Freitag, 12.10.2012 | Autor: Judith Engst

Zinslose Darlehen: Achtung Steuerfalle!

Worum geht´s
  • Zinsloses Darlehen
  • Schenkungsteuer
  • Finanzgericht Münster

Zinslose Darlehen zur Finanzierung eines Hauskaufs kommen unter Verwandten und Schwiegereltern sowie -kindern häufig vor. Was aber kaum einer weiß: Das Finanzamt erhebt Schenkungssteuer auf die gesparten Zinsen. Um einen solchen Fall ging es jüngst vor dem Finanzgericht Münster.

Der Fall: Ein Mann hatte seiner Lebensgefährtin in spe ein zinsloses Darlehen gewährt. Die Vereinbarung war mündlich getroffen worden. Die Laufzeit betrug exakt sechs Jahre, dann zahlte die Empfängerin das Darlehen auf Euro und Cent genau zurück - ohne Zinsen. Bei einer Betriebsprüfung stieß das Finanzamt auf dieses Darlehen. Von der Lebensgefährtin verlangte es daraufhin Schenkungsteuer auf die gesparten Zinsen. Pro Jahr seien 5,5 Prozent des Darlehensbetrags laut Bewertungsgesetz (§ 12 Abs. 3 BewG) als Schenkung anzusehen.

Dagegen klagte die Betroffene vor Gericht. Sie brachte vor: Es sei keine Schenkung, denn die gesparten Zinsen seien eine Gegenleistung dafür, dass sie eine Lebensgemeinschaft mit dem sehr gebrechlichen Mann eingegangen sei.

Außerdem seien 5,5 Prozent angesichts der aktuell sehr niedrigen Zinsen zu hoch bemessen. Laut Aufstellung der Kreditkonditionen ihrer Bank errechnete sie einen marktüblichen Zins von durchschnittlich nur 2,56 Prozent pro Jahr.

Vor dem Finanzgericht Münster scheiterte sie allerdings mit ihrer Klage. Ohne Zweifel habe es sich um eine Schenkung gehandelt, stellten die Richter fest. Von einer erbrachten Gegenleistung könne nicht die Rede sein.

Auch der vom Finanzamt angewandten Zinssatz von 5,5 Prozent sei korrekt. Das Bewertungsgesetz lasse hier keine Abweichung zu. Die Folge: Die Betroffene musste die Schenkungsteuer in der vom Finanzamt geforderten Höhe zahlen (FG Münster, Az.: 3 K 3819/10 Erb).

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Aufgepasst heißt es vor allem bei zinslosen Darlehen an Nicht-Verwandte oder Nicht-Ehepartner, ebenso an Schwiegerkinder, Geschwister, Nichten, Neffen, Onkel, Tanten, Cousins oder Cousinen, die laut Erbschaft- und Schenkungsteuergesetz nicht zu den nahen Verwandten zählen. Denn hier liegen die Freibeträge für eine Schenkungsteuer bei nur 20.000 Euro im Zeitraum von 10 Jahren.

 

Das heißt: Sobald die gesparten Zinsen diesen Freibetrag übersteigen, erhebt das Finanzamt Schenkungsteuer auf die Differenz. Die Gefahr ist umso größer, je höher der Darlehensbetrag und je länger die Darlehenslaufzeit. Ein zinsloses Darlehen von 100.000 Euro schlägt als Schenkung mit 5.500 Euro zu Buche. Bei einer Laufzeit von 8 Jahren kommen somit 44.000 Euro zusammen. 24.000 Euro davon sind steuerpflichtig. Der Steuersatz hängt vom Verwandtschaftsgrad ab und liegt entweder bei 12 oder bei 17 Prozent. Das heißt: Das Finanzamt kassiert 2.880 oder sogar 4.080 Euro. Das muss nicht sein!

 

Bei ist ein verzinsliches Darlehen besser. Beachten Sie aber: Der Darlehensgeber muss die erhaltenen Zinsen als Einnahmen versteuern.