Mittwoch, 14.08.2013 | Autor: Judith Engst , Foto: © Ralf Kalytta - Fotolia.com

FG Köln: Dichtigkeitsprüfung als Handwerkerleistung absetzbar

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Worum geht´s

• selbstgenutztes Wohneigentum
• Dichtigkeitsprüfung
• absetzbare Handwerkerleistung
 

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Gutachten oder Handwerkerleistung? Warum dieser kleine Unterschied wichtig ist, zeigt ein aktuelles Urteil des Finanzgerichts Köln. Es musste nämlich prüfen, ob eine Dichtigkeitsprüfung als Handwerkerleistung steuerlich absetzbar ist.

Haarspaltereien sind das Spezialgebiet unserer Finanzverwaltung. So auch in einem Fall, der vor dem Finanzgericht Köln verhandelt wurde.

Der Eigentümer einer Immobilie wollte die gesetzlich vorgeschriebene Dichtigkeitsprüfung von der Steuer absetzen. Bis 2015 muss in manchen Bundesländern eine solche Prüfung laut Gesetzgeber durchgeführt werden. Er machte die Kosten als Handwerkerleistung in seiner Steuererklärung geltend.

Das aber missfiel dem Finanzamt. Es argumentierte: Wenn die Dichtigkeit nur geprüft werden, liege keine Handwerkerleistung vor, sondern eine Gutachtertätigkeit. Und diese sei bei selbst genutzem Wohneigentum nicht absetzbar.

Das Finanzgericht Köln sah das allerdings nicht so eng und erlaubte dem Steuerpflichtigen, 20 Prozent der Kosten direkt von seiner Steuerschuld abzuziehen, wie das bei steuerbegünstigten Handwerkerleistungen bis zu einem Höchstbetrag von 1.200 Euro üblich ist (18.10.2012, Az. 14 K 2159/12).

Das letzte Wort ist in dieser Sache aber noch nicht gesprochen. Denn das Finanzamt hat vor dem Bundesfinanzhof Revision eingelegt. Wie dieser entscheidet, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch offen.
 

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News: Auf Haus- und Grundstückseigentümer kommen Inspektionskosten zu: bis spätestens Ende 2015 sollten die Abwasserleitungen der Grundstücksentwässerungsanlagen in Nordrhein-Westfalen auf ihre Dichtheit überprüft werden. Doch diese Regelung betrifft nicht alle Bundesländer.
Hausbesitzer können die Kosten der Dichtheitsprüfung von Abwasserleitungen steuerlich als haushaltsnahe Handwerkerleistung geltend machen. So jedenfalls sehen das die Gerichte.   Allerdings hat die Finanzverwaltung bereits angekündigt, diese Entscheidung nicht umzusetzen und entsprechende Anträge auf den Steuerbonus zurückzuweisen. In diesen Fall sollten Sie Einspruch einlegen.

 meineimmobilie.de-Tipp

Als Eigentümer, der sein Haus selbst bewohnt, sollten Sie die Rechnung über die Dichtigkeitsprüfung auf jeden Fall als Handwerkerleistung geltend machen. Lehnt das Finanzamt die Anerkennung ab, legen Sie Einspruch ein. Verweisen Sie dabei auf das beim Bundesfinanzhof anhängige Verfahren (Az. VI R 1/13). Dann profitieren Sie automatisch davon, wenn der BFH zugunsten des Steuerzahlers entscheidet.

 

 

Übrigens: Sollte der BFH nicht in Ihrem Sinne entscheiden, sind Hopfen und Malz trotzdem noch nicht verloren. Zumindest dann nicht, wenn wirklich ein schadhaftes Abwasserrohr repariert werden musste. Diese Kosten sind nämlich auf jeden Fall eine Handwerkerleistung - durch ein bloßes Gutachten wird das Rohr nämlich nicht abgedichtet.

 

 

Als Vermieter kann Ihnen dagegen die Frage, ob Gutachten oder nicht, egal sein. Sie können die Kosten für die Dichtigkeitsprüfung auf jeden Fall von der Steuer absetzen - und zwar als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung (Anlage V).