Freitag, 06.02.2015 | Autor: Judith Engst, Foto: © livestockimages - Fotolia.com

Steuer-Tipp der Woche: Wann Sie ein häusliches Arbeitszimmer absetzen können

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Worum geht´s

• häusliches Arbeitszimmer
• Absetzbarkeit
• Bundesfinanzhof

Mit einem häuslichen Arbeitszimmer lässt sich Steuern sparen. Das weiß auch das Finanzamt, weswegen es genau prüft, wem dieser Steuer-Vorteil zuteil wird.

Doch nicht jeder Steuerzahler nimmt einen negativen Bescheid vom Finanzamt in dieser Sache kampflos hin. Deswegen landen Fälle, die sich mit dem häuslichen Arbeitszimmer beschäftigen, immer wieder vor den Finanzgerichten in Deutschland. Dabei geht es um die Frage, ob Ihr häusliches Arbeitszimmer auch dann anerkannt wird, wenn Sie doch eigentlich auch einen Schreibtisch bei Ihrem Arbeitgeber stehen haben - auch wenn das "zu klein" und "zu laut" ist.

Geklagt hatte eine Richterin. Ihr stand zwar in dem Landgericht, in dem sie arbeitete, ein Büro zu. Doch war es sehr klein. Außerdem war der Lärmpegel dort hoch, weil direkt neben dem Gebäude eine Bahnlinie vorbeiführte.

Also machte sie die Aufwendungen für ihr häusliches Arbeitszimmer im Rahmen ihrer Einkommensteuererklärung geltend. Das Finanzamt strich jedoch die dafür angegebenen Kosten. Ein Büro zuhause sei nicht absetzbar. Schließlich stünde ihr am Arbeitsplatz ein entsprechendes Dienstzimmer zur Verfügung, in dem sie die anfallenden Arbeiten erledigen könne.

Büro am Arbeitsplatz unzulässig laut

Die Richter des Bundesfinanzhofs widersprachen jedoch der Auffassung des Finanzamts - und auch derjenigen der Vorinstanz (06.11.2014, Az. VI R 4/14). Denn das alleinige Vorhandensein eines Büros beim Arbeitgeber sei noch nicht gleichbedeutend mit seiner Nutzbarkeit.

Im konkreten Fall entspreche das für die Richterin reservierte Büro tatsächlich nicht den Vorgaben der Arbeitsstättenverordnung. Denn die zulässigen Grenzwerte für Lärmbelästigungen seien hier überschritten. Dadurch drohe eine Beeinträchtigung der Gesundheit. Daher sei das Büro im Landgericht nicht ernsthaft als brauchbare Alternative zum häuslichen Arbeitszimmer anzusehen.

Die Klägerin konnte daher die Aufwendungen für Ihr häusliches Arbeitszimmer in Höhe von 1.250 Euro pro Jahr geltend machen.

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Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst
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Zu laut, zu klein: Nicht jedes Büro ist ein geeignetes Büro

Der Tenor des Finanzgerichtsurteils ist klar und deutlich: Stellt der Arbeitgeber kein geeignetes Büro, dann dürfen Sie Ihr heimisches Arbeitszimmer von der Steuer absetzen.

Dabei müssen Sie allerdings wissen: Sie können maximal 1.250 Euro absetzen, wenn Ihr häusliches Arbeitszimmer nicht der Mittelpunkt der gesamten beruflichen bzw. betrieblichen Tätigkeit ist.

Nicht nur die hohe Lärmbelastung ist ein Grund, lieber das häusliche Arbeitszimmer zu nutzen. Mögliche weitere Gründe sind beispielsweise

  • Platzmangel, etwa bei einem Großraumbüro mit zu wenigen Poolarbeitsplätzen (BFH, 26.02.2014, Az. VI ZR 37/13).
  • Sanierungsbedarf (BFH, 26.02.2014, Az. VI R 11/12)

 

 

Stellen Sie alle Kosten zusammen
 

Die Kosten fürs häusliche Arbeitszimmer ermitteln Sie flächenanteilig. Das heißt beispielsweise bei Strom, Wasser und Abwasser sowie Heizöl oder Erdgas: Sie nehmen die Kosten für Ihr Haus bzw. Ihre Wohnung mal mit dem Prozentanteil, den Ihr häusliches Arbeitszimmer an der Gesamtfläche einnimmt.

Beim jährlich absetzbaren Höchstbetrag von 1.250 Euro sparen Sie dadurch bis zu 525 Euro an Steuern, wenn man den Spitzensteuersatz von 42 Prozent zugrunde legt.