Mittwoch, 24.08.2011 | Autor: Jörg Stroisch

Hype rund um das Wohnen auf Zeit

Worum geht´s

AirBnB, wimdu und 9flats heißen die neuen Wohnbörsen im Internet, bei dem vor allem Reisende ein Zimmer auf Zeit mieten. Die Wohncommunities könnten auch etwas für Vermieter sein.

Topstory: Die persönliche Empfehlung eines Freundes: Das Prinzip aller sozialen Netzwerke - die persönliche Nähe - adaptierten pfiffige Amerikaner ins klassische Bed-and-Breakfast-Geschäft rund um günstige Stadtübernachtungen. Das amerikanische Original findet deutsche Nachahmer. Und für Vermieter gibt es eine neue Einnahmemöglichkeit.

Zwischen 22 und 200 Euro [Frankfurt: 150 Euro; Berlin: 1400 Euro] kostet eine Nacht in einer Privatunterkunft in Köln. Die 200-Euro-Bleibe ist ein Penthouse direkt am Hansaring. Dafür gibt es dann Platz für bis zu vier Personen, ein separates Bad - und Anschluss an eine WG-Gemeinschaft inklusive.

Die Angebote reichen vom einfachen möblierten Zimmer bis hin zum dekadent-luxuriösen Haus. Mal nutzt der Gast ein eigenes Bad, mal teilt er sich dieses mit dem Gastgeber. Grundvoraussetzungen für ein Inserat in einem der neuen Privatunterkunftcommunities gibt es eigentlich keine. Der Anbieter profitiert aber in jedem Fall finanziell: Der Anbieter AirBnB nimmt für die Abwicklung drei Prozent, der Rest des Geldes wandert in die Hauskasse.

Trend beginnt gerade erst

Und der Trend, über das Internet Schlafplätze anzubieten, hat gerade erst begonnen. Zwar hat AirBnB, das amerikanische Original, nach eigenen Angaben in den letzten drei Jahren schon weltweit zwei Millionen Übernachtungen vermittelt, der deutsche Newcomer 9flats spricht von derzeit einer vierstelligen Zahl pro Monat. Aber der Markt entsteht gerade erst, die deutschen Angebote sind erst seit wenigen Wochen online. So behauptet Wimdu kürzlich, 90 Millionen Dollar Wagniskapital für sein Portal eingesammelt zu haben, wobei diese Zahl in der Webszene eher umstritten ist.

Für Vermieter ergeben sich hier also Möglichkeiten, ein Zimmer oder eine Wohnung wirkungsvoll unterzuvermieten. Und auch Mieter könnten auf die Idee kommen: "Sofern es aber wirtschaftlich oder persönlich vernünftige Gründe gibt - zum Beispiel eine alte Dame gerne dadurch mehr Gesellschaft haben möchte oder eine große Wohnung zur Verfügung steht - kann der Vermieter das nicht ablehnen", kommentiert Ulrich Ropertz, Pressesprecher beim Deutschen Mieterbund, in diesem Zusammenhang. Gerold Happ, Mietrechtsexperte bei der Eigentümergemeinschaft Haus & Grund, bestätigt diese Einschätzung und ergänzt in Richtung Nachbarschaft: "Einen Anlass zur Mietminderung bietet Bed-and-Breakfast nicht, es sei denn, es kommt ständig zum Beispiel zu sehr viel Lärm im Haus." Sprich: Was der Mieter darf, muss der Vermieter nicht lassen.

Vermarktung wird für Anbieter wichtig

Bleibt das Problem der Vermarktung, schließlich ist die nächste vergleichbare Unterkunft nur einen Klick entfernt: "Auf gute Bilder kommt es an", rät Arne Bleckwenn, Gründer und Geschäftsführer des Portals Wimdu, den Inserenten. "Deshalb sollte man bei Tageslicht fotografieren und versuchen eine freundliche Atmosphäre einzufangen." Nathan Blecharcy, Mitbegründer von AirBnB und technischer Kopf, rät auch zur Teilnahme an der Community, der persönliche Kontakt zum Vermieter sei oftmals entscheidend für eine Buchung. Und 9flats empfiehlt auf seiner Website ebenfalls zu schnellen Reaktionszeiten bei einer Kontaktanfrage.

Das Neue ist eben das Prinzip der Community und das sollten die Vermieter leben: Wenn ein Bekannter eine Unterkunft empfiehlt, wirkt das vertrauenserweckend. Das Portal erhöht so das Vertrauen beim Buchen einer Unterkunft", beschreibt so Nathan Blecharcy. Umgekehrt: Wer seine Gäste abzockt, wird schnell wieder von der Bildfläche verschwinden - zumal AirBnB, Wimdu und 9flats für ihre Gäste eine Art Treuhänderservice anbieten, so dass der Geldfluss nach der ersten missratenen Nacht noch gestoppt werden kann. Stephan Uhrenbacher, Geschäftsführer und Gründer von 9flats, betont so auch: "Das Thema Sicherheit spielt für Gast und Gastgeber gleichermaßen eine große Rolle." Mittlerweile bieten viele Anbieter deshalb auch eine spezielle Absicherung für Vermieter, falls das Interieur des möblierten Zimmers zu Bruch geht.

Der Markt ist innovativ, da hoch umkämpft. Alle Anbieter bieten Vermietern umfassende Infos im Web, oftmals wird sogar der Fotograf für die guten Fotos kostenlos zur Verfügung gestellt. Anbieter von Privatunterkünften werden also derzeit heftig umworben, manchmal auch mit nicht ganz sauberen Methoden den Wettbewerbern ausgespannt. In jedem Fall gilt: Es erschließen sich hier neue Einnahmepotenziale.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
Foto: Sebastian Fery / Haufe

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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch