Mittwoch, 02.01.2008 | Autor: Matthias Jünemann/jst

Wenn das Eigentum verschenkt wird

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Die "vorweggenommene Erbfolge" - Schenkung - von der Stange gibt es nicht. Beim Eigentumsübergang der Immobilie an Familienangehörige müssen Erblasser und Erben auf der Hut sein. Tipps rund um den Eigentumsübergang.

Kern der vorweggenommenen Erbfolge ist es, den Empfänger zum neuen Eigentümer der Immobilie zu machen, der Eigentumsübergang wird geregelt. Das Eigentum des Übergebers erlischt, sobald es übertragen wird. Möglich - und oft auch praktisch sinnvoll - ist es, nur Miteigentumsanteile zu übertragen.

Wer ein Haus im steuerlichen Wert von etwa 400.000 Euro und nur ein einziges Kind als potenziellen Erben hat, tut gut daran, ihm zunächst nur einen Miteigentumsanteil von 1/2 zu übertragen. Diese Hälfte entspricht in etwa dem Freibetrag von 205.000 Euro. Sofern bis zur Schenkung der zweiten Hälfte oder bis zum Erbfall mehr als zehn Jahre vergehen, entsteht der Freibetrag neu. Dann ist auch der restliche Vermögensübergang steuerfrei.

Unterschied zwischen Besitz und Eigentum

Vom Eigentum zu unterscheiden ist der Besitz. Er beschreibt nur die tatsächliche Sachherrschaft. Wer berechtigterweise einen Schlüssel zur Immobilie hat und sich darin aufhalten darf (z. B. ein Mieter), ist Besitzer. Er muss aber nicht zugleich der Eigentümer sein.

Um Unklarheiten zu vermeiden, ab welchem Zeitpunkt der Beschenkte die Immobilie wirklich benutzen darf und die damit zusammenhängenden Verpflichtungen zu tragen hat, wird dies im Vertrag ergänzend klargestellt. Häufig wird der sofortige Übergang von Besitz, Nutzen und Lasten gewählt. Man kann den Eigentumsübergang aber auch bis zu einem bestimmten Ereignis oder Zeitpunkt aufschieben.

Gewährleistung bei Schenkung

Sowohl aus dem Mietrecht als auch aus dem Kaufrecht ist bekannt, dass eine Sache mangelhaft sein kann. Das kann auch bei einer geschenkten Immobilie passieren. Anders als im Miet- oder Kaufrecht haftet der Schenker gesetzlich nur für Mängel, die er arglistig verschwiegen hat. Diese Gewährleistung kann erweitert, aber nicht völlig ausgeschlossen werden.

Miteigentümervereinbarung

Wird nur ein Anteil an einem Hausgrundstück übertragen, kann auch eine so genannte Miteigentümervereinbarung nach § 1010 BGB geschlossen werden. Wenn ein Grundstück etwa mit zwei Häusern bebaut ist, von denen eines durch die Eltern, das andere durch den Beschenkten bewohnt wird, kann man auf diese Weise die einzelnen Häuser den Beteiligten zur Nutzung zuweisen.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
Foto: Sebastian Fery / Haufe

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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch

 meineimmobilie.de-Tipp


Beim Eigentumsübergang ebenfalls eine Rolle spielen so genannte dingliche Rechte, die sich der Erblasser im Grundbuch der Immobilie eintragen lässt. Damit können Sie zum Beispiel die Immobiie verschenken, sich selbst und Ihrem Lebenspartner aber ein Wohnungsrecht auf Lebenszeit einräumen lassen.
Sogar die Pflegeverpflichtigung durch die Angehörigen - das so genannte Leibgeding - können Sie sich vom Beschenkten zusichern lassen. Bedenken Sie: Ihre Immobilie ist häufig Ihre Altersvorsorge. Es kann deshalb Sinn machen, dass Sie sich über dingliche Rechte Gedanken machen. Im Buch Immobilien erben und vererben, erschienen im Haufe-Verlag, erhalten Sie viele weitere Tipps zu dieser Thematik.