Samstag, 19.07.2014 | Autor: Judith Engst, Foto: © styleuneed - Fotolia.com

Zu hohe Steuerschätzung: Das müssen Sie nicht hinnehmen!

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Worum geht´s

• Abgabe Steuererklärung
• Steuerschätzung
• Steuerbescheid
• Einspruch

Wer keine Steuererklärung abgibt, dessen Einkommen wird vom Finanzamt geschätzt. Dabei fällt die Schätzung oft höher aus als das tatsächliche Einkommen. Was also tun, wenn Sie einen Steuerbescheid erhalten, der auf einer Steuerschätzung beruht?

Warum die Steuerschätzung meist höher ist als das tatsächliche Einkommen, liegt auf der Hand: Das Finanzamt berücksichtigt keine Werbungskosten oder Sonderausgaben, für die es keinen Nachweis bekommen hat. Deshalb hat ein Schätzungsbescheid oft unliebsame Konsequenzen: Das Finanzamt fordert eine Steuernachzahlung.

Steuerbescheid erhalten? Dann ist Eile geboten
Mit der Steuerschätzung abfinden müssen Sie sich allerdings nicht. Sie können sich wehren. Dazu haben Sie genau einen Monat nach Zugang des Steuerbescheids Zeit. Wenn Sie innerhalb dieser Einspruchsfrist Ihre Steuererklärung abgeben, wird der Schätzungsbescheid nicht rechtskräftig. Dann wertet das Finanzamt Ihre Steuererklärung als Einspruch und erlässt einen neuen Steuerbescheid auf der Basis Ihrer Angaben. Werbungskosten und Sonderausgaben, die Sie geltend machen, können dann Ihre Steuerlast erheblich senken.

Was bei elektronischen Steuererklärungen gilt
Aber aufgepasst: Die Einspruchsfrist ist nicht gewahrt, wenn Sie Ihre Steuererklärung nur im Internet via ELSTER, der elektronischen Steuererklärung der Finanzverwaltung, abgeben. Denn zwingend erforderlich ist dabei, dass Sie zur Authentifizierung ein zugehöriges Formular eigenhändig unterschreiben und in Papierform ans Finanzamt schicken. Nur wenn dieses Formular rechtzeitig beim Finanzamt eintrifft, ist die Einspruchsfrist gewahrt. Das entschied das Finanzgericht Niedersachsen (13.03.2014, Az. 4 K 32/12).

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Wenn Sie mit dem Steuerbescheid nicht einverstanden sind, können Sie sich wehren. Und zwar durch einen Einspruch, der aber einen Nachteil hat: Der gesamte Bescheid wird noch einmal geprüft.   Womöglich ergeben sich dadurch an kritischen Punkten Änderungen, die für Sie nicht günstig sind. Es gibt aber in bestimmten Fällen eine weniger riskante Alternative: den Änderungsantrag.

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Nachträgliche Steuererklärung bringt Steuerersparnis

Lassen Sie es nicht darauf ankommen, dass das Finanzamt Ihre Steuern schätzt. Denn das Ergebnis fällt fast zwangsläufig zu Ihren Ungunsten aus. Falls Sie aber bislang nicht zur Abgabe einer Steuererklärung gekommen sind, wissen Sie: Sie können sich gegen eine zu hohe Steuerschätzung wehren.

 

Wichtig ist die Wahrung der Einspruchsfrist von einem Monat nach Zugang. Als zugegangen gilt der Bescheid laut § 122 Abgabenordnung binnen drei Tagen nach Aufgabe zur Post (Datum des Bescheids). Sollte es knapp werden, setzen Sie sich ins Auto und fahren Sie zum Finanzamt. Geben Sie dann die Steuererklärung oder das Pflicht-Formular, das mit eigenhändiger Unterschrift zwingend zur elektronischen Abgabe der Steuererklärung gehört, persönlich ab.

 

Dann ist sichergestellt: Das Finanzamt berücksichtigt Ihre Angaben zu Werbungskosten und Sonderausgaben. Sind sie korrekt und ggf. nachgewiesen, mindern diese Ihre Nachzahlung - oder Sie bekommen sogar eine Steuerrückzahlung.