Montag, 24.08.2009 | Autor: Bernhard Metzger/mb

Vom Profi geplant und überwacht

Architekten planen nicht nur Häuser, sie können auch die Überwachung der Bauarbeiten übernehmen. Das erspart dem Bauherren nicht nur Zeit und Nerven, sondern oft auch bares Geld.

Wenn der Bauherr vom ersten Entwurf an mit einem Architekten zusammenarbeitet, erhält er in jedem Fall etwas Individuelles, wodurch seinen persönlichen Bedürfnissen und finanziellen Möglichkeiten optimal entsprochen werden kann.

Honorar für Architekten

Der Umfang der Leistungen des Architekten sowie die Berechnung der einzelnen vom Architektenhonorar erfassten Leistungen regelt die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). Für die Ermittlung des Honorars werden Mindest- und Höchstsätze festgeschrieben, die nur in Ausnahmefällen unter- oder überschritten werden dürfen.

Für besondere Leistungen, wie etwa Bodenuntersuchungen, kann bei der Honorarbemessung frei verhandelt werden. Das Honorar des Architekten ist abhängig von der Bausumme (anrechenbare Kosten). Je höher die Bausumme ist, desto höher ist sein Honorar. Doch aus diesem Berechnungsmodus lässt sich nicht einfach schließen, ein Architekt werde zu eher kostspieligen Bauwerken raten. Spricht der Bauherr offen das maximal vorhandene Budget an, lässt sich auch bei begrenzten Mitteln fast immer eine Lösung finden, die einen guten Bau ergibt.

Vereinbarungen mit Architekten schriftlich festhalten

Grundsätzlich sollten während der Vorverhandlungen mit dem Architekten alle Vereinbarungen, die die späteren Leistungen und das erwartete Honorar betreffen, in Schriftform niedergelegt werden. Denn nur so können Missverständnisse von vornherein vermieden werden.

Sinnvollerweise sollte ein Architekt vor Ort gewählt werden, der die örtlichen Verhältnisse - insbesondere Behörden und Handwerksfirmen - kennt, dessen bisherige Kunden gut über ihn sprechen und dessen Bauwerke gefallen. Der Architekt sollte Mitglied bei der Architektenkammer sein, denn erst dann ist er bauvorlageberechtigt.

Leistungsumfang des Architekten

Die Leistung eines Architekten beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Erstellung der Planunterlagen, sondern er betreut - je nach Auftragserteilung - das Bauvorhaben vom Anfang bis zum Ende.

Der Bauherr sollte es sich deshalb gut überlegen, ob er seinen Bau ganz allein überwachen will, nur um das Honorar für die Bauleitung einzusparen. Häufig bringt ein guter Architekt das für die Bauüberwachung fällige Honorar nahezu von selber wieder herein.

Dies ergibt sich schon dadurch, dass ein Experte durch treuhänderisches und firmenunabhängiges Beaufsichtigen in Verbindung mit sorgfältiger Kosten- und Qualitätskontrolle ganz erhebliche Summen sparen - beziehungsweise Baumängel, Schäden und Ärger vermeiden kann.

Architektenvertrag

Beim Vertrag mit dem Architekten kann auf fertige Muster der Architektenkammern zurückgegriffen werden, die als akzeptabel gelten und die auch dann sinnvoll erscheinen, wenn dem Fachmann nur die reine Planung des Hauses überlassen wird.

Nachdem der Architekt mit der Planung beauftragt wurde, prüft dieser die Bebaubarkeit des Grundstücks. Dabei wird unter Einhaltung der geltenden behördlichen Festsetzungen, der möglichen Bebaubarkeit und letztendlich auch der Vorstellungen des Bauherren über das zukünftige Bauvorhaben ein Vorentwurf erstellt.

Details besprechen

Der Bauherr sollte sich Zeit lassen und mit dem Architekten die Vor- und Nachteile der Grundrisse besprechen. Nachdem die Vorplanung und Entwurfsplanung abgeschlossen ist, werden die Eingabepläne gezeichnet, der Bauantrag gestellt und die Baugenehmigung eingeholt.

Wenn die Baugenehmigung vorliegt, werden unter Beachtung der behördlichen Auflagen die Ausführungspläne (Werkpläne) im Maßstab 1:50, erforderliche Details sowie die statischen Berechnungen erstellt, Bewehrungspläne gezeichnet sowie für alle Bauleistungen Ausschreibungsunterlagen (Leistungsverzeichnisse) zusammengestellt und an mehrere Handwerker verschickt.

Ausschreibung an Handwerksbetriebe

Die Handwerker versehen die Leistungsverzeichnisse mit ihren Preisen und schicken diese dem Architekten zurück. Nach rechnerischer, technischer und wirtschaftlicher Prüfung der Angebote und Auswahl der Handwerker werden die Aufträge vergeben.

Bauverträge werden nach der VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen) in der Regel als Werkvertrag vergeben. Die VOB soll Grundlage eines jeden Vertrages (Auftrages) sein, da hierin alle sich aus dem Vertragsverhältnis zwischen Bauherrn und Handwerker ergebenden Rechte und Pflichten verankert sind. Die VOB ist kein Gesetz und muss als Vertragsbestandteil zwischen dem Bauherrn und dem Handwerker vereinbart werden.

Überwachung der Handwerksleistungen

Der Zweck der VOB ist, die allgemeinen Rechtsvorschriften, insbesondere das Werkvertragsrecht des BGB, den speziellen Bedürfnissen zwischen Bauherrn und Handwerker anzupassen. Durch ständige und gründliche Überwachung der Bauarbeiten werden sämtliche Handwerksleistungen vom Architekten genau auf Qualität und Umfang geprüft und die Einhaltung der vereinbarten Termine gemäß dem Bauzeitenplan überwacht.

Zudem prüft der Architekt die Rechnungen der Handwerker, bevor sie an den Bauherrn zur Bezahlung weitergeleitet werden. Wenn der Neubau bezugsfertig steht, nimmt der Architekt mit dem Bauherrn die Abnahme sämtlicher Bauleistungen vor und überwacht während der Verjährungsfrist für Mängelansprüche die Mängelbeseitigung.

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Dipl.-Ing. (FH) Bernhard Metzger ist freier Sachverständiger für Schäden an Gebäuden, Mitglied im LVS, BGDS und BBauSV und Autor einschlägiger Fachliteratur.
Bernhard Metzger

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Bei der Wahl des Handwerksbetriebes für den Hausbau empfiehlt es sich, den Handwerker auf Fachkundigkeit, Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit zu überprüfen, zum Beispiel über früher abgewickelte Bauvorhaben. Nicht immer ist das billigste Angebot auch das preiswerteste. Bei der Entscheidung hilft Ihnen der Architekt weiter.