Freitag, 07.09.2012 | Autor: Judith Engst

BFH-Urteil: Schuldzinsen jetzt nach Verkauf abziehbar

Worum geht´s
  • Schuldzinsen / Darlehenszinsen
  • Steuerliche Anerkennung
  • Verkauf einer Mietimmobilie
Stichworte zu diesem Thema

Sie haben Ihre Mietimmobilie verkauft, aber der Erlös reicht nicht zur Darlehenstilgung? Falls Sie vor diesem Problem stehen, sollten Sie die Schuldzinsen steuerlich geltend machen. Das geht neuerdings nämlich, wie der Bundesfinanzhof aktuell entschieden hat.

Der Fall: Ein Ehepaar verkaufte nach knapp 10 Jahren seine Mietimmobilie. Der Erlös floss in die Tilgung des Immobiliendarlehens. Das Problem: Das Geld reichte nicht, um das Darlehen vollständig zu tilgen. Die Schuldzinsen in Höhe von 21.000 Euro machte das Ehepaar daher steuerlich geltend.

Das aber ließ das Finanzamt nicht zu. Gemäß der bisherigen Rechtsprechung des Bundesfinanzhof argumentierte es: Nach dem Verkauf der Immobilie seien keine Einnahmen mehr aus Vermietung und Verpachtung zu erzielen. Folglich seien die Schuldzinsen auch nicht mehr als Werbungskosten absetzbar. Gegen diese Entscheidung klagte das betroffene Ehepaar - und bekam in letzter Instanz Recht.

Die Richter des Bundesfinanzhofs änderten ihre langjährige Rechtsprechung (20.6.2012, Az. IX R 67/10). Schuldzinsen aus dem Verkauf einer Mietimmobilie könnten sehr wohl abgezogen werden. Denn: Der Gesetzgeber habe zwischenzeitlich bei Immobilien die 10-Jahres-Frist eingeführt. Demnach sind bei einem Verkauf einer Immobilie binnen 10 Jahren die Gewinne steuerfrei. Eventuelle Verluste aber könnten steuerlich geltend gemacht werden.

Es sei daher nur folgerichtig, diese gesetzliche Regelung auch auf die Schuldzinsen bei Mietimmobilien zu übertragen. Mit anderen Worten: Mit dem Verkauf endet nicht die Möglichkeit, sie als Werbungskosten im Zusammenhang mit Einkünften aus Vermietung und Verpachtung geltend zu machen.

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 meineimmobilie.de-Tipp

Wenn Sie nach einem Immobilienverkauf noch ein Darlehen haben, das Sie nicht vollständig mit dem Erlös tilgen könnten, machen Sie die Zinsen steuerlich geltend.

 

Falls das Finanzamt sie nicht anerkennt, legen Sie Einspruch ein und verweisen Sie auf dieses Urteil des Bundesfinanzhofs. Das Finanzamt wird dann die Schuldzinsen als nachträgliche Werbungskosten anerkennen. Dann haben Sie immerhin steuerlich einen Vorteil, wenn ein Immobilienverkauf nur mit Verlust möglich war.