Montag, 27.10.2014 | Autor: Heidi Hecht, Foto: © Thomas Francois - Fotolia.com

Hauskauf: Wer haftet, wenn´s zieht wie Hechtsuppe?

Foto: © Thomas Francois - Fotolia.com
Worum geht´s
  • Hausverkauf
  • Haftung
  • Kaufvertrag
  • Haftungsklausel  
Stichworte zu diesem Thema

Sie kaufen ein Haus. Beim ersten Regen tropft es durchs Dach und beim ersten Wind zieht es wie Hechtsuppe durch die Dachgeschosswohnung. Na toll! Was jetzt? Erst mal schauen, was der Kaufvertrag sagt.

Bei privaten Hauskaufverträgen wird normalerweise die Gewährleistung des Verkäufers für Mängel ausgeschlossen. Der Verkäufer haftet in der Regel dann nur noch bei arglistiger Täuschung des Käufers.

Doch nicht alle Kaufverträge sehen das so eng: In manchen wird durch eine vertragliche Vereinbarung sogar die Haftung des Verkäufers erweitert. 

Wer zur Ehrlichkeit verpflichtet ist, muss Mängel offenbaren

Wurde in einem Grundstückskaufvertrag vereinbart, dass der Verkäufer Mängel offenlegen muss, die ihm bekannt sind oder bekannt sein müssten, haftet er für größere Mängel, wie ein undichtes Dach und mangelnde Beheizbarkeit, trotz Gewährleistungsausschluss.

Dies entschied laut der Rechtsschutzversicherung D.A.S. das Oberlandesgericht Karlsruhe in einem aktuellen Urteil (OLG Karlsruhe, Az. 9 U 184/10).

Wann der Hausverkäufer für ein undichtes Dach haftet

Ein Käufer erwarb ein Fachwerkhaus, das schon mehrere Jahrhunderte alt war und in dem sich drei Wohnungen befanden. Im Kaufvertrag war vereinbart, dass der Verkäufer verpflichtet sei, „diejenigen erheblichen versteckten Mängel zu offenbaren, die ihm bekannt sind oder bekannt sein müssten". Gleichzeitig war allerdings die Gewährleistung ausgeschlossen.

Nach dem Kauf stellte der Käufer allerdings fest, dass das Dach undicht war. Es zog so durch das Haus, dass sich die Dachgeschosswohnung nicht mehr richtig beheizen ließ – zumindest nicht auf Temperaturen oberhalb von 15 bis 16 Grad.

Der Käufer meinte, dass der Verkäufer ihn darauf hätte hinweisen müssen – und klagte erfolgreich auf Schadenersatz.

Versteckte Mängel: Wann der Käufer darauf hinweisen muss

Das Oberlandesgericht Karlsruhe entschied zugunsten des Käufers. Der Verkäufer sei vertraglich verpflichtet gewesen, auf erhebliche versteckte Mängel hinzuweisen.

Wer ein Wohnhaus kaufe, gehe davon aus, dass man dieses auch richtig beheizen könne. Funktioniere die Heizung nicht, weil das Dach undicht sei, liege ein erheblicher Mangel vor.

Den hätte der Verkäufer kennen müssen. Noch dazu, weil er selbst drei Jahre lang in der Dachgeschosswohnung gewohnt hatte.

Auch ohne arglistige Täuschung hafte der Verkäufer daher auf Schadenersatz. Der zusätzlich vereinbarte Gewährleistungsausschluss galt unter diesen Umständen nicht

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.
News: Private Eigentümer verkaufen eher selten Immobilien. Diese Unerfahrenheit kann jedoch dazu führen, dass die Zielgruppe nicht auf Inserate reagiert, das Objekt weit unter Wert verkauft wird oder etwa der Kaufvertrag rechtlich undicht ist.
Wer eine Immobilie bei einem Privatmann kauft, kommt nicht in die Gunst der Verbraucherrechte. Der Immobilienkäufer muss alle Angelegenheiten selbst regeln. Mit einer Ausnahme: der Offenbarungspflicht von Mängeln. 

 meineimmobilie.de-Tipp

Sie sollten sehr gründlich sein, wenn es um den Kauf einer Immobilie geht.

Die Kosten für einen Gutachter zahlen sich in vielen Fällen schnell aus, denn Sie erfahren nicht nur etwas über eventuelle Schäden, sondern auch etwas über den tatsächlichen Verkehrswert der Immobilie.