Fery / Haufe
Foto: Sebastian Fery / Haufe

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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch