Dienstag, 19.11.2013 | Autor: Jörg Stroisch, Foto: © K.-U. Häßler - Fotolia.com

Wärme und Strom selbst erzeugen: Wann sich das für Sie lohnt

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Worum geht´s
  • Kraft-Wärme-Kopplung gibt es auch fürs Eigenheim, rechnet sich aber häufig nicht

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Topstory: Von einer Kraft-Wärme-Kopplung haben Sie sicherlich auch schon gehört und davon, dass es so etwas auch für "kleinere Häuser" gibt. Die erzeugen nicht nur Strom, sondern gleichzeitig wird die Abwärme auch für das Beheizen des Wassers und der Heizung genutzt.

 

Was für mittlere und große Anlagen schon lange etabliert ist, setzt sich nicht in privaten Haushalten durch. Der Grund: Meist rechnet sich so eine Anlage schlichtweg nicht.

2020 soll Strom aus Kraft-Wärme-Kopplung einen Anteil von 25 Prozent des Marktes in Deutschland ausmachen.

Etabliert ist die Kraft-Wärme-Kopplung gerade bei mittleren und großen Anlagen: Ob Müllverbrennungsanlage oder Kohlekraftwerk – fast immer wird die Abwärme aus der Stromversorgung im großen Stil ebenfalls genutzt und dann häufig auch per Fernwärme in die Haushalte gebracht.

Minikraftanlagen: Klein aber Oho

Hier ist die Technik seit Jahrzehnten im Einsatz. „Bei kleinen Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen gibt es noch eine Entwicklung“, beschreibt Pascal Klein, Fachgebietsleiter Energie und Umwelt beim TÜV Rheinland. „Die Technik ist noch recht neu.“ Sie sind hier als Alternative zur herkömmlichen Wärmeerzeugung mit Öl- oder Gasbrennern möglich.

So plant zum Beispiel der Stromanbieter Lichtblick 100.000 dezentrale Minikraftwerke, die eine Leistung von zwei Gigawatt erbringen sollen.

So funktioniert die Kraft-Wärme-Kopplung

Die Funktionsweise von Kraft-Wärme-Kopplung ist zumindest lange erprobt: Zumindest im Hauswohnbereich kommen vor allem Gasmotoren zum Einsatz, die als Generatoren Strom erzeugen. Diese Motoren  produzieren als Abfallprodukt auch Abwärme, die dann mit Wärmetauschern in den Heizkreislauf des Hauses eingebunden wird.

Durch die Ausnutzung beider Energiequellen erhöht sich der Wirkungsgrad enorm“, beschreibt Bernd Dechert, Geschäftsführer Technik beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH).

Dabei gibt es zwei prinzipielle Herangehensweisen an die Anlage: Entweder steht der Strombedarf im Mittelpunkt oder der Heizbedarf. Hier ist zumindest beim Kauf der Anlage für ein kleineres Haus die Ausrichtung eindeutig: Die Größe richtet sich nach dem Wärmebedarf des Hauses.

Aber leider ist das Urteil hier auch recht eindeutig: „Die Anlagen sind immer dann effizient, wenn sie möglichst kontinuierlich im Volllastbetrieb laufen“, kommentiert Klein. „Das klappt bei kleinen Wohneinheiten oft nicht.“ Bedeutet umgekehrt: Wenn vom Wärmebedarf her gerechnet die Anlage immer Volllastbetrieb haben soll, muss sie sich am durchschnittlichen Wärmebedarf eines Hauses orientieren.

Ab wann sich eine KWK-Anlage lohnt

Dann sind aber Verbrauchsspitzen – wie etwa ein besonders kalter Winter – mit ihr nicht komplett ausgleichbar und es muss auf weiteren Wegen Wärme erzeugt werden, zum Beispiel durch Radiatoren. Thomas Weber, Berater des Verbandes Privater Bauherren, rechnet das vor: KWK-Anlagen lohnen sich vor allem dann, wenn sie auf Laufzeiten von wenigstens 5.500 Stunden kommen.

Zum Vergleich: ein Jahr hat 8.760 Stunden. „Bei Mehrkosten von 10.000 Euro für eine solche Anlage, ist das beim Einfamilienhaus nur sehr schwer wirtschaftlich darstellbar“, kommentiert Weber. „Wir haben das mehrfach berechnet und sind bisher immer zum Ergebnis gekommen, dass es sich nicht lohnt.“ Anders sieht es aus – da sind sich die Experten einig – wenn größere Wärmeverbraucher im Haus sitzen, zum Beispiel eine Metzgerei oder auch der beheizte Pool.

Mieten statt kaufen heißt die Alternative

Die Alternative zum Kauf der Anlage: Es gibt einige Feldversuche, wo KWK-Anlagen in Wohnhäusern als virtuelles Kraftwerk von außen gesteuert werden. Der Hausbesitzer kauft dabei die Wärme ein und erhält einen Obulus für den Stromverkauf.

Die Anlage ist aber nicht in seinem Besitz. So bietet der Autobauer VW in Kooperation mit dem Stromunternehmen Lichtblick solche Verträge an, auch RWE ist in Kooperation mit Vaillant mit Angeboten am Markt.

Der Nachteil: Sie brauchen einen Netzbetreiber

Dabei handelt es sich noch um Testphasen“, sagt Bernd Dechert. „Ob sich das bewährt, muss man noch abwarten.“ Mit diesen Contracting-Modellen wird dem Hausbesitzer auch die Wartung abgenommen, er muss sich nicht so stark mit den rechtlichen Problematiken rund um die Einspeisung von Strom ins Netz kümmern. Auf der anderen Seite bindet er sich auch sehr stark an einen Anbieter.

Genau hierin liegt ein Nachteil der Kaufanlagen: Wer Strom einspeisen möchte, muss sich vertraglich mit den Netzbetreibern auseinandersetzen. Das ist dann ähnlich aufwendig, wie bei einer Photovoltaik-Anlage.

Der Wartungsaufwand ist vergleichbar mit dem eines Autos – auch bei KWK-Anlagen kommen schließlich Verbrennungsmotoren zum Einsatz. Der Fachbetrieb sollte hier – ähnlich, wie bei einem „normalen“ Heizungseinbau – mit einem Wartungsauftrag beauftragt werden und natürlich auch einen Notdienst bieten.

Kraft-Wärme-Kopplung spart Energie und reduziert CO2

Zumindest der Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung macht so seit Jahren Druck in Richtung dieser Technologie: Durch Umstellung von Nur-Wärmeerzeugung in Heizkesseln auf Kraft-Wärme-Kopplung könnten bis zu 40% Energie und 60% CO2 eingespart werden, rechnet der Verband vor. 

Das erklärte Ziel einer Verdopplung des KWK-Stromanteils bis 2020 sei ohnehin nicht sehr anspruchsvoll, allerdings werde auch dieses derzeit verfehlt. „Ziel und Handeln müssen zusammenpassen“, fordert Verbandspräsident Berthold Müller-Urlaub.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
Hausbesitzer, die an ihrer Immobilie eine sogenannte Mini-KWK-Anlage zur Wärme- und Stromerzeugung installieren, können dafür einen staatlichen Zuschuss bei dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragen. Informationen rund um die Förderung für die Kraft-Wärme-Kopplung.
In einem Vorgang werden elektrische Energie und Wärme erzeugt, beispielsweise in einem ...
News: Die Bundesregierung hat beschlossen, die effizienten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen über einen staatlichen Zuschuss zu fördern. Wer eine solche Anlage plant, sollte noch bis September warten: Dann kann ein Antrag auf Förderung gestellt werden.

 meineimmobilie.de-Tipp

Checkliste:

  • Jahreslaufzeit: Möglichst lange sollte die KWK-Anlage übers Jahr gerechnet laufen.
  • Nennleistung: Die Anlage sollte zudem immer mit Nennleistung laufen, weil sie dann besonders effizient und wartungsarm ist.
  • Ausrichtung: Bei Anlagen für kleinere Häuser wird sie in der Regel am Wärmebedarf ausgerichtet.
  • Effizienz: Damit sie dann tatsächlich effizient arbeitet, müsste sie also den normalen Wärmebedarf eines Hauses – ob Sommer oder Winter – abdecken. Das bedeutet aber auch, dass für Spitzenverbräuche weitere Wärmequellen vorhanden sein müssten, beispielsweise im kalten Winter.
  • Investitionskosten: Diese sind deutlich höher als bei einer herkömmlichen Heizungsanlage.
  • Planung: Ob es sich rechnet, sollte deshalb durch einen fachkundigen Planer genau durchkalkuliert werden.
  • Contracting: Mittlerweile gibt es KWK auch als Mietlösung, beispielsweise das ZuhauseKraftwerk von Lichtblick in Zusammenarbeit mit VW oder das HomePower Mikro-KWK-System als Zusammenarbeit zwischen RWE und Vaillant. Der Hausbesitzer bezahlt die Wärme und erhält einen Obulus für die Stromerzeugung. Hier gilt: Genau über die Vertragsdetails informieren, kalkulieren – und im Zweifel von einem Experten kontrollieren lassen.