Dienstag, 18.09.2012 | Autor: Judith Engst

Barrierefreier Umbau: Beteiligen Sie den Fiskus an den Kosten

Worum geht´s
  • barrierefreies Wohnen
  • Kosten für den Umbau
  • Anerkennung durch das Finanzamt

„Barrierefreies Wohnen“ heißt ein Schlagwort unserer Zeit. Es geht darum, Häuser senioren- und behindertengerecht zu machen. Ob durch eine Rollstuhlrampe am Hauseingang oder eine Verbreiterung der Türen. Ob durch die Anbringung von Haltegriffen im Bad oder den Einbau einer Sitzwanne. Allerdings sind solche Umbauten nicht ganz billig. Nur gut, dass Sie die Kosten absetzen können.

Egal ob Sie Vermieter oder Selbstnutzer sind: Auf den Kosten für einen barrierefreien Umbau bleiben Sie nicht sitzen. Denn diese Kosten lassen sich von der Steuer absetzen. Dabei gilt konkret:

Als Vermieter machen Sie die Umbauten als Werbungs- oder Herstellungskosten in der Anlage V Ihrer Steuererklärung geltend. Werbungskosten liegen vor, wenn nichts Neues entsteht, sondern lediglich ein vorhandener Bestandteil der Immobilie durch einen neuen ersetzt wird (z. B. altes, enges durch neues, rollstuhlgerechtes Bad). Sie sind sofort absetzbar.

Um anschaffungsnahe Herstellungskosten handelt es sich beispielsweise bei einer Erweiterung der Wohnfläche etwa durch den Ausbau der Kellerräume, die ebenerdig zugänglich sind. Sofort absetzbar sind Herstellungskosten bis maximal 4.000 € netto (ohne Mehrwertsteuer). Was darüber liegt, muss zusammen mit dem Gebäude abgeschrieben werden.

Aber auch als Selbstnutzer können Sie den barrierefreien Umbau Ihres Eigenheims steuerlich geltend machen. Anders als ein Vermieter setzen sie den Aufwand nicht als Werbungskosten, sondern als Sonderausgabe von der Steuer ab.

Sonderausgaben mindern Ihre Einkünfte steuerlich gesehen nur im Jahr der Geltendmachung. Sie können nicht als Verlust in spätere Jahre vorgetragen werden. Dafür aber sind Sonderausgaben anders als Werbungskosten unabhängig von den Einkunftsarten. Das heißt: Um Sonderausgaben geltend zu machen, brauchen Sie nicht in derselben Einkunftssparte (hier: Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung) Gewinne zu erzielen oder zumindest die betreffende Absicht nachzuweisen.

Das Finanzamt wird die Kosten für einen barrierefreien Umbau aber nur dann in voller Höhe anerkennen, wenn die neue Ausstattung nicht wesentlich luxuriöser ausfällt als die alte. Falls doch, müssen Sie damit rechnen, dass nur ein Teil der Kosten Ihre Einkommensteuer mindert.

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 meineimmobilie.de-Tipp

Bei Eigenheimnutzern verlangt das Finanzamt einen Nachweis, dass der barrierefreie Umbau nötig war. Den erbringen Sie in Form eines ärztlichen Attests.

 

Bei Vermietern ist dieser Nachweis nicht nötig: Eine Mietwohnung barrierefrei umzubauen ist Ihre persönliche Investitionsentscheidung. Solange die Kosten für den Umbau nicht gegen eine Absicht sprechen, mit der betreffenden Immobilie Gewinne zu erzielen, wird das Finanzamt sie anerkennen.