Donnerstag, 20.03.2014 | Autor: Judith Engst , Foto: © TristanBM - Fotolia.com

Eigenheim: Wann die Dachsanierung wegen Fotovoltaikanlage absetzbar ist

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Worum geht´s

• Bundesfinanzhof
• Fotovoltaikanlage

• Eigenheim
• Dachsanierung absetzbar?

Wer als Eigenheimbesitzer eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach hat und Strom einspeist, wird zum Unternehmer. Die Einnahmen aus der Stromeinspeisung sind gewerblich. Dafür sind aber auch die Kosten Betriebsausgaben.

Ob dazu auch die Dachsanierung gehört, die Sie wegen der Fotovoltaikanlage auf dem Dach durchführen mussten, hat jetzt der Bundesfinanzhof entschieden.

Knallhartes Urteil: Kein Gewinn, kein Gewerbe!

Im entschiedenen Fall ging es allerdings nicht um ein Wohnhaus, sondern um zwei Hallen. Die hatte der Eigentümer zum günstigen Preis an seine Frau vermietet, die darin eine Pferdepension betrieb. Da die Pension nicht gewinnträchtig und die Miete äußerst niedrig war, ging das Finanzamt von einer fehlenden Einkünfteerzielungsabsicht aus. Das heißt: Sie erkannte die Kosten nicht an.

Dann ließ der Eigentümer auf den Dächern je eine Fotovoltaikanlage montieren. Die Hallendächer hatte er zuvor sanieren lassen. Die Kosten für die Sanierung machte er als Betriebsausgaben geltend. Sie stünden im Zusammenhang mit der Fotovoltaikanlage, argumentierte er.

"Das geht nicht!", entschied der Bundesfinanzhof in einem jetzt veröffentlichten Urteil (17.10.2013, Az. III R 27/12).

Dach und Fotovoltaikanlage sind verschiedene Wirtschaftsgüter

Die Hallen würden nicht dadurch zum Betriebsvermögen des Betriebs „Stromerzeugung“, dass darauf eine Fotovoltaikanlage montiert sei, so die Richter. Vielmehr handle es sich dabei um getrennte Wirtschaftsgüter.

Dass die Hallen als Fundament für die Fotovoltaikanlage dienten, sei trotzdem kein Grund, sie als Aufwandseinlage im Rahmen des Betriebs „Stromerzeugung“ zu betrachten. Denn es sei unmöglich, die Kosten für die Dachsanierung sauber zu trennen zwischen der privaten Hallennutzung (Pferdepension bzw. Überlassung an die Ehefrau) und der gewerblichen Nutzung zur Stromerzeugung.

Folge: Kosten noch nicht einmal teilweise absetzbar

Deswegen durfte der Hallenbesitzer die Kosten für die Dachsanierung nicht einmal teilweise absetzen. Sie wurden als reine Privatsache behandelt - und sind damit keine Betriebsausgaben.

Fotovoltaikanlage: Unerfreuliches Urteil, mit positiven Folgen

Zugegeben: Für Eigenheimbesitzer ist dieses Urteil nicht eben erfreulich. Denn es gilt nicht nur für Hallendächer, sondern lässt sich auch auf das Dach eines Wohnhauses übertragen. Aber bedenken Sie: Die Einstufung des Daches (und damit Ihres Hauses) als teilweise gewerblich brächte auch Nachteile mit sich.

Nämlich dann, wenn Sie das Gebäude verkaufen wollten. Stünde es im Betriebsvermögen, müssten Sie den Gewinn als Betriebseinnahme versteuern. Da es aber als reines Privatvermögen eingestuft wird, bleibt ein Verkauf steuerfrei, sofern die Spekulationsfrist abgelaufen ist oder gar nicht zum Tragen kommt.

10-jährige Spekulationsfrist gilt nicht bei Selbstnutzung

Die Spekulationsfrist beträgt 10 Jahre. Sie gilt allerdings nicht bei Gebäuden, die Sie im Jahr des Verkaufs und in den beiden vorangegangenen Jahren ausschließlich selbstgenutzt haben. Wenn Sie ihr Haus dann mit Gewinn verkaufen, brauchen Sie auf diesen Gewinn keine Steuern zu entrichten.

 

 

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Die Dacherneuerung eines Privathauses ist nicht steuerlich absetzbar, schrieb ich Ihnen neulich. Auch dann nicht, wenn auf das betreffende Dach unmittelbar danach eine Photovoltaikanlage gesetzt wird. So hatte das Hessische Finanzgericht entschieden. Jetzt aber wurde ein ähnlicher Fall beim Bundesfinanzhof entschieden. Das Ergebnis: Anteilig lässt sich die gezahlte Umsatzsteuer sehr wohl geltend machen.

 meineimmobilie.de-Tipp

Für Miet- und Gewerbeimmobilien gilt etwas anderes: Wenn nämlich eine solche Halle wirklich gewerblich genutzt oder (gewinnträchtig) vermietet wird, lassen sich die Kosten aufteilen. Die Einnahmen aus der Stromerzeugung lassen sich dann in Euro und Cent beziffern. Ebenso wie die Einkünfte aus der gewerblichen Nutzung oder Vermietung.

Entsprechend dem Anteil der Einspeisevergütung an den gesamten Einkünften können die Sanierungskosten dann als Betriebsausgabe im Betrieb „Stromerzeugung“ abgesetzt werden, entschied der BFH schon vor einigen Jahren im Zusammenhang mit einer Scheune (19.07.2011, Az. XI R 29/10). Was bedeutet: Hier ist die Dachsanierung absetzbar.