Montag, 27.08.2012 | Autor: Heidi Hecht , Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006

Animal Hoarding in Deutschland weit verbreitet

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006
Worum geht´s
  • Erste wissenschaftliche Arbeit aus Deutschland  zum Thema Animal Hoarding
  • Mehr Fälle von Animal Hoarding als angenommen

Erstmals stellt eine Doktorarbeit die aktuelle Situation in Deutschland beim Thema Animal Hoarding dar: Das Phänomen ist demnach weiter verbreitet als bisher angenommen.

Animal Hoarding ist in Deutschland weiter verbreitet als gedacht. Dies geht aus der aktuell veröffentlichten Doktorarbeit „Animal Hoarding. Das krankhafte Sammeln von Tieren. Aktuelle Situation in Deutschland und Bedeutung für die Veterinärmedizin“ von Tina Susanne Sperlin der tierärztlichen Hochschule Hannover hervor, die vom Deutschen Tierschutzbund unterstützt wurde. Von mehr als 600 Fällen und über 50.000 betroffenen Tieren berichten die teilnehmenden Veterinärämter im Rahmen der Doktorarbeit.

Ergebnisse zu Animal Hoarding im Überblick

Aus der Doktorarbeit geht hervor, dass jedes zweite Veterinäramt in Deutschland bereits mit mindestens einem Fall von Animal Hoarding konfrontiert wurde, dessen Bearbeitungsdauer im Durchschnitt drei Jahre dauert. Am häufigsten gehortet werden Katzen, gefolgt von Hunden, Kaninchen und Ziervögeln. Mehr als zwei Drittel der Animal Hoarder sind Frauen, der Altersdurchschnitt der Animal Hoarder liegt bei 50 Jahren. Bei jedem vierten Fall ziehen die Halter aus dem Zuständigkeitsbereich des Veterinäramtes aus, um Strafen zu entgehen, sehr oft kommt es dann zu Wiederholungsfällen. Die Studie belegt außerdem, dass viele der Animal Hoarder kein eigenes Fehlverhalten wahrnehmen.

Mehr als 600 Animal Hoarding Fälle

„Die Untersuchung zeigt, dass neben Tierhalteverboten und regelmäßigen Nachkontrollen zukünftig eine medizinische Begleitung der Animal Hoarder, inklusive humanmedizinischer Diagnose und Therapien notwendig sind, um das Problem Animal Hoarding nachhaltig zu lösen“, so Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Bereits jedes zweite der über 500 dem Verband angeschlossenen Tierheime musste Tiere aus solchen Fällen aufnehmen. Eine enorme finanzielle aber auch emotionale Belastung, da die Tiere oft in einem sehr schlechten Zustand in die Tierheime kommen.

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Alleine die Fakten sind schon schockierend: Über 1.700 Vögel in einer 63-Quadratmeter-Wohnung in Berlin, 140 Katzen in Unterfranken oder 200 gesammelte Tiere in der Eifel. Die sogenannte Tiersammelsucht ist eine psychische Erkrankung – unter deren Folgen auch die Nachbarn leiden.

 meineimmobilie.de-Tipp

Wann ist der Nachbar ein Tierhorter?

  • Es werden mehr als die durchschnittliche Anzahl Tiere gehalten (Anlehnung an durchschnittliche Tierhaltung in Deutschland: bis ca. 3 Hunde, ca. 3-4 Katzen, ca. 5 Nager, etc.)
  • Es leben für das vorhandene Platzangebot zu viele Tiere in den Räumlichkeiten bzw. auf dem Gelände (Minimalanforderungen nach TSchG, Einschätzung des Veterinärs)
  • Die Person zeigt trotz überdurchschnittlich hoher Tierzahl und zu geringem Raumangebot keine Einsicht, dass der Tierbestand reduziert werden muss.

(Quelle: Deutscher Tierschutzbund)