Freitag, 10.10.2014 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © karam miri - Fotolia.com

Verfleckter Teppichboden: Wer einen neuen kaufen muss

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Worum geht´s

Teppichboden: Wenn der Mieter einen neuen will.

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Zugegeben: Wie er da so liegt, sieht er nicht mehr so gut aus! Alt, fleckig und muffig riechend. Die Rede ist vom Teppichboden und davon, dass Ihr Mieter einen neuen will - auf Ihre Kosten versteht sich. 

Sie denken: "Wenn der Mieter einen neuen Teppichboden will oder sogar lieber Laminat statt Teppich, dann soll er sich einen kaufen!" Ihr Mieter sieht es anders: Ihre Wohnung, Ihr Boden! 

Mieterauszug: Was aus dem verfleckten Teppich wird

Häufiger Zankapfel beim Mieterauszug: der fleckige Teppich. Leider steht das Gesetz hier mehr auf der Seite Ihres Mieters.

Denn: Ist der Teppich nur vertragsgemäß abgenutzt, muss ihn der Mieter nur gründlich mit einem handelsüblichen Staubsauger saugen – mehr nicht, sofern Sie nicht ausdrücklich eine Teppichreinigung vereinbart haben. Im Klartext heißt das: Ihr Mieter darf ausziehen, ohne auch nur 1 Cent für den neuen Teppichboden zu zahlen.

Schadenersatz gibt´s nicht bei vertragsgemäßer Abnutzung

Laufstraßen im Teppich und Druckstellen von Möbelstücken zählen dabei noch zu den unausweichlichen Verschlechterungen, die bei einer normalen Nutzung auftauchen und deswegen noch als vertragsgemäßer Gebrauch hinzunehmen sind.

Dagegen sind Rotweinflecken oder Urinflecken von Tieren häufig selbst nicht mal durch Reinigen des Teppichs zu beseitigen. Brandflecken sowieso nicht. Hier können Sie auf einen neuen Teppich bestehen, müssen dabei aber einen Abzug neu für alt hinnehmen.

Teppichboden: Wie Sie Ihren Schaden berechnen

Erst wenn der Teppichboden mehr als nur vertragsgemäß abgenutzt ist, wird es für Ihren Mieter teuer: Für die übervertragsgemäße Abnutzung bzw. die Schäden muss er Ihnen Schadenersatz zahlen. Vorausgesetzt Sie können beweisen, dass der Teppichboden mehr als nur normal abgenutzt ist.

Gute Chancen haben Sie nur, wenn Sie die folgenden 3 Punkte nachweisen können:

1.  Wie alt der Teppich in der Mietwohnung ist,

2.  wie viel er gekostet hat und

3.  dass er übervertragsgemäß abgenutzt ist.

Was während eines laufenden Mietverhältnisses gilt 

Auf der anderen Seite ist es jedoch so: Haben Sie dem Mieter eine Wohnung mit Teppichboden vermietet und ist der Teppichboden im Lauf der Zeit durch normale Abnutzung verschlissen, müssen Sie ihn auf eigene Kosten erneuern. Das gehört nämlich zu Ihrer Instandhaltungspflicht als Vermieter.

Hat Ihr Mieter den Teppich allerdings selbst verlegt oder vom Vormieter ausdrücklich übernommen, ist es sein Teppich. Den muss er dann beim Auszug wieder rausreißen und mitnehmen.

Teppichboden: Es gilt der Grundsatz "neu für alt" 

Bekommen Sie jetzt die Kosten für einen neuen Boden ersetzt? Nein, denn der Grundsatz „neu für alt" schmälert Ihren Schadenersatzanspruch. Beim Berechnen Ihres Schadenersatzanspruchs wird die durchschnittliche Lebensdauer des beschädigten Bodens berücksichtigt.

Die Gerichte gehen dabei von einer Lebensdauer von maximal 10 Jahren aus. Ist also der beschädigte Teppich zum Zeitpunkt des Schadenseintritts bereits 5 Jahre alt gewesen, muss Ihnen Ihr Mieter allenfalls noch 50 % vom Kaufpreis eines neuen, gleichwertigen Teppichbodens bezahlen.

Schadenersatz: Wann Sie leer ausgehen 

Ist bei Ihrem beschädigten Teppichboden die durchschnittliche Lebensdauer sogar schon überschritten, gehen Sie leer aus: Am neuen Teppich muss sich Ihr Mieter gar nicht beteiligen.

War also Ihr Teppichboden bei Einzug des Mieters zwar schon 9 Jahre alt, aber in topp gepflegtem Zustand, und ist er ein Jahr später bei Auszug völlig ramponiert, muss Ihnen Ihr Mieter trotzdem keinen Cent mehr zahlen. Schließlich hat der Teppichboden seinen zeitlichen Zenit bereits erreicht!

Bei einem Teppichboden gehen die Gerichte von einer Lebensdauer von ca. 10 Jahren aus. Abhängig auch von der Qualität des Teppichs. Bei besserem Teppich auch schon einmal 15 Jahre (LG Köln, WuM 1983 S. 126).

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber

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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
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 meineimmobilie.de-Tipp

Warum Sie sich keine Hoffnung auf den Neupreis machen brauchen

 

Streiten Sie sich um den Teppichboden, bekommen Sie selten den kompletten Neupreis. Sie müssen sich beim Schadenersatz nämlich den Vorteil „Neu für Alt“ anrechnen lassen.

 

Beim Teppichboden gehen die Richter von einer 10-jährigen „Lebenszeit“ aus. Ist Ihr Teppich bei Auszug erst 3 Jahre alt, muss Ihnen Ihr Mieter nur 70 % des Neupreises ersetzen.

 

Ist Ihr Teppich also nur üblich bzw. altersbedingt abgenutzt, muss Ihnen Ihr Mieter bei Auszug keinen neuen Teppichboden bezahlen.