Freitag, 24.04.2015 | Autor: Judith Engst, Foto: © livestockimages - Fotolia.com

2 Wohnungen, 2 Arbeitszimmer absetzen: Geht das?

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Worum geht´s

• doppelte Haushaltsführung
• häusliches Arbeitszimmer
• Absetzbarkeit
• Finanzgericht Rheinland-Pfalz

Es ist mittlerweile schon eine Gratwanderung, wenn Sie ein Arbeitszimmer von der Steuer absetzen wollen. Ein Steuerzahler aus Rheinland-Pfalz versuchte es gleich mit zwei Arbeitszimmern, getreu dem Motto: Zwei Wohnsitze, zwei Arbeitszimmer!

Klingt eigentlich logisch. Leider nicht fürs Finanzamt. Das wollte nämlich das zweite Arbeitszimmer nicht steuerlich anerkennen.

Ein Pfälzer arbeitete als Angestellter bei seinem Arbeitgeber in Thüringen. Dort hatte er auch eine Wohnung. Doch sein Familienheim von ihm und seiner Frau stand in Rheinland-Pfalz.

Neben seiner Anstellung war er zusätzlich auch noch selbstständig tätig: Er gab Seminare und Fortbildungskurse für Steuerberater, die er entweder zu Hause oder in seiner Zweitwohnung vorbereitete.

Deswegen wollte er auch zwei häusliche Arbeitszimmer von der Steuer absetzen: Eins in der Wohnung in Thüringen und eines zu Hause im Eigenheim in der Pfalz. 

Finanzamt wollte nur ein häusliches Arbeitszimmer anerkennen

Das Finanzamt erkannte nur eines der beiden Arbeitszimmer an. Als sein Einspruch gegen diese Entscheidung erfolglos blieb, erhob der Steuerzahler Klage. Doch das Finanzgericht Rheinland-Pfalz schloss sich der Meinung des Finanzamts an: Es bleibt nur ein Arbeitszimmer absetzbar (25.02.2015, Az. 2 K 1595/13).

Da der Steuerzahler nicht zeitgleich in beiden Arbeitszimmern tätig sein könne, sei es auch nicht möglich, beide von der Steuer abzusetzen.

Allerdings musste das Finanzamt zumindest die Kosten für eines von beiden Arbeitszimmern anerkennen.

Abzug wurde auf Höchstbetrag von 1.250 Euro beschränkt

Doch selbst bei seinem einen Arbeitszimmer musste der Steuerzahler noch Abstriche machen: Weil das Arbeitszimmer nicht Mittelpunkt seiner gesamten beruflichen und betrieblichen Tätigkeit sein könne, blieb es beim Höchstbetrag von 1.250 EUR. 

Der Grund: Im Rahmen seiner Selbstständigkeit verdiente der Steuerberater sein Geld auch mit Seminaren. Die fänden aber an einem anderen Ort als dem Arbeitszimmer statt.

Folglich sei es rechtens, die geltend gemachten Kosten für das Arbeitszimmer auf den Höchstbetrag von 1.250 Euro zu beschränken. Absetzbar waren demnach auch bei dem einen anerkannten häuslichen Arbeitszimmer nicht die vollen Kosten.
 

Kommentare (1)

26.4.2015, 18:31 Uhr von Maiberg Profil ansehen
Das Urteil steht in der profiskalischen Logik der Finanzgerichte, weil sich Beamte wohl nicht vorstellen können, dass man zwei Erwerbsquellen hat, die auch zwei Arbeitszimmer bedingen. Andererseits wird eine doppelte Haushaltsführung steuerlich anerkannt und die GEZ (Nachfolger) verlangt ihren Beitrag ebenfalls von beiden Wohnungen. Da gilt die Begründung, daß man zeitlich nicht in beiden Wohnungen gleichzeitig Fernsehen kann, offensichtlich nicht. Das verstehe wer will!
Foto: Judith Engst / Redaktion meineimmobilie.de
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Judith Engst hat sich als Wirtschafts- und Finanzjournalistin auf die publizistische Beratung im Bereich Finanzen, Geldanlage, Recht und Steuern spezialisiert. Für sie sind Immobilien ein unentbehrlicher Baustein zur ...
Judith Engst
Stellt der eigene Arbeitgeber einen Arbeitsplatz zur Verfügung, heißt das: Ein häusliches Arbeitszimmer bei sich zu Hause können Sie nicht absetzen. Was aber, wenn der Arbeitsplatz sanierungsbedürftig und gesundheitsgefährdend ist? Dazu hat sich jetzt der Bundesfinanzhof geäußert.
Dürfen Sie Ihr Vermieter-Büro von der Steuer absetzen? Die Frage, ob und wann Sie ein häusliches Arbeitszimmer anteilig von der Steuer absetzen dürfen, hat den Bundesfinanzhof schon mehrfach beschäftigt. Jetzt hat er die Frage zugunsten des Steuerzahlers bejaht und zwar selbst dann, wenn der Raum nur teilweise für Vermietertätigkeiten genutzt wird.

 meineimmobilie.de-Tipp

Revision ist zugelassen

Zugegeben: Eine solche Konstellation ist selten - doppelte Haushaltsführung mit je einem Arbeitszimmer pro Wohnung, in dem selbstständige Einkünfte erzielt werden. Völlig abwegig ist sie allerdings nicht.
 

Falls Sie selbst in einer ähnlichen Konstellation sind, versuchen Sie trotzdem, beide Arbeitszimmer in der Steuererklärung anzugeben. Denn eine Hoffnung gibt es noch für Sie: Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz hat ausdrücklich Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen. Denn bisher gibt es in einem solchen Fall noch keine höchstrichterliche Entscheidung.
 

Ein Einspruch gegen den noch offenen Steuerbescheid könnte sich also lohnen, wenn auch Sie zwei Arbeitszimmer absetzen wollen. Vergessen Sie aber nicht, zugleich ein Ruhen des Verfahrens zu beantragen. Dann brauchen Sie nicht selbst Klage einzureichen, sondern profitieren automatisch von der BFH-Entscheidung, wenn diese zugunsten des Steuerpflichtigen ausfällt.