Donnerstag, 07.06.2012 | Autor: Judith Engst

Falsch abgeheftete Belege sind ein teurer Fehler

Worum geht´s
  • Vergessene Belege
  • Werbungskosten
  • Falscher Veranlagungszeitraum
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Werbungskosten sind für Sie als Vermieter eine gute Möglichkeit, Steuern zu sparen, haushaltsnahe Dienstleistungen für Privathaushalte. Aber Vorsicht: Geltend machen dürfen Sie nur Zahlungen aus dem jeweiligen Jahr. Was mit vergessenen Vorjahresbelegen geschieht, hat jüngst das Finanzgericht Münster entschieden.

Der Fall: Eine Handwerkerrechnung geriet versehentlich in den Ordner fürs Folgejahr. Der Steuerpflichtige machte ihn somit nicht als haushaltsnahe Dienstleistung in dem Jahr geltend, in dem die Rechnung bezahlt wurde. Als er seinen Fehler bemerkte, war der Vorjahresbescheid bereits bestandskräftig.

"Macht nichts", dachte er sich. "Zwar kann ich nicht mehr Einspruch einlegen, weil die Frist abgelaufen ist. Aber wenn neue Tatsachen bekannt werden, lässt sich bekanntlich auch ein bestandskräftiger Steuerbescheid noch ändern."

Mit dieser Argumentation kam er allerdings bei seinem Finanzamt nicht durch. Es weigerte sich schlichtweg, den Beleg nachträglich noch anzuerkennen. Und auch eine Anerkennung im Folgejahr war ausgeschlossen, da die Zahlung schon im vorhergehenden Veranlagungszeitraum an den Handwerker geflossen war.

Das wollte der Betreffende sich nicht gefallen lassen und zog vor Gericht. Da erlitt er aber ebenfalls Schiffbruch. Denn die Richter des Finanzgerichts Münster stuften es als grob fahrlässig ein, dass er den Beleg falsch abgeheftet hatte (15. Dezember 2011, Az.: 11 K 4034/09). Somit begründe das keine neue Tatsache, die zur Änderung eines bestandskräftigen Steuerbescheids erforderlich sei.

Mit anderen Worten: Die Frist, den vergessenen Beleg im richtigen Veranlagungszeitraum geltend zu machen, war mit der Einspruchsfrist verstrichen. Die Möglichkeit, den Beleg im Folgejahr steuerlich abzusetzen, gab es wegen des verkehrten Zahlungszeitpunktes nicht. Der betroffene Steuerzahler hatte also Pech.

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 meineimmobilie.de-Tipp

Belege zu vergessen, ist kein Beinbruch – wenn Sie das Versäumnis rechtzeitig erkennen. "Rechtzeitig" heißt: Vor Ablauf der Einspruchsfrist. Sie endet einen Monat, nachdem Ihnen der Steuerbescheid des betreffenden Jahres zugegangen ist. Prüfen Sie direkt nach Erhalt des Bescheids sorgfältig, ob Sie auch wirklich alle Belege eingereicht beziehungsweise steuerlich geltend gemacht haben, die zum entsprechenden Jahr gehören. Falls nein, legen Sie fristgerecht Einspruch ein und reichen Sie die vergessenen Belege nach. Denn dieses Urteil zeigt: Nach Ablauf der Einspruchsfrist haben Sie keine Möglichkeit mehr, sie steuerlich abzusetzen.