Freitag, 24.07.2015 | Autor: Judith Engst, Foto: © Haramis Kalfar - Fotolia.com

Grundsteuer-Reform: Was der Gesetzgeber plant

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Worum geht´s

• Grundsteuer
• Bemessungsgrundlage
• Einheitswert
• Verkehrswert

Ein alter Zopf soll nächstes Jahr endlich abgeschnitten werden: Es geht um die derzeitige Bemessungsgrundlage für die Grundsteuer, den sogenannten Einheitswert.

Künftig soll die Grundsteuer auf der Basis des Verkehrswerts einer Immobilie berechnet werden. Ob das am Ende für Sie teurer und komplizierter wird?  

Grundsteuer: Alter Einheitswert soll abgeschafft werden 

Komplizierter als bisher kann die geplante Grundsteuer-Reform kaum ausfallen. Denn derzeit wird für die Grundsteuer B (Gebäude und bebaubare Grundstücke und Gebäude) noch der Einheitswert zur Bemessung der Grundsteuer herangezogen. Das ist ein Wert, der auf der Bewertung aus dem Jahr 1964 (in den neuen Ländern: 1935) basiert.

Dieser Einheitswert wird mit der sogenannten Grundsteuermesszahl malgenommen, der je nach Immobilientyp (Ein-, Zwei- oder Mehrfamilienhaus) und Lage variiert.

Damit wird der Immobilienwert von damals fiktiv aufs heutige Datum hochgerechnet. Das Ergebnis wird schließlich mit einem Hebesatz multipliziert, den die jeweilige Stadt oder Kommune festlegt.

Grundsteuerberechnung: Was sich künftig ändern soll

Auch wenn die Berechnung bislang undurchschaubar ist - klar ist jedoch: Was unterm Strich bisher rauskam, ist den Eigentümern bislang entgegengekommen: Die Grundsteuerbelastung hielt sich bis dato noch in Grenzen.

Das könnte sich jedoch bald ändern, wenn der Gesetzgeber sein Vorhaben umsetzt, die Grundsteuer nach dem aktuellen Verkehrswert der Immobilie zu bemessen.

Aus Sicht des Fiskus soll diese Änderung aufkommensneutral sein. Das heißt: Die Kommunen wollen damit nicht mehr Einnahmen erzielen als bisher. Im Jahr 2014 waren das rund 13 Milliarden Euro. Allerdings kann es sehr wohl zu Verschiebungen innerhalb der Immobilieneigentümer kommen.

Wegen Verkehrswert bald höhere Grundsteuer in begehrten Lagen

Der hessische Finanzminister Thomas Schäfer rechnet mit einer deutlichen Senkung der Grundsteuer nur in 25 Prozent der Fälle. In 5 Prozent der Fälle geht er von einer merklichen Steigerung aus. Worauf müssen Sie sich also einrichten?

Rechnen Sie mit einer Erhöhung der Grundsteuer vor allem in begehrten Lagen. Also in Großstädten, wie etwa München, Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt und im Speckgürtel darum herum.

Grundsteuer-Reform soll erst 2016 kommen

Auch zeichnet sich ab, dass Altbauten besonders stark von einer Steuererhöhung betroffen sein werden. Die Grundsteuer-Reform soll allerdings erst im nächsten Jahr kommen.

Vor dem Bundesverfassungsgericht sind aktuell zwei Klagen gegen den Einheitswert anhängig. Die Kläger bezweifeln dessen Rechtmäßigkeit. Der Gesetzgeber wird also sehr wahrscheinlich gezwungen sein, die Reform durchzuführen. Aktuell stemmt sich nur noch Bayern dagegen.

Kommentare (1)

26.7.2015, 11:37 Uhr von Freddy Westen Profil ansehen
Na großartig! Das wird noch für viel Diskussionsstoff sorgen. Die Berechnung bislang war zwar sicherlich etwas undurchsichtig, berücksichtigt m.E. aber lediglich einen fiktiven Wert. Wenn die Bemessung jetzt an dem aktuellen Verkehrswert festgemacht wird, stellt sich mir die Frage, wer stellt den Verkehrswert fest? Und wenn ich von hochoffizieller Seite den Verkehrswert meiner Immobilie mitgeteilt bekomme, habe ich mir dann zukünftig beim Verkauf oder der Finanzierung der Immobilie den Wertgutachter gespart und kann den Wert auch bei den Banken ansetzen? Ich denke, der "grüne Tisch" war mal wieder besonders grün!
Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
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 meineimmobilie.de-Tipp

Wegen Grundsteuer nicht in blinden Aktionismus verfallen

Übertriebener Aktionismus nützt Ihnen jetzt nichts, um eine drohende Grundsteuer-Erhöhung abzuwenden. Warten Sie besser erst einmal ab, wie die Gesetzesreform ausfällt. Im Zweifelsfall können Sie auf eine Steuererhöhung dann immer noch mit einem eigenen Wertgutachten reagieren.
 

Sprich: Sie können den Verkehrswert-Schätzungen des Fiskus eine eigene Wertermittlung entgegenhalten, bei der Besonderheiten Ihrer Immobilie (Bauzustand, Lage etc.) berücksichtigt werden. Warten Sie aber mit der Beauftragung eines Gutachters unbedingt ab, bis Sie genau wissen, was in Sachen Grundsteuer auf Sie zukommt.