Samstag, 03.12.2016 | Autor: Judith Engst, Foto: © Hero - Fotolia.com

Steuern sparen: "Haushaltsnah" heißt nicht nur "im Haus"

Foto: © Hero - Fotolia.com
Worum geht´s

• haushaltsnahe Dienstleistung
• haushaltsnahe Handwerkerleistung
• Arbeiten vor dem Grundstück

Stichworte zu diesem Thema

Es wurde auch höchste Zeit: Endlich hat sich die Finanzverwaltung dazu bequemt, in Sachen haushaltsnahe Dienst- und Handwerkerleistungen auch Arbeiten anzuerkennen, die außerhalb des eigenen Grundstücks erfolgen, aber noch dem Grundstück dienen. Auf dem öffentlichen Gehweg Schnee schippen beispielsweise. Oder die Kosten für den Anschluss an die örtliche Gasversorgung. Nach einigen Urteilen war dieser Schritt längst überfällig.

Der Bundesfinanzhof hatte schon länger grünes Licht gegeben, einen bezahlten Winterdienst als "haushaltsnah" anzuerkennen, auch wenn er beispielsweise vor dem Grundstück Schnee schippt: auf dem angrenzenden Gehweg (BFH, Urteil v. 20.3.2014, VI R 55/12 und VI R 56/12).

Ein besonders knauseriges Finanzamt wollte ursprünglich nur den Teil der Arbeiten anerkennen, der direkt auf dem Grundstück des Hauseigentümers stattfand.

"Haushaltsnah" heißt nicht unbedingt "im Haushalt"

Die Finanzverwaltung hat sich allerdings Zeit damit gelassen, diese Urteile zu berücksichtigen. Jetzt endlich hat das Finanzministerium Stellung bezogen und den Begriff „haushaltsnah“ deutlich weiter ausgelegt als bisher (BMF-Schreiben v. 9.11.2016,  IV C 8 - S 2296 - b/07/10003 :008).

Das gilt übrigens nicht nur für haushaltsnahe Dienstleistungen, sondern auch für haushaltsnahe Handwerkerleistungen.

Haushaltsnahe Dienstleistung: Damit können Sie 4.000 Euro Steuern sparen

Bei allen Arbeiten im Haushalt, die normal ein Mitglied des Haushalts selbst erledigen könnte, spricht man von "haushaltsnahen Dienstleistungen". Übernimmt ein Fremder oder ein Unternehmen stattdessen diese Aufgabe gegen Geld, können Sie die Kosten als haushaltsnahe Dienstleistung von der Steuer absetzen.

Kocht, putzt, mäht oder schneidet jemand die Hecken für Sie, können Sie 20 % der Rechnungssumme, maximal aber 4.000 Euro pro Jahr steuerlich absetzen. Gleiches gilt - so war es im zitierten Urteil - wenn Sie einen Hausmeisterdienst z. B. mit dem Schneeschippen und Streuen beauftragen.

Lassen Sie diese Arbeiten durch einen angestellten Minijobber erledigen, beläuft sich der absetzbare Maximalbetrag auf 510 Euro pro Jahr.

Haushaltsnahe Handwerkerleistung: Anschlussgebühren & Co.

Haushaltsnahe Handwerkerleistungen sind Dienste, die typischerweise ein Unternehmen erbringt. Typische Fälle sind z. B. Fliesenlegen, Tapezieren, Schornsteinfegen etc.

Erfreulich: Jetzt gehören auch die Anschlussarbeiten dazu, die im direkten Zusammenhang mit Ihrem Grundstück stehen. So zum Beispiel, wenn der Abwasseranschluss neu gelegt, Ihr Haus ans Erdgasnetz angeschlossen oder wenn die Stromleitungen erneuert werden müssen.

Die Rechnung dafür können Sie steuerlich geltend machen. Auch hier sparen Sie 20 % der Rechnungssumme an Steuern. Berücksichtigt werden allerdings nicht nur Lohn- und Materialkosten, sondern auch die An- und Abfahrtskosten, nicht jedoch die Materialkosten. Maximal 1.200 Euro können Sie damit pro Jahr von der Steuer absetzen. 

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.
Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de

Es schreibt für Sie

Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst
Sie haben den Maler, den Elektriker oder den Fliesenleger im Haus. Hinterher ist zwar alles schöner und besser, aber natürlich bekommen Sie dafür auch eine Rechnung präsentiert. Heften Sie diese Rechnung zu Ihrer Steuererklärung, denn dafür bekommen Sie vom Finanzamt was geschenkt: 20 % des Rechnungsbetrags als Ihr persönliches „Steuerbonbon!“
„Ich brüte gerade über meiner Steuererklärung“, schreibt eine Leserin. „Da sind zwei verschiedene Zeilen vorgesehen für haushaltsnahe Dienst- und haushaltsnahe Handwerkerleistungen. Können Sie mir den Unterschied erklären?“ Tatsächlich handelt es sich dabei um zwei Paar Stiefel, die steuerlich auch unterschiedlich behandelt werden.
Weniger Steuern zahlen - davon träumt auch Ihr Mieter. Deswegen sollten Sie in Ihrer Betriebskostenabrechnung bei den Rechnungen, in denen haushaltsnahe Dienstleistungen stecken, diese dem Mieter auch ausweisen. Viel Arbeit ohne Geld? Ja, aber Vermieterpflicht, wenn der Mieter darauf besteht!
Haushaltsnahe Dienstleistungen können Sie als Eigenheimbesitzer von der Steuer absetzen. Allerdings nur bis zu einem maximalen Rechnungsbetrag von 6.000 Euro. Dann können Sie 20 Prozent davon - nämlich 1.200 Euro - von der Steuer absetzen.   Was aber, wenn Ihr Rechnungsbetrag viel höher ausfällt: Verschenken Sie dann Steuern? Nicht unbedingt. Wie Sie den "überschießenden Betrag" retten können, verraten wir Ihnen hier. 

 meineimmobilie.de-Tipp

Verlangen Sie eine Rechnung


Ob haushaltsnahe Dienst- oder Handwerkerleistung: Verlangen Sie stets eine Rechnung für die erbrachten Dienste. Bei Handwerkern bitten Sie darum, die Rechnungssumme nach Arbeits-, Maschinen-, Anfahrts-, Abfahrts- und Materialkosten aufzuschlüsseln, weil nur erstere absetzbar sind.

Falls Sie eine Haushaltshilfe beschäftigen, melden Sie diese bei der Minijob-Zentrale an. Die jährliche Bestätigung von der Minijob-Zentrale reicht als Steuernachweis.

 

Zahlen Sie nicht in bar!


Anerkannt werden haushaltsnahe Dienst- und Handwerkerleistungen nur, wenn Sie diese nicht in bar bezahlen (Ausnahme: die angemeldete Haushaltshilfe).

Das heißt: Überweisen Sie die Rechnungssumme oder erlauben Sie den Einzug per Lastschrift. Dann haben Sie mit dem Kontoauszug Ihrer Bank auch den Nachweis dafür, dass die Zahlung wirklich geflossen ist. Übrigens brauchen Sie die Rechnungen und Kontoauszüge nicht Ihrer Steuererklärung beifügen. Es reicht, wenn Sie diese ggf. auf Nachfrage des Finanzamts einreichen.