Freitag, 19.09.2014 | Autor: Judith Engst, Foto: © Maxim_Kazmin - Fotolia.com

Behindertengerechter Neubau: Mehrkosten für größeres Grundstück sind nicht absetzbar

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Worum geht´s

• Außergewöhnliche Belastung
• behindertengerechte Bebauung
• Mehrkosten für Grundstückskauf
• steuerliche Absetzbarkeit

Stichworte zu diesem Thema

Baut ein Behinderter seine Wohnung behindertengerecht um, darf er die Kosten meist als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen. 

Was aber, wenn er wegen seiner Behinderung ein größeres Grundstück kauft, weil er für die eingeschossige Bauweise eines behindertengerechten Neubaus mehr Wohnfläche braucht. 

Ob die Mehrkosten für das größere Grundstück als außergewöhnliche Belastung absetzbar sind, hat der Bundesfinanzhof etwas genauer unter die Lupe genommen.

Eingeschossig und treppenlos erfordert mehr Wohnfläche

Bis vor den Bundesfinanzhof hatte sich eine Grundstückskäuferin mit Multipler Sklerose hochgeklagt. Sie war gehbehindert und saß im Rollstuhl. Deshalb wollte sie einen eingeschossigen Bungalow ohne Treppen bauen.

Um auf die gewünschte Wohnfläche zu kommen, brauchte sie daher ein größeres Grundstück als für ein mehrgeschossiges Haus erforderlich wäre.

Mehrkosten gelten nicht als außergewöhnliche Belastung

Folgerichtig wollte sie die Mehrkosten für den Grundstückskauf als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen.

Aber das Finanzamt machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Das Niedersächsische Finanzgericht gab noch der Dame Recht. Fast 13.200 Euro sollte demnach das Finanzamt als steuermindernd anerkennen. Damit war das Finanzamt allerdings gar nicht einverstanden, weswegen es Revision einlegte.

Bundesfinanzhof: Aufwendungen waren nicht zwangsläufig

Der Bundesfinanzhof schlug sich auf die Seite des Finanzamts. Den BFH-Richtern fehlte es an der notwendigen Zwangsläufigkeit: Als außergewöhnliche Belastungen seien nur Ausgaben absetzbar, die  zwangsläufig entstünden (17.7.2014, Az. VI R 42/13).

Im entschiedenen Fall hatte aber die behinderte Klägerin die Wohnfläche des gewünschten Hauses nach eigenem Gutdünken bestimmt.

Nicht, was sie unbedingt brauchte, war dabei entscheidend, sondern was sie sich wünschte. Folglich, so das Gericht, könne sie die Mehrkosten für das größere Grundstück nicht als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen.
 

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Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst
Normalerweise gilt: Die Kosten für Heil- und Hilfsmittel können Sie als „außergewöhnliche Belastung“ absetzen, wenn sie zwangsläufig nötig sind. Um das nachzuweisen, brauchen Sie ein ärztliches Attest. Ob das auch für eigens eingebaute Treppenlifte gilt, musste jüngst der Bundesfinanzhof entscheiden.
Wohnt in Ihrem Haus ein behindertes Kind oder ein Senior mit Behinderungen? Dann können Sie die Kosten für einen behindertengerechten Umbau auch dann absetzen, wenn Sie die Immobilie nicht vermieten. Das geht aus einer jetzt veröffentlichten Entscheidung des Bundesfinanzhofs hervor. Besonders interessant: Die Kosten sind Sonderausgaben und keine Werbungskosten. Das heißt, sie mindern Ihre Steuerlast auf jeden Fall und das unabhängig von der Einkunftsart.
„Barrierefrei“ heißt aktuell einer der wichtigsten Wohntrends. Die Gesellschaft wird immer älter, und zwangsläufig nehmen auch die Behinderungen zu. Deshalb sind behindertengerechte Wohnungen gefragt - ob als Eigenheim oder Mietwohnung. Fragt sich nur, ob und wie sich ein solcher Umbau steuerlich absetzen lässt.

 meineimmobilie.de-Tipp

Nur zwangsläufige Ausgaben werden anerkannt

Es ist nach Ansicht des Gerichts etwas zu viel verlangt, das Finanzamt an den Mehrkosten für ein größeres Grundstück zu beteiligen - und das trotz Behinderung.

Dennoch sollten Sie nicht gleich nachgeben, wenn es um die Kosten für einen behindertengerechten Um- und Einbau geht, den Sie unbedingt brauchen!

Sitzt ein Mitglied Ihres Haushalts beispielsweise im Rollstuhl, ist offensichtlich, dass Sie etwa einen Treppenlift oder ein barrierefreies Bad benötigen. Dann sind die Kosten dafür in Ihrer Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung absetzbar. 

Das Finanzamt muss sie sogar dann anerkennen, wenn Sie dafür kein ärztliches Attest oder amtsärztliches Gutachten vorlegen (BFH, Urteil v. 6.2.2014, VI R 61/12).