Dienstag, 24.11.2015 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © styleuneed - Fotolia.com

Die eigene Arbeitszeit absetzen: Geht das?

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Worum geht´s
  • Welche Eigenleistungen Sie steuerlich absetzen dürfen
  • Was gilt, wenn Verwandte Schnee schippen
  • Welche Arbeiten als Werbungskosten gelten
Stichworte zu diesem Thema

Sie schneiden in Ihrer Freizeit und in der Kälte die Hecken im Garten Ihres Mehrfamilienhauses. Sie stehen früh morgens auf, um im Winter den Zugang zum Haus vom Schnee frei zu schippen und schwitzen im Sommer beim Rasenmähen: Alles umsonst? Oder dürfen Sie Ihre Arbeitszeit wenigstens von der Steuer absetzen?

 

Nur das Material, nicht Ihre Arbeitskraft ist absetzbar

Wer Eigenarbeit in seine vermietete Immobilie steckt, spart damit oftmals am falschen Ende. Denn zum einen können Sie die meisten Arbeiten ohnehin als Betriebskosten dem Mieter auf die Betriebskostenabrechnung setzen. Zum anderen sind Eigenleistungen nicht steuerlich absetzbar.

Geht es nach dem Finanzamt, dürfen Sie für Ihre selbst aufgewendeten Arbeitsstunden keinen fiktiven Lohn ansetzen und den dann von der Steuer absetzen.

Eigenheimbesitzer gehen steuerlich mal wieder leer aus

Dafür dürfen Sie das eingesetzte Arbeitsmaterial, also beispielsweise die elektrische Heckenschere, den Rasenmäher und das dafür benötigte Benzin, als Werbungskosten aus Vermietung und Verpachtung in Ihrer Steuererklärung angeben.

Das gilt jedoch nur für Vermieter, nicht für Eigenheimbesitzer. Letztere können nicht einmal das Material fürs Eigenheim von der Steuer absetzen!

Mit Fahrtkosten können Sie Steuern sparen

"Kleinvieh" macht bekanntlich auch "Mist" - und so viel Steuersparmöglichkeiten haben Sie selbst als Vermieter ja nicht. Schon deswegen sollten Sie auch Fahrtkosten zur Immobilie von der Steuer absetzen.

Denn um Schnee zu räumen oder das Laub zu kehren, müssen Sie erst einmal zu Ihrem Mietshaus hinfahren und auch zurückfahren.

Schreiben Sie sich deswegen z. B. in einem Fahrtenbuch genau auf, wann, zu welchem Zweck und wohin Sie in Ihrer Funktion als Vermieter unterwegs waren und wie viele Kilometer (hin und zurück) Sie zurückgelegt haben.

Pro gefahrenem Kilometer können Sie 0,30 Euro als Werbungskosten in der Anlage 3 Ihrer Steuererklärung unter den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung geltend machen.

Steuererklärung: Wenn Sie andere für sich arbeiten lassen

Schippen Sie nicht selbst Schnee, sondern lassen Sie das beispielsweise von einem "Hausmeister" machen, können Sie den Lohn, den Sie einem anderen dafür bezahlen, von der Steuer absetzen.

Eine gute Möglichkeit zum Steuern sparen: So können Sie beispielsweise Ihren Sohn oder Ihre Frau als 450-Euro-Kraft (Minijobber) anstellen. Ihren Arbeitslohn können Sie dann als Werbungskosten absetzen, vorausgesetzt, er übersteigt nicht das unter Fremden übliche Maß und Sie haben "Ihren Mietarbeiter" auch als Minijobber ordnungsgemäß angemeldet und alle Nebenabgaben bezahlt. 

Mit den Garten- und sonstigen Arbeiten können Sie beispielsweise Ihren Sohn oder Ihren Schwiegervater beauftragen. Auch hier gilt: Den gezahlten Lohn können Sie steuerlich absetzen.

Verwandte als Angestellte: Auf Fremdvergleich achten!

Lassen Sie Freunde oder Verwandte für sich arbeiten, ist der Lohn nur absetzbar, wenn er einem Fremdvergleich standhält.

Das heißt, sie müssen das Arbeitsverhältnis so abwickeln wie unter Fremden üblich. Zahlen Sie also beispielsweise Ihrem Schwiegervater fürs Hof fegen 15 Euro pro Stunde und haben Sie ihn ordnungsgemäß bei der Minijob-Zentrale angemeldet, wird das Finanzamt dies nicht beanstanden. Vorausgesetzt der Lohn ist auch tatsächlich auf sein Konto geflossen.

Lohn an Verwandte: Zahlen Sie nicht mehr als üblich

Zahlen Sie an Verwandte oder Freunde nicht mehr als das Übliche. Ein Stundenlohn von 20 oder 30 Euro fürs Hof fegen macht das Finanzamt hellhörig.

Dasselbe gilt, wenn Sie zwar einen Mini-Job-Vertrag mit Ihrer Frau oder Ihrem Schwiegervater abschließen, aber kein Geld überweisen. Selbst, wenn Sie angeblich "bar" bezahlt haben: Diese Zahlungspraxis weicht offensichtlich von dem ab, was normalerweise mit einer Reinigungskraft vereinbart wird, denn wer arbeitet schon ohne Lohn? Hier könnte das Finanzamt Gestaltungsmissbrauch wittern!

Kommentare (2)

22.3.2013, 11:03 Uhr von Jengst Profil ansehen
Ich gehe nicht davon aus, dass das geht. Da ich aber aus rechtlichen Gründen keine individuelle Steuerberatung leisten darf, bitte ich Sie, sich bei einem Steuerberater zu erkundigen.
19.3.2013, 12:17 Uhr von Bulli2020 Profil ansehen
Kann meine Frau mich, oder ich meine Frau als 400-Euro-Kraft anstellen, obwohl wir zu gleichen Teilen Eigentümer der Mietwohnung sind?
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber

Es schreibt für Sie

Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
Sie sind Hausmeister und Gärtner – jedenfalls zeitweise und das auch nur in Ihrem eigenen Mietshaus. Im "richtigen Leben" haben Sie jedoch einen ganz anderen Job. Hecken schneiden oder den Hof fegen: Wer das als Vermieter bisher quasi „kostenlos“ getan hat, wird sich über dieses neue BGH-Urteil freuen.
„Selbstgemacht!“ verursacht häufig Arbeit, spricht aber auch meist für Qualität. Ob es jedoch immer so schlau ist, selbst Hand anzulegen und ob das am Ende wirklich die häufig erhoffte Ersparnis bringt, steht auf einem ganz anderen Blatt! Wie es um Ihre Eigenleistungen rund um Haus und Hof steht und wann sie sich tatsächlich rechnet, zeigt dieser Beitrag.
MEHR WISSEN: Wer selbst bei seinem Mietshaus zum Besen oder Schrubber greift, muss das nicht kostenlos tun. Das hat sogar der BGH entschieden!
Topstory: Wer am eigenen Haus auch selbst mithelfen will, kann das als sogenannte „Muskelhypothek“ auch in die Finanzierung einbringen. Dadurch kann an manchen Stellen Geld gespart werden. Diese Eigenleistung hat aber auch Nachteile.

 meineimmobilie.de-Tipp

Bei den Betriebskosten sind die Gerichte großzügiger als das Finanzamt: Geht es darum, dass Sie z. B. Hausmeisterarbeiten erbringen, dürfen Sie nach § 1 Abs. 1 Satz 2 der Betriebskostenverordnung Ihre Sach- und Arbeitsleistungen dem Mieter mit dem Betrag auf die Betriebskostenabrechnung setzen, den Sie für die gleichwertige Leistung eines Dritten, insbesondere eines Unternehmers, zahlen müssten. Natürlich ohne die Umsatzsteuer!

Lassen Sie die Arbeiten stattdessen unentgeltlich, z. B. von Ihrem Ehemann, erbringen, dürfen Sie für ihn keine fiktiven Kosten ansetzen, weil Ihnen auch keine Kosten entstanden sind (LG Berlin, Urteil v. 6.12.2011, 63 S 122/11). Anders sieht es aus, wenn Sie Ihren Ehemann als Minijobber beschäftigen und er in dieser Funktion Arbeiten ausführt, die als Betriebskosten umlegbar sind.