Freitag, 20.07.2012 | Autor: Judith Engst

Mietnachlass als Gegenleistung steuerschädlich?

Worum geht´s
  • Mietnachlass
  • Gegenleistung für geleistete Arbeit
  • Steuerliche Anerkennung
  • Fremdvergleich
Stichworte zu diesem Thema

"Mein Bruder verwaltet und betreut für mich ein 6-Familienhaus. Eine der Wohnungen bewohnt er selbst. Als Gegenleistung für die Verwaltung zahlt er nicht die volle Miete, sondern nur ein Drittel. Was muss ich steuerlich beachten?", so eine aktuelle Leserfrage.

Für erbrachte Gegenleistungen einen Rabatt auf die Miete zu gewähren. Das klingt zwar sehr sinnvoll, ist aber gefährlich. Denn hier drohen erhebliche Steuernachteile. Das gilt unabhängig davon, ob die Person, die diese Leistungen erbringt, mit Ihnen verwandt ist oder nicht. Immobilienverwaltung, Handwerkerleistungen oder Hausmeisterdienste: Steuerlich ist es problematisch, statt einer regulären Zahlung einen Mietnachlass zu gewähren. Gleich zwei Nachteile können dadurch entstehen.

Erstens: Das Finanzamt erkennt die Kosten (den gewährten Rabatt) nicht als steuermindernde Werbungskosten an. Denn tatsächlich ist ja kein Geld für die erbrachte Leistung geflossen.

Zweitens: Ist der Mietnachlass zu hoch, wird die betreffende Wohnung nicht als Mietwohnung anerkannt. Somit entfällt für die betreffende Wohnung der Werbungskostenabzug. Und schlimmer noch: Auch Verluste, die Sie womöglich mit dieser Wohnung machen, werden steuerlich nicht anerkannt. Was aber nicht bedeutet, dass mögliche Gewinne nicht zu versteuern wären.

Kommentare (2)

24.7.2012, 9:44 Uhr von nikelo Profil ansehen
Es gibt einige BFH-Urteile zum Thema „tauschähnliche Umsätze“, allerdings meines Wissens keine bezogen auf die Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Generell sieht das Finanzamt einen Tausch aber in der Regel als „Gemauschel“ an. Zudem ergibt sich häufig ein Problem mit der Umsatzsteuer. Denn Immobilienverwaltung ist ein umsatzsteuerpflichtiges Geschäft (sofern sie nicht unter die umsatzsteuerliche Kleinunternehmerregelung fällt, sprich maximal 17.500 € pro Jahr einbringt). Dagegen ist die private Vermietung umsatzsteuerfrei. Ein Tausch könnte also dazu führen, dass Umsatzsteuer unterschlagen wird. Auch aus diesem Grund ist es ratsam, fürs Finanzamt genau zu dokumentieren, welche Leistung gegen welche Gegenleistung getauscht wird, das Ganze auch im Wert zu beziffern und bei Tauschgeschäften unter Verwandten und Freunden zudem darauf zu achten, dass der Geldwert der Leistungen auch in realistischer Höhe (das heißt wie unter Fremden) angesetzt wird.
20.7.2012, 20:34 Uhr von gjaser Profil ansehen
Gibt es für diese Rechtsauslagung eine entsprechende Gerichtsentscheidung? Kann man im vorliegenden Fall nicht die Grundsätze für inen Tausch anwenden?

 meineimmobilie.de-Tipp

Entgehen können Sie diesen Nachteilen aber sehr wohl. Und zwar, indem Sie Vereinbarungen treffen wie unter Fremden. Das nennt sich im Fachjargon: Die Vereinbarungen, die Sie treffen, müssen einem Fremdvergleich standhalten. Das betrifft sowohl die erbrachte Leistung (hier: die Immobilienverwaltung) als auch den Mietvertrag. Konkret: Schließen Sie mit Ihrem Bruder einen regulären Vertrag über die Immobilienverwaltung ab. Bezahlen Sie ihn, wie es für diese Dienstleistungen üblich ist.

Lassen Sie ihn im Gegenzug mindestens 75 Prozent der ortsüblichen Vergleichsmiete zahlen. Damit sichern Sie sich den Werbungskostenabzug für die Immobilienverwaltung. Zugleich droht Ihnen bei diesem Vorgehen keine steuerliche Aberkennung der an den Bruder vermieteten Wohnung.