Mittwoch, 05.08.2015 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © lomingen - Fotolia.com

Wann und wie oft der Mieter und Ihre Nachbarn grillen dürfen

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Worum geht´s

Grillende Mitbewohner oder Nachbarn: Wann und wie oft gegrillt werden darf.

Sommerzeit – Grillzeit. Ein Motto, das sich viele Menschen zu Herzen nehmen. Manch einem qualmt es allerdings gewaltig, was dort vom Balkon oder der Gartenterrasse herüberweht. "Darf der das überhaupt?", fragen sich Mitmieter und Nachbarn. Geht es nach den Gerichten, sieht es so aus:

Ein "Grillen verboten" sollte in jeder Hausordnung stehen

Grillt und frittiert Ihr Mieter trotz eines Grillverbots in der Hausordnung auf dem Balkon, gilt: Beschweren sich Mitmieter, können Sie ihn deswegen abmahnen. Macht er dennoch munter weiter, können Sie ihm wegen vertragswidrigen Gebrauchs sogar fristlos kündigen (LG Essen, Urteil v. 7.2.2002, 10 S 438/01, WM 2002 S. 337).

Ob der Mieter eines Mehrfamilienhauses auf seinem Balkon grillen darf, hängt unter anderem von der jeweiligen Hausordnung ab. Darin kann das Grillen sogar ganz verboten werden. Hält sich Ihr Mieter trotz mehrerer Abmahnungen nicht daran, dürfen Sie ihm fristlos kündigen (LG Essen, Urteil v. 7.2.2002, 10 S 438/01, ZMR 2002 S. 597).

Grillfreuden: Was für Eigentümergemeinschaften gilt

Für Eigentümergemeinschaften gilt: Das Grillen auf offener Flamme kann bereits per schlichtem Mehrheitsbeschluss in der Eigentümerversammlung beschlossen werden (LG München I, Urteil v. 10.1.2013, 36 S 8058/12 WEG).

Steht nichts zum Grillen in der Hausordnung, darf der Mieter in normalem Umfang und bei normaler Bauweise gelegentlich auf seinem Balkon grillen (AG Berlin-Mitte, Urteil v. 7.1.2010, 25 C 159/09). Allerdings gilt auch dabei das Gebot der Rücksichtnahme, was den Geruch und den Rauch betrifft.

Steht nichts in der Hausordnung, darf der Mieter gelegentlich grillen

Gelegentlich heißt: 3-mal monatlich 2 Stunden sind noch erlaubt (LG Stuttgart, Beschluss v. 14.8.1996, 10 T 359/96, ZMR 1996 S. 624).Teilweise erlauben die Gerichte das Grillvergnügen aber auch nur einmal monatlich und nur mit vorheriger Ankündigung (AG Bonn, Urteil v. 29.4.1997, 6 C 545/96, WuM 1997 S. 325)

Geht es nach dem Oberlandesgericht Oldenburg (Urteil v. 29.7.2002, 13 U 53/02, DWW 2005 S. 4), darf der Mieter 4-mal im Jahr grillen. Auch in einem Haus, wo Balkon an Balkon grenzt. Allerdings muss das Mieter-Grillfest aber spätestens um 22 Uhr beendet sein. Ab da müssen Vermieter und Mitbewohner nämlich Gerüche und Geräusche, die von nächtlichem Grillen herrühren, nicht mehr schlucken.

Wie oft der Mieter grillen darf, ist von Gericht zu Gericht unterschiedlich

Das Amtsgericht München hat einem Nachbarn sogar zugestanden, von Mai bis August im Garten seines gemieteten Hauses 16-mal – also einmal pro Woche – zu grillen. Und das, obwohl sich Nachbarn über Rauch und die Bratgerüche in ihrer Wohnung beschwert hatten (AG München, Urteil v. 1.4.2004, 263 C 27021/03).

Da ist man im Schwäbischen schon etwas strenger – jedenfalls, wenn es um den Mieter geht: Der darf nur 3-mal im Jahr für 2 Stunden den Grill anwerfen (LG Stuttgart Beschluss vom 14.8.1996, 10 T 359/96).

Ähnlich hart urteilte das Amtsgericht Bonn: In einem Mehrfamilienhaus darf der Mieter nur 1-mal im Monat grillen. Und das auch nur, wenn er 48 Stunden vorher seine Mitmieter über seine Grillabsichten informiert (AG Bonn, Urteil v. 29.4.1997, 6 C 545/96, WM 1997 S. 325).

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
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