Donnerstag, 27.11.2008 | Autor: Helmut Aschenbrenner/Ulrike Gantert/mb

Energiesparen: Hausplanung mit Köpfchen

Energieeinsparung ist ein Schlagwort, das aus den Medien kaum mehr wegzudenken ist. Wie dies am eigenen Objekt umgesetzt werden kann, muss in einem relativ frühen Stadium der Bauplanungen überlegt werden.

Die Umsetzung ausschließlich den Planern und Technikern zu überlassen, wird der Bedeutung nicht gerecht. Es gibt ein ganzes Bündel an Kriterien zu berücksichtigen, die nicht nur im technischen oder bautechnischen Bereich liegen. Einige der ganz wesentlichen Kriterien und Einflussgrößen sollen hier benannt werden:

  • Standort
  • Gebäudelage
  • Gebäudeart
  • Gebäudeausrichtung
  • Gebäudeform
  • Gebäudekonstruktion
  • mögliche Energiequellen
  • mögliche alternative Energiequellen
  • Fördermöglichkeiten
  • finanzielle Rahmenbedingungen
  • Lebensplanung
  • Lebensgefühl

Allein diese Auflistung der mit Sicherheit nicht vollständig erfassten Punkte zeigt, dass es sich hier um eine Grundsatzentscheidung, quasi um eine "Überzeugungstat" handelt. Zu bedenken ist aber immer auch, was machbar ist.

Wenn diese Hürde erfolgreich genommen ist, gilt es, eine weitere, "nur" die Technik und Bautechnik betreffende Entscheidung zu treffen: Will sich der Hauseigentümer mit der Einhaltung der Forderungen der EnEV begnügen oder will und vor allem kann er in Bezug auf das zur Verfügung stehende Budget mehr tun? Es gibt hier nicht unerhebliche Steigerungsmöglichkeiten bis hin zu dem sich automatisch auf die Sonne ausrichtenden "High-tec-Null-Energiepassivhaus", bei dem sicher Kosten und Nutzen in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zueinander stehen.

Gebäudetypen

In Bezug auf den Energieverbrauch werden derzeit sechs grundsätzliche Gebäudetypen unterschieden:

  • Das Bestandsgebäude (muss die Anforderungen der EnEV rechnerisch aufgrund von Ausnahmetatbeständen wie zum Beispiel Baudenkmal nicht erfüllen).
  • Das "normale" EnEV-Haus (erfüllt die Anforderungen der EnEV rechnerisch).
  • Das Energieeinsparhaus (erfüllt die Anforderungen der EnEV und verfügt zusätzlich über einen reduzierten Energieverbrauch, zum Beispiel durch Wärmerückgewinnung und/oder Nutzung alternativer Energiequellen).
  • Das Passivsparhaus (liegt über den Anforderungen der EnEV und verfügt zusätzlich über einen minimierten Energieverbrauch durch eine Kombination von Wärmerückgewinnung und Lüftung sowie Nutzung alternativer Energiequellen).
  • Das Nullenergiehaus (ist die höchste theoretische Steigerungsform des Passivhauses, quasi ein "Perpetuum mobile"; derzeit immer noch im für den normalen Verbraucher unbezahlbaren Feldversuch steckend).

Dazwischen liegt das gesamte Spektrum der Entscheidungsmöglichkeiten.

Eigene Bedürfnisse hinterfragen

Nachdem nun der finanzielle Rahmen abgesteckt und das technisch Mögliche und Machbare ausgelotet ist, sollte der Bauherr sich wieder der realistischen Planung zuwenden und sich selbst nach den eigenen Bedürfnissen fragen. Will er tatsächlich um Energie zu sparen ein absolut dichtes Gebäude mit Fenstern, die man nicht mehr öffnen kann, und einer Lüftungsanlage, die natürlich unabhängig vom Erscheinungsbild niemals ganz geräuschlos funktionieren kann? Auch hier gilt: Maß halten und nur das "Machbare" - also das, was auch gerne gelebt wird - umsetzen.

Gibt es hier nicht auch andere wirksame Einflussgrößen, die oft einfacher und damit besser funktionieren als die hundertprozentige Dämmung und die technische Hochrüstung? Ja, die gibt es. Und sie sind zudem ganz einfach und plausibel. Und das Schönste ist, intelligent angewendet, spart man auch erhebliche Kosten. Es handelt sich um die konkrete Auswahl der Faktoren:

  • Geografische Lage/Klimazone (insbesondere keine Höhenlagen und keine hohen Windbelastungen),
  • Standort (insbesondere Maximierung von Intensität und Dauer der direkten Sonneneinstrahlung im Winter),
  • Gebäudeausrichtung (insbesondere Hauptausrichtung und Öffnung in Süd-West-Richtung),
  • Gebäudeart (möglichst kompaktes Gebäude mit kleiner Oberfläche)

Ein Niedrigenergiehaus in der Großstadt? Auch das ist möglich, wenn Bauherrenwunsch und Planung von Anfang an Hand in Hand gehen. Die Mehrkosten amortisieren sich meist in zehn bis 15 Jahren.

  • Gebäudekonstruktion (Optimierung Baumasse als speicherwirksame Bauwerksmasse),
  • Gebäudegliederung (offene Flächen in Sonnenrichtung, geschlossene Flächen auf schattigen und Wetterseiten, bauliche und natürliche Verschattung et cetera),
  • funktionelle Gliederung (Wintergärten als "Sonnenfallen", unbeheizte und beheizte Nebenräume als Klimapuffer. Wand- und Dachflächen als Fläche alternativer Energiequellen),
  • Nutzung verfügbarer spezifischer Energiequellen (Holz in waldreichen Gebieten, Erdwärme in Gewässernähe, Sonnen- und Windenergie bei entsprechender Verfügbarkeit),
  • Bepflanzung (Windschutz zur Wetterseite, Sonnenschutz durch Laubbäume und Gehölze, Klettergehölze als Klimapuffer an Fassaden, Gründach als zusätzlicher Energiespeicher).

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.

Es schreibt für Sie

Ulrike Gantert ist Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht sowie Schlichterin/Schiedsrichterin für Baustreitigkeiten. Sie ist in einer Münchener Baurechtskanzlei tätig und Mitglied der ARGE Bau- und ...
Ulrike Gantert