Dienstag, 05.01.2016 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © jogys - Fotolia.com

Grunderwerbsteuer: Thüringen erhöht zum 1.1.2017 auf 6,5 Prozent

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Worum geht´s

Wann und wie viel Grunderwerbsteuer Sie pro Bundesland zahlen müssen. 

Stichworte zu diesem Thema

Grundstücke sind teuer – und jetzt will auch noch das Finanzamt kräftig von Ihrem Kauf profitieren: mit der Grunderwerbsteuer.

Über die Höhe darf jedes Bundesland selbst bestimmen. Aktuell hat Thüringen die Grunderwerbsteuer zum 1.1.2017 auf 6,5 % erhöht.

Wann und wie tief Sie pro Bundesland in die Tasche greifen müssen und wo Immobilienerwerb noch günstig ist, zeigt diese aktuelle Steuer-Tabelle.

Kaufen Sie ein Grundstück, ein Gebäude oder eine Wohnung, reibt sich das Finanzamt hocherfreut die Hände: denn dann wird die Grunderwerbsteuer fällig und es klingelt wieder einmal kräftig in der Finanzamtskasse!

Damit sich das Finanzamt nicht zu sehr freut, sollten Sie auf einige Besonderheiten achten, die Ihnen helfen, bares Geld zu sparen.

Immobilienkauf: Gehen Sie erst zum Steuerberater und dann zum Notar

Für die Frage, ob und wie Sie ein Grundstück kaufen sollten, lohnt sich in der Regel der vorherige Gang zum Steuerberater. Kommt es dann tatsächlich zum Vertragsabschluss, müssen Sie Ihren Vertrag beim Notar beurkunden lassen.

Spätestens dort sollten Sie unbedingt Fragen stellen, sofern Sie etwas nicht verstanden haben. Denn der Notartermin stellt für Sie die letzte Möglichkeit dar, einen kostspieligen Fehler zu vermeiden.

Das Finanzamt interessiert sich nur für „deutsche Immobilien"

Damit das Finanzamt überhaupt auf die Idee kommen kann, von Ihnen die Grunderwerbsteuer zu verlangen, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Es muss um den Erwerb eines inländischen Grundstücks gehen.
  • Das Grundstück muss den Rechtsträger wechseln. Rechtsträger sind natürliche Personen, Kapitalgesellschaften, Personengesellschaften. Dazu gehört aber nicht die Gütergemeinschaft.
  • Es muss ein der Grunderwerbsteuer unterliegender Erwerbsvorgang vorliegen.

Kaufen, schenken, tauschen und ersteigern: Alles Grunderwerbsfälle

Das Finanzamt interessiert sich wegen der fälligen Grunderwerbsteuer für folgende Erwerbsvorgänge:

  • Kauf
  • Schenkung
  • Tausch von Grundstücken
  • Erwerb im Zwangsversteigerungsverfahren

Wann Sie keine Grunderwerbsteuer zahlen müssen

Eventuell kommen Sie um die Grunderwerbsteuer herum. „Steuerbefreiung“ nennt sich das und von der profitieren Sie nach § 3 GrEStG unter anderem, wenn der für das Berechnen der Steuer maßgebende Wert des Grundstücks maximal 2.500 EUR beträgt.

Ebenso fällt bei einer Erbschaft oder Schenkung keine Grunderwerbsteuer an, sondern nur Erbschaft- und Schenkungsteuer.

Steuerfrei ist auch der Verkauf zwischen Personen, die in gerader Linie direkt verwandt sind, also zwischen Eltern und ihren Kindern oder zwischen Ehepartnern, nicht aber zwischen Geschwistern!

Als Erbe haben Sie gute Chancen auf eine Steuerbefreiung

Aufpassen müssen Sie dagegen bei einer Schenkung unter einer Auflage, denn da berechnet sich die Grunderwerbsteuer nach dem Wert der Auflage.

Dieser Wert wird von der Schenkungsteuer abgezogen. Er unterliegt also im Ergebnis nicht der Schenkung- jedoch der Grunderwerbsteuer.

Beispiel

Sie bekommen ein Grundstück unter der Auflage geschenkt, dass Sie dem Schenker einen Nießbrauch gewähren.

Die Schenkung unterliegt der Schenkungsteuer. Die Höhe bemisst sich nach dem Grundstückswert abzüglich des Werts des Nießbrauchs. Dagegen berechnet sich die Grunderwerbsteuer nach dem Wert des Nießbrauchs, da dieser ja den Wert der Schenkung als Belastung mindert.

Da diese Belastung bei der Schenkungsteuer abgezogen wird, also nicht der Schenkungsteuer unterfällt, müssen Sie den Wert des Nießbrauchs bei der Grunderwerbsteuer versteuern.

Die Grunderwerbsteuer ist jetzt Ländersache

Die Höhe der Steuer betrug grundsätzlich bundeseinheitlich 3,5 %.

Seit der Föderalismusreform vom 1.9.2006 dürfen die Bundesländer jedoch einen eigenen Prozentsatz festlegen, weil die Grunderwerbsteuer jetzt eine Ländersteuer ist.

Der bisherige bundeseinheitliche Steuersatz von 3,5 % des § 11 Abs. 1 GrEStG gilt deswegen nur noch, wenn die Bundesländer keinen eigenen abweichenden Steuersatz festgelegt haben. Das ist leider nur noch in Bayern und Sachsen der Fall. Noch jedenfalls!

Die aktuellen Grunderwerbsteuersätze im Überblick

 

Bundesland

Höhe der

Grunderwerb-

steuer in %

Gültig seit

Baden-Württemberg

5,00

seit 5.11.2011

Bayern

3,50

 

Berlin

6,00

seit 1.1.2014

Brandenburg

6,5

seit 1.7.2015

Bremen

5,00

seit 1.1.2014

Hamburg

4,50

seit 1.1.2009

Hessen

6,00

seit 1.8.2014

Mecklenburg-Vorpommern

5,00

seit 1.7.2012

Niedersachsen

5,00

seit 1.1.2014

Nordrhein-Westfalen

6,50

ab 1.1.2015

Rheinland-Pfalz

5,00

seit 1.3.2012

Saarland

6,50

seit 1.1.2015

Sachsen

3,50

 

Sachsen-Anhalt

5,00

seit 1.3.2012

Schleswig-Holstein

6,50

seit 1.1.2014

Thüringen

5,00

seit 7.4.2011, ab 1.1.2017 6,5 %

 

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber

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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
Die Debatte um die Gleichstellung homosexueller Lebenspartner beim Ehegattensplitting ist in vollem Gange. Bei der Grunderwerbsteuer allerdings hat das Bundesverfassungsgericht jetzt Tatsachen geschaffen. Die Besteuerung ist nicht rechtmäßig.
Was die Gier der Bundesländer angeht, gibt es offenbar keine Grenzen. Jüngster Beweis: die erneute Anhebung der Grunderwerbsteuer in einigen Ländern. Bis zu stolzen 6,5 Prozent reicht jetzt der Grunderwerbsteuersatz.
Der Tod des Ehepartners macht oft aus einem Elternpaar und den Kindern eine Erbengemeinschaft. Um die wieder aufzulösen, kann es zu folgender Konstellation kommen: Die einzige Tocher will ihren Anteil an die Mutter verkaufen.  Die Mutter will den Anteil auch abkaufen, allerdings fragt sie sich, ob jetzt zusätzlich auch noch Grunderwerbsteuer anfällt.

 meineimmobilie.de-Tipp

Mit einer Inventarliste können Sie den Kaufpreis und damit die Grunderwerbsteuer drücken.

Für alles, was nicht als „wesentlicher Gebäudebestandteil" zählt, müssen Sie als Käufer keine Grunderwerbsteuer zahlen. Deshalb sollten Sie schon im Kaufvertrag exakt festlegen, wie viel aufs Gebäude entfällt und wie viel auf das steuerfreie Inventar, wie z. B. Möbelstücke, die Einbauküche oder eine Markise.