Freitag, 31.07.2015 | Autor: Judith Engst, Foto: Judith Engst / meineimmobilie.de / Judith Engst /meineimmobilie.de

Solarstrom: Wer direkt an den Mieter liefert, gefährdet seinen Vorsteuerabzug

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Worum geht´s

• Photovoltaik
• Stromlieferung an Mieter
• Umsatzsteuer
• Vorsteuerabzug

Stichworte zu diesem Thema

Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach lohnt sich vor allem wegen des Vorsteuerabzugs. Denn durch regelmäßige Belieferung des Stromversorgers werden Sie zum umsatzsteuerpflichtigen Unternehmer.

Was aber, wenn Sie den Strom umsatzsteuerfrei an Ihren Mieter liefern? Hier heißt es aufgepasst, wenn Sie keinen Ärger mit dem Finanzamt wollen.

Günstiger Solarstrom vom Vermieter - das klingt zunächst einmal für beide Seiten attraktiv.

Für die Mieter, weil sie dadurch Stromkosten sparen.

Für die Vermieter, weil der Direktbezug ohne den Umweg über den Energieversorger doch mehr bringt als die magere Einspeisevergütung, oder nicht?

Warum Sie dem Mieter nicht die Mehrwertsteuer schenken sollten

Aber Achtung: Für Sie als Vermieter und Anlagenbetreiber hat der Verzicht auf die Umsatzsteuer womöglich unliebsame Folgen. Das geht aus einer Verfügung der Oberfinanzdirektion Karlsruhe hervor (19.02.2015, S 7104).

Denn Sie verlieren auf diese Weise womöglich das Recht zum Vorsteuerabzug. Sie können sich also dann die Mehrwertsteuer nicht vom Finanzamt zurückholen, die Sie bei Anschaffung, Reparatur oder Wartung der Anlage mit Begleichung seiner Rechnung an den Installationsbetrieb gezahlt haben.

Unternehmer ist nur, wer regelmäßig den Versorger beliefert

Ob Sie als Betreiber einer Photovoltaikanlage überhaupt zum Vorsteuerabzug berechtigt sind, hängt an Ihrer Unternehmereigenschaft. Hier hat die OFD Karlsruhe klargestellt: Es kommt nicht auf die eingespeiste Strommenge und die damit erzielten Umsätze an.

Entscheidend ist vielmehr, ob Sie regelmäßig Strom an den Energieversorger liefern. Eine nur gelegentliche Einspeisung genügt nicht.

Es reicht aber, wenn die Einspeisung lediglich rechnerisch erfolgt und Sie den erzeugten Strom intern verbrauchen und auf dem Papier dadurch vom Versorger beziehen.

Spart sich der Mieter die Mehrwertsteuer, kostet Sie das den Vorsteuerabzug

Jetzt zur Frage, wie sich eine Stromlieferung an Mieter auswirkt. Hier gilt: Erfolgt die Vermietung umsatzsteuerfrei (und das ist die Regel), dann ist die Stromlieferung als Nebenleistung ebenfalls umsatzsteuerfrei.

Der Mieter spart sich also die Mehrwertsteuer und kann den Strom somit günstiger beziehen als vom Energieversorger.

Eine Direktlieferung kostet Sie den Vorsteuerabzug

Die Sache hat aber einen dicken Haken: Durch die Direktlieferung von umsatzsteuerfreiem Strom an Ihre(n) Mieter verlieren Sie die Berechtigung zum Vorsteuerabzug.

Den Vorsteuerabzug können Sie dann nämlich nur in dem Umfang in Anspruch nehmen, in dem Sie den Energieversorger umsatzsteuerpflichtig beliefern.

Beispiel:

Sie liefern 30 Prozent des produzierten Solarstroms an Ihre Mieter und speisen 70 Prozent ins Netz ein.

Damit steht Ihnen nur noch ein 70-prozentiger Vorsteuerabzug zu. Das kann - bei hohen Anschaffungs- und Wartungskosten - den Betrieb der Anlage schnell unrentabel machen. Seien Sie also auf der Hut!

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Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst
Die Dacherneuerung eines Privathauses ist nicht steuerlich absetzbar, schrieb ich Ihnen neulich. Auch dann nicht, wenn auf das betreffende Dach unmittelbar danach eine Photovoltaikanlage gesetzt wird. So hatte das Hessische Finanzgericht entschieden. Jetzt aber wurde ein ähnlicher Fall beim Bundesfinanzhof entschieden. Das Ergebnis: Anteilig lässt sich die gezahlte Umsatzsteuer sehr wohl geltend machen.
News: Wer mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach seines Hauses aus Sonnenlicht Strom erzeugt, kann Steuern sparen. Darauf weist die Steuerberaterkammer Rheinland-Pfalz (SBK) hin.
"Warum kann ich als Eigenheimbesitzer die Photovoltaikanlage auf meinem Dach absetzen, die Sonnenkollektoren zur Warmwasserbereitung aber nicht?", so die Zuschrift eines Lesers. Was aus steuerlicher Sicht der grundlegende Unterschied ist, erfahren Sie hier. Und Sie erhalten auch Tipps, wie Sie die Kosten für die thermische Solaranlage doch - ganz oder zumindest teilweise - absetzen können.

 meineimmobilie.de-Tipp

Beliefern Sie Ihren Mieter besser nicht direkt

Es gibt einen Ausweg aus dieser Bredouille. Und der lautet: Beliefern Sie Ihre Mieter nicht direkt, wenn Sie auf den Vorsteuerabzug angewiesen sind. Liefern Sie lieber den erzeugten Solarstrom komplett umsatzsteuerpflichtig an den Energieversorger.

 

Im Gegenzug können Sie dann den vollen Vorsteuerabzug in Anspruch nehmen. Das lohnt sich gerade im Jahr der Anschaffung und bei hohen Reparatur- und Wartungskosten.