Samstag, 08.02.2014 | Autor: Judith Engst, Foto: © livestockimages - Fotolia.com

Auch Vermieter-Büro: Wann Sie die Kosten als Arbeitszimmer absetzen können

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Worum geht´s

• Bundesfinanzhof
• Arbeitszimmer
• Nutzung als Vermieter
• Kosten anteilig absetzbar

Dürfen Sie Ihr Vermieter-Büro von der Steuer absetzen? Die Frage, ob und wann Sie ein häusliches Arbeitszimmer anteilig von der Steuer absetzen dürfen, hat den Bundesfinanzhof schon mehrfach beschäftigt. Jetzt hat er die Frage zugunsten des Steuerzahlers bejaht und zwar selbst dann, wenn der Raum nur teilweise für Vermietertätigkeiten genutzt wird.

Im entschiedenen Fall ging es um einen Vermieter, der zwei Einfamilienhäuser besaß. Um die zu verwalten, nutzte er ein Arbeitszimmer bei sich zuhause. Darin erledigte er allerdings nicht nur seine Vermietungstätigkeiten, sondern erledigte darin auch andere Büroarbeiten. 

Trotz gemischter Nutzung sind die Kosten absetzbar

Deswegen wollte das Finanzamt die Kosten für sein Arbeitszimmer nicht anerkennen. Das Argument: Die Kosten seien nur absetzbar, wenn der Raum ausschließlich für betriebliche/berufliche Zwecke genutzt werde. Das sei hier aber nicht der Fall.

So lange eine Gemischtnutzung vorliege, könnten die Kosten fürs Arbeitszimmer laut Einkommensteuergesetz nicht abgesetzt werden (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b).

Weil man sich auch innerhalb des Bundesfinanzhofs dazu nicht ganz einig ist, wurde jetzt der Große Senat angerufen. Der wird in Kürze Klarheit schaffen. Der IX. Senat indessen bestimmte: Auch bei Gemischtnutzung sind die Kosten fürs Arbeitszimmer absetzbar und zwar zu dem Zeitanteil, der auf die betriebliche beziehungsweise berufliche Nutzung entfalle (21.11.2013, Az. IX R 23/12). Ob es dabei bleibt, wird erst die Entscheidung des Großen Senats zeigen.

60 Prozent der Kosten im Urteilsfall absetzbar

Ein Hinweis: Es klingt etwas eigenartig, im Zusammenhang mit einer Vermietung von „betrieblicher beziehungsweise beruflicher Nutzung“ zu sprechen. Tatsächlich aber fällt auch die Vermietung beziehungsweise Verpachtung unter diesen Begriff. Denn sie ist mit entsprechenden Einkünften verbunden.

Der Kläger durfte daher 60 % der Arbeitszimmerkosten von der Steuer absetzen. Das entspricht dem Zeitanteil, in dem sich der Steuerzahler im Arbeitszimmer seinen Vermietungsaufgaben widmete. 

Kommentare (1)

8.2.2014, 20:09 Uhr von gjaser Profil ansehen
Sie sind Ihrer Zeit vorau, denn der GroßeSenat muss erst entscheiden. Solange wird kein Finanzbeamter den Werbungskostenabzug bei Gemischnutzung zulassen.
Wer es schafft, sein Arbeitszimmer vom Finanzamt als „außerhäuslich“ anerkennen zu lassen, hat klare Vorteile. Denn der- oder diejenige kann die Kosten dann voll absetzen. Doch stellt das Finanzamt hier hohe Anforderungen, wie ein aktuelles Urteil des Bundesfinanzhofs zeigt.
Es muss geheizt werden, es braucht Strom. Und es verursacht anteilig auch viele andere Kosten wie Müllgebühren oder Grundsteuer. Die Rede ist vom häuslichen Arbeitszimmer. Trotzdem ist das Finanzamt alles andere als großzügig wenn es um die Anerkennung des Arbeitszimmers geht. Wer darf es absetzen? Zwei jetzt veröffentlichte Urteile des Bundesfinanzhofs bringen Licht ins Dunkel.

 meineimmobilie.de-Tipp

Erstellen Sie zuhause in Ihrem Arbeitszimmer auch Mietverträge, Nebenkostenabrechnungen, Abmahnungen oder zahlen Sie Rechnungen, prüfen die Mietzahlungen oder Ähnliches, sind das Vermietungstätigkeiten. Führen Sie darüber Buch, wie viel Zeit Sie sich in Ihrem Büro solchen Arbeiten widmen. 

Das heißt: Ermitteln Sie, wie viel von der Zeit, in der Sie sich in Ihrem Arbeitszimmer aufhalten auf die Vermietung oder Verpachtung entfällt. Rechnen Sie dann die Kosten für Ihr Arbeitszimmer zusammen.

Für Ihre Steuererklärung bedeutet das: Rechnen Sie den Flächenanteil Ihres Arbeitszimmers bezogen auf die gesamte Wohnfläche aus. Entsprechend können Sie dann die Arbeitszimmerkosten herausfinden: Angenommen, Ihr Arbeitszimmer macht 10 Prozent der Gesamtfläche aus. Dann sind 10 Prozent der Grundsteuer, der Strom-, Heiz-, Wasser- und sonstigen Kosten Arbeitszimmerkosten.


Diese Kosten multiplizieren Sie nun mit dem Nutzungsanteil. Im Urteilsfall waren das 60 %. Aber auch wenn nur 20 oder 30 Prozent Ihrer Zeit im Arbeitszimmer auf Vermietungs-Angelegenheiten entfallen, sollten Sie sie geltend machen. Denn das lohnt sich.

Angenommen, Ihr Arbeitszimmer verursacht 1.000 € an Kosten pro Jahr und Sie nutzen es zu 30 Prozent für Vermietungstätigkeiten. Dann können Sie 300 Euro von der Steuer absetzen. Bei einem persönlichen Steuersatz von 33 % sparen Sie damit unterm Strich immerhin 100 Euro an Steuern.

Das gilt zumindest dann, wenn der Große Senat demnächst so steuerzahlerfreundlich entscheidet wie der IX. Senat des Bundesfinanzhofs.