Dienstag, 22.01.2013 | Autor: Heidi Schnurr

Summ summ summ: Bienchen dreckt herum

Worum geht´s

Ein Nachbar beschwert sich über den Bienenkot, den die Bienen bei ihrem alljährlichen "Reinigungsflug" auf dem Vordach des Nachbarn hinterließen. 

Es gibt Urteile, die entlocken einem ein leichtes Schmunzeln. Gleichzeitig versetzen Sie einen ins Erstaunen: "Über so etwas streiten sich wirklich die Leute?". Und Sie lösen auch ein wenig Bedauern aus: "Die armen Richter, die sich mit so was auseinandersetzen müssen!". Alle 3 Dinge trafen auf dieses Urteil zu. Um was es ging? Tja, ähm, wie soll man´s sagen: Bienenkot!  

Es gibt Urteile, bei denen kann man sogar etwas über die Natur lernen. Beispielsweise, dass Bienen alljährlich zu einem „Reinigungsflug" aufbrechen (LG Dessau-Roßlau, Urteil v. 10.5.2012, 1 S 22/12).

Wer sich jetzt träumerisch vorstellt, dass summende Bienchen ihre Flügelchen elfengleich vom Blütenstaub befreien, täuscht sich: Es geht um einen weniger romantischen Abkotungsflug der Bienen. Den absolvierte gleich der gesamte Bienenstock just über dem Grundstück eines etwas pingeligen Nachbarn.

Dabei hinterließen die fleißigen Bienchen Miniflecken auf dem Vordach und dem Pooldach des nachbarlichen Grundstücks. Der Nachbar wollte dafür vom Bienenbesitzer Schadensersatz haben.

Um es kurz zu machen: Er bekam für den Bienendreck keinen Cent, weil das Gericht das Eigentum des Nachbarn nur unwesentlich beeinträchtigt sah.

Bienen haben keine festen „Waschzeiten“

Auch eine Tierhalterhaftung nach § 833 Satz 1 BGB verneinte das Gericht.

Das hatte sich über Wikipedia schlau gemacht und festgestellt, dass selbst ein Umstellen der Bienenstöcke kurz vor dem Reinigungsflug nichts geholfen hätten: Die Bienen haben nämlich keine festen „Reinigungszeiten“, sodass selbst der Imker nicht wissen konnte, wann seine Bienen zum Reinigungsflug starten würden.

Damit war die Angelegenheit vom Tisch.

 

Kommentare (1)

30.1.2013, 11:29 Uhr von Matulla Profil ansehen
Der Kläger wäre vielleicht einmal froh, wenn die Bienen sein Vordach mit Kot verschmutzen, weil diese nützlichen Insekten, durch Pestizide und die Veromilbe stark dezimiert werden. Damit ist nicht nur die Honigproduktion gefährdet, sondern auch die Blütenbestäubung der Obstbäume.
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber

Es schreibt für Sie

Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
Sie dürfen in Ihrer Betriebskosten-Abrechnung nur die Kosten für einen ...

 meineimmobilie.de-Tipp

Wie pingelig der Nachbar gewesen sein muss, zeigt dieser Test, der in der Zeitschrift „Bienenpflege“ im Mai 1958, unter der Überschrift „Zahlen, die zu denken geben“, veröffentlicht wurde.  

 

Dabei wurden in der Nähe eines Bienenstandes in gestaffelten Abständen weiße Pappen in der Größe von je 1 m² ausgelegt. Nach dem Reinigungsflug wurden die Kotspritzer auf der Pappe ausgezählt. Dabei zeigten sich im Abstand von 100 m zum Bienenstand 6 Kotflecken.

 

Im Abstand von 30 m waren es bereits 219 Flecken. Im Abstand von 20 m 308 Flecken, bei 10 m 1.103 Flecken.

 

Wer sein Auto z. B. 6 m neben dem Bienenstand parkt, muss mit 508 Flecken rechnen. 3 m neben dem Stock waren es bereits 777 Flecken.