Freitag, 25.07.2008 | Autor: Jörg Stroisch/mb

Gekauft ist gekauft: Risiko Immobilienversteigerung

Eine Immobilienversteigerung bietet Chancen, aber auch Risiken, denn nicht selten kauft ein Bieter dabei die Katze im Sack. Für Interessenten gilt deshalb vor allem eines: Vor dem Kauf sollten sie unbedingt Informationen über das Objekt einholen.

Normalerweise liefert der Rechtspfleger umfangreiche Informationen über das gewünschte Objekt. Die beim Amtsgericht vorliegenden Unterlagen müssen aber nicht unbedingt vollständig sein und reichen deshalb häufig nicht aus. So kann das Verkehrswertgutachten veraltet sein oder Lücken aufweisen, da dem Gutachter kein Zutritt zur Immobilie gewährt wurde.

Wie bei einem "normalen" Kauf müssen sich Interessenten deshalb zusätzlich ausführlich über die Wunschimmobilie informieren. Einige spezielle Fallstricke gilt es dabei unbedingt zu beachten.

Schwächen im Verkehrswertgutachten

Zunächst lässt das Gericht durch einen Sachverständigen den Verkehrswert der Immobilie feststellen. Der Gutachter ermittelt den Preis, den die Immobilie im gewöhnlichen Geschäftsverkehr erzielen würde. Der Verkehrswert berechnet sich aus dem Sach- beziehungsweise Ertragswert der Immobilie und der aktuellen Marktlage.

Ein solches Gutachten ist eine gute Grundlage, birgt aber auch einige Schwächen. Häufig bekommt der Sachverständige keinen Zugang zur Immobilie oder zum Grundstück und kann seine Schätzung nur nach einer Außenbesichtigung und nach Aktenlage abgeben. Nicht selten fühlen sich Mieter oder Eigentümer durch die anstehende Zwangsversteigerung bedroht und verweigern die Kooperation.

Natürlich macht sich die fehlende Einsicht in die Immobilie durch einen Abschlag vom errechneten Verkehrswert bemerkbar. Aber ein hohes Maß an Unsicherheit bleibt für den Bieter trotzdem.

Zeitraum eines Verfahrens

Ein weiteres Problem stellt der lange Zeitraum dar, über den sich ein Zwangsversteigerungsverfahren hinziehen kann. Zwischen der Erstellung des Gutachtens und dem tatsächlichen Zuschlag können manchmal Jahre liegen.

Dies hängt damit zusammen, dass mehrere Termine für die Zwangsversteigerung anberaumt werden können und zwischen jedem dieser Termine Monate liegen. In diesem Zeitraum bleiben dann selbst grundlegende Instandhaltungen der Immobilie aus, da der frühere Eigentümer dafür kein Geld mehr aufbringen wird. Das Gutachten ist somit schlicht veraltet.

Gekauft ist gekauft

Ist der Zuschlag erteilt, gibt es kein Zurück mehr. Den Zustand der Immobilie kann der Käufer dann nicht mehr nachverhandeln oder reklamieren. Dies gilt auch für Rechte, die andere eventuell noch am Grundstück halten. Da hilft also nur, sich vor dem Versteigerungstermin zu informieren.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
Foto: Sebastian Fery / Haufe

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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
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Weitere Informationen erhalten Sie auch über die Ausschreibung beim Amtsgericht des jeweiligen Grundbuchbezirks. Durch einen Aushang an der Gerichtstafel, manchmal aber auch über das Amtsblatt oder die Tageszeitung, wird über anstehende Termine informiert. Wichtige Details sind dabei die Anschrift und das Aktenzeichen der Versteigerung.