Mittwoch, 05.01.2011 | Autor: Jörg Stroisch, Foto: © styleuneed - Fotolia.com

So setzen Sie die Kosten für die Dichtigkeitsprüfung ab

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Sind die Abwasserrohre Ihrer Immobilie noch dicht? In vielen Bundesländern steht eine Dichtigkeitsprüfung an. Die Rohre muss ein Sachverständiger prüfen. Das kann teuer werden. Auf mehrere hundert Euro belaufen sich die voraussichtlichen Kosten. Noch teurer wird es, wenn tatsächlich ein Rohr abgedichtet werden muss.

Hier stellt sich die Frage, ob das steuerlich absetzbar ist. Die gute Nachricht für Vermieter lautet: Das ist möglich. Bei Hauseigentümern, die nicht vermieten, wird es schwieriger. Aber sie können immerhin die Kosten für die Abdichtung teilweise absetzen. Lesen Sie hier, wie Sie den Fiskus an den Kosten beteiligen können.
 

Bei vermieteten Immobilien ist der Fall klar: Sie können das Gutachten über die Dichtigkeit der Abwasserrohre als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Das ist immer dann der Fall, wenn an Ihrer Gewinnerzielungsabsicht kein Zweifel besteht. Aber auch die Kosten für eine eventuell nötige Abdichtung sind absetzbar. Das gilt nicht nur für die Arbeitsstunden des Handwerkers, sondern auch für das Material, das er benötigt.

Beschränkte Absetzbarkeit bei selbstgenutzen Immobilien

Falls Sie Ihre Immobilie nicht vermietet haben, sondern selbst nutzen, sieht die Sache anders aus: Die Kosten für die Dichtigkeitsprüfung durch den Sachverständigen können Sie nicht absetzen, hat die Oberfinanzdirektion Münster klargestellt (Kurzinfo Nr. 020/2010 v. 06.09.2010). Das gilt übrigens generell für Gutachten: Sie fallen nicht unter den Begriff der Handwerkerleistungen (BMF, Schreiben v. 15.02.2010, BStBl. 2010 I, S. 140, Tz.12).

Anders sieht es aus, wenn sich ein Abwasserrohr als defekt erweist und abgedichtet werden muss. Die Kosten können Sie dann als Handwerkerleistungen wenigstens teilweise von der Steuer absetzen. Konkret bedeutet dies: Absetzbar sind ausschließlich die Kosten für die Arbeitszeit, nicht aber für das zur Reparatur eingesetzte Material.

Seit 2009 können Sie 20 Prozent der Kosten, maximal 1.200 Euro direkt von Ihrer Steuerschuld abziehen. Das heißt im Umkehrschluss: Arbeitskosten von bis zu 6.000 Euro sind absetzbar.

Handwerkerrechnungen genau prüfen

Als privater Immobilienbesitzer sollten Sie daher die Handwerkerrechnung genau prüfen: Nur, was als Arbeitszeit ausgewiesen ist, können Sie absetzen. Verlangen Sie daher stets eine Rechnung, aus der hervorgeht, welcher Betrag auf die geleisteten Arbeitsstunden und welcher auf das eingesetzte Material entfällt. Dann kann nichts mehr schiefgehen.

Als Vermieter brauchen Sie sich mit solchen Dingen nicht abzugeben. Sie setzen die Rechnung einfach in vollem Umfang als Werbungskosten von der Steuer ab. Das muss der Fiskus akzeptieren.

Kommentare (2)

18.1.2011, 11:11 Uhr von jstroisch Profil ansehen
In Bayern wird eine Prüfung empfohlen, aber nicht vorgeschrieben In Bayern gibt es eine Empfehlung des Bayerischen Landesamts für Wasserwirtschaft, bestehende private Abwasserleitungen alle 25 Jahre optisch zu prüfen. Dafür gibt es das Merkblatt Nr. 4.3/6 des Bayerischen Landesamts für Wasserwirtschaft "Prüfung alter und neuer Abwasserkanäle" v. 17.06.2003. Manche bayerischen Gemeinden haben diese Empfehlung inzwischen in ihre Abwassersatzung übernommen. Derzeit wird noch nicht kontrolliert So schreibt beispielsweise die Stadt München eine Erstprüfung bis spätestens 2015 und eine Wiederholungsprüfung nach jeweils 20 Jahren vor. Kontrolliert werden diese Pflichten aber nicht besonders (vgl. dazu die Broschüre "Hinweise zur Dichtheitsprüfung", Download unter "www.muenchen.de/Rathaus/bau/wir/mse/Publikationen/147070/index.html"). Das bedeutet, dass Sie sich noch etwas Zeit lassen können mit Ihrer Kanalprüfung und erst einmal Angebote einholen können.
7.1.2011, 10:51 Uhr von rolf600 Profil ansehen
Wie sieht es denn dann bei mir aus? Seit 2 Jahren Selbstnutzer in einem Neubau-Haus in München. Ist hier die Dichtigkeitsprüfung fällig? :ohh: Danke für Rückinfo!
Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
Gutachten oder Handwerkerleistung? Warum dieser kleine Unterschied wichtig ist, zeigt ein aktuelles Urteil des Finanzgerichts Köln. Es musste nämlich prüfen, ob eine Dichtigkeitsprüfung als Handwerkerleistung steuerlich absetzbar ist.
Hausbesitzer können die Kosten der Dichtheitsprüfung von Abwasserleitungen steuerlich als haushaltsnahe Handwerkerleistung geltend machen. So jedenfalls sehen das die Gerichte.   Allerdings hat die Finanzverwaltung bereits angekündigt, diese Entscheidung nicht umzusetzen und entsprechende Anträge auf den Steuerbonus zurückzuweisen. In diesen Fall sollten Sie Einspruch einlegen.