Donnerstag, 14.08.2008 | Autor: Günter Huber/mb

Verwandtenerbfolge: gesetzlich vorgeschriebene Rangordnung

Die Verwandtenerbfolge regelt, welchen Teil die Angehörigen des Verstorbenen jeweils erben. Erbstreitigkeiten unter den Familienmitgliedern haben keine Chance, denn die Verwandtenerbfolge ist gesetzlich vorgeschrieben.

Das Gesetz teilt die Verwandten in Erben verschiedener Ordnungen mit unterschiedlichen Rechten ein. Grundsätzlich sind die Erben erster Ordnung, das sind die Abkömmlinge (Kinder, Enkel und deren Nachkommen), zur gesetzlichen Erbfolge berufen. Nur wenn es keine Abkömmlinge gibt, können die Erben zweiter Ordnung (das sind die Eltern und deren Abkömmlinge) erben. Erst wenn weder ein Erbe erster noch zweiter Ordnung vorhanden ist, sind die Erben dritter Ordnung (das sind die Großeltern und deren Abkömmlinge) zur Erbschaft berufen; für nachfolgende Ordnungen gilt das Entsprechende.

Erben erster Ordnung

Gesetzliche Erben erster Ordnung sind die Abkömmlinge, das heißt die Kinder und Kindeskinder des Verstorbenen. Das Gesetz teilt sie in sogenannte Stämme ein, wobei jedes Kind mit seinen Kindern einen Stamm bildet.

Die Stämme erben zu gleichen Teilen. Innerhalb der Stämme schließt ein zur Zeit des Erbfalls lebender Abkömmling Kinder und Kindeskinder von der Erbfolge aus, die durch ihn mit einem Verstorbenen verwandt sind. Danach erben also in erster Linie die Kinder des Erblassers zu gleichen Teilen. Beispiel: Der verstorbene Erblasser hinterlässt einen Sohn und eine Tochter, die Kinder haben. Sohn und Tochter erben jeweils die Hälfte, die Enkelkinder des Erblassers sind nicht zur Erbschaft berufen.

Weitere Stämme

Anders sieht die Erbfolgeregelung aus, wenn ein bereits verstorbenes Kind Nachkommen hinterlässt. Dann treten sie an seine Stelle. Beispiel: Der Verstorbene hinterlässt einen Sohn und eine Tochter sowie ein Enkelkind von seinem bereits verstorbenen zweiten Sohn. Sohn, Tochter und Enkelkind erben jeweils ein Drittel.

Fällt ein Stammerbteil an mehrere Nachkommen, werden die Nachkommen wiederum in Stämme eingeteilt, die zu gleichen Teilen erben. Beispiel: Wenn der verstorbene Erblasser einen Sohn, eine Tochter und zwei Enkelkinder, Kinder des verstorbenen Sohnes, hinterlässt, erben Sohn und Tochter jeweils ein Drittel, die Enkelkinder jeweils ein Sechstel. Der Drittelanteil des verstorbenen Sohnes geht auf die Enkelkinder zu gleichen Teilen über.

Erben zweiter Ordnung

Gesetzliche Erben der zweiten Ordnung sind die Eltern und Geschwister des Verstorbenen und deren Abkömmlinge. Wenn die Eltern leben, erben sie allein zu gleichen Teilen und schließen die Geschwister des Erblassers von der Erbfolge aus.

Leben zur Zeit des Erbfalls der Vater oder die Mutter nicht mehr, treten an die Stelle des Verstorbenen dessen Abkömmlinge nach den für die Beerbung in der ersten Ordnung geltenden Vorschriften. Bespiel: Der kinderlose, unverheiratete oder verwitwete Erblasser hinterlässt seine Mutter und einen Bruder. Seine Mutter und sein Bruder werden jeweils zu einem Halb gesetzliche Erben.

Sind Abkömmlinge des Verstorbenen nicht vorhanden erbt der überlebende Elternteil allein. Beispiel: Der kinderlose, nicht verheiratete Erblasser, der keine Geschwister hat, stirbt nach seinem Vater. Seine Mutter ist Alleinerbin.

Erben dritter und fernerer Ordnung

Gesetzliche Erben dritter Ordnung sind die Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge (§ 1926 Abs. 1 BGB). Leben die Großeltern zur Zeit des Erbfalls, erben sie wiederum allein und zu gleichen Teilen. Die Urgroßeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge sind gesetzliche Erben der vierten Ordnung. Gesetzliche Erben der ferneren Ordnung sind die entfernteren Voreltern des Erblassers und deren Abkömmlinge.

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Dr. Günter Huber ist seit 1982 in Freiburg als Rechtsanwalt tätig. Seine Schwerpunkte liegen im Arbeits- und Erbrecht. Er ist Verfasser vieler Publikationen und Artikel.
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