Donnerstag, 06.11.2014 | Autor: Heidi Schnurr, Rechtsanwältin, Foto: © Kadmy - Fotolia.com

Überall Bohrlöcher: Wie viele erlaubt sind

Foto: © Kadmy - Fotolia.com
Worum geht´s
  • Wieviele Bohrlöcher Ihr Mieter bohren darf.
  • Was mit den Bohrlöchern beim Mieterauszug passiert.   
Stichworte zu diesem Thema

Kaum hängt der Mieter seine Küchenschränke ab oder die hippen Wohnzimmerregale, sehen Ihre Wände aus wie Schweizer Käse.

Ihr Mieter meint, er könne so ausziehen - ohne die Löcher zuzuspachteln. Sie sehen das jedoch ganz anders.

Bohrlöcher verschließen: Was der Mieter beim Auszug tun muss

Ihr Mieter muss bei seinem Auszug alle Schrauben, Haken und Nägel entfernen und die zurückgebliebenen Dübellöcher verschließen. Das gilt selbst dann, wenn Sie dies nicht ausdrücklich im Mietvertrag so vereinbart haben (LG Mannheim, WM 1975, S. 50; LG Köln, WM 1976, S. 51).

Es gibt allerdings auch eine Ausnahme: Wenn Ihr Mieter im Bad oder im WC Löcher bohrt, um z. B. einen nicht vorhandenen Handtuch- oder Toilettenpapierhalter anzubringen, muss der Mieter diese Dübellöcher nicht wieder verschließen.

Es sei denn, er hat ungewöhnlich viele Löcher gebohrt. Für die über das erforderliche und übliche Maß hinausgehende Anzahl von Dübellöchern haftet er.

Erlaubte Bohrlöcher: Wie viele der Mieter bohren darf

Allerdings: Eine feste Anzahl, wie viele Bohrlöcher der Mieter im Bad bohren darf, gibt es nicht. Maßgebend ist immer der Einzelfall (LG Hamburg, Urteil v. 17.5.2001, 307 S 50/01, WM 2001 S. 359).

So hielt das Hamburger Landgericht 32 Löcher im Bad noch für vertragsgemäß. Der Vermieter hatte den Fehler gemacht, eine Wohnung zu vermieten, in der keine Armaturen wie Papierhalter, Seifenschale, Handtuchhalter, Spiegel oder Spiegelschrank angebracht waren.

Andere Gerichte urteilen da vermieterfreundlicher: Denen sind 13 Dübellöcher in der Toilette und im Bad auf jeden Fall zu viel (LG Darmstadt, NJW-RR 1988, S. 80; AG Speyer, WM 1983, S. 138).

Wann Sie auf neue Fliesen bestehen können

110 Dübellöcher zählte ein Vermieter aus Hamburg, als sein Mieter die Holzpaneele vom Fliesenrand abschraubte. Die Löcher hatte der Mieter – zu seinem großen Glück – hauptsächlich in die Fugen statt in die Kacheln gebohrt! Schon deswegen konnte der Vermieter nicht auf komplett neue Wandfliesen pochen.

Da nur einzelne Fliesen ausgetauscht werden mussten, musste der Mieter nicht die gesamten Wandfliesen zahlen! Allerdings steht Ihnen als Vermieter Schadenersatz zu, wenn Sie nicht mehr die gleichen Fliesen bekommen und so eine optische Wertminderung hinnehmen müssen (AG Hamburg-Altona, Urteil v. 18.5.2006, 318 C 283/05, WuM 2008 S. 27).

Geht es nach dem Landgericht Berlin, muss der Mieter alle Löcher so weit wie möglich in die Fugen bohren (LG Berlin, Urteil v. 10.1.2002, 61 S 124/01, GE 2002, S. 261).

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber

Es schreibt für Sie

Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
In der Zahnpastawerbung hieß es einmal: "Stell' Dir vor, er hat nicht einmal gebohrt!". Tja, wenn Sie das auch beim Auszug Ihres Mieters so freudestrahlend sagen könnten.   Doch der Vermieteralltag sieht oftmals anders aus: Da hat der Mieter munter gebohrt und Ihre Wand ähnelt schlimmstenfalls einem Schweizer Käse! Wie viele Bohrlöcher noch erlaubt sind, hängt - wie so oft bei den Juristen - vom Einzelfall ab.
Zu viele, zu große und noch dazu an den falschen Stellen: Die Rede ist von hässlichen Bohrlöchern, die Sie oft erst entdecken, wenn der Mieter samt Umzugswagen schon um die Ecke ist. Ein Fall für Schadensersatz? Wie die Gerichte hier entscheiden.
"Muss er oder muss er nicht?" Über diese Gretchenfrage beim Mieterauszug zog jetzt der Bundesgerichtshof einen blitzsauberen Schlussstrich. Dabei ging es um die Grundreinigung des Teppichbodens. Nur, wenn die noch zu den Schönheitsreparaturen zählt, können Sie auf einen sauberen Teppich pochen. So stehen Ihre Chancen.

 meineimmobilie.de-Tipp

Es gibt Grenzen, wo der Mieter seinen Bohrer ansetzen darf. Bohrt Ihr Wohnungsmieter ungefragt die Kunststofffenster an, stellt das eine Vertragsverletzung dar. Auch für einen Laien liegt klar auf der Hand, dass er damit die Substanz der Fenster beschädigt und die Bohrlöcher beim Auszug nicht ohne Weiteres wieder verschlossen werden können.

Der Vermieter kann deswegen die Kosten für den Austausch der entsprechenden Fenster(-teile) vom Mieter ersetzt verlangen. Er muss sich dafür auch keinen Abzug "neu für alt" anrechnen lassen, denn Kunststofffenster unterliegen keinem gravierenden Verschleiß (AG Spandau, Urteil v. 26.10.2007, 3b C 715/06).