Dienstag, 18.11.2008 | Autor: Günter Huber/mb

Testamente für geschiedene Eheleute

Ehepartner setzen sich häufig gegenseitig in ihren Testamenten als Erben ein. Zerbricht die Ehe, muss auch das Testament oder der Erbvertrag geändert werden. Dem geschiedenen Ehepartner steht dann kein Recht auf das Erbe mehr zu, es sei denn die beiden hatten gemeinsame Kinder.

Wurde der Testierende zwischenzeitlich von einem in einem früheren Testament bedachten Ehegatten geschieden, so gilt das Testament im Zweifel nach Auflösung der Ehe als unwirksam. Für den Fall, dass der Testierende vor der Scheidung stirbt, gilt die Einsetzung des Ehegatten gleichfalls als im Zweifel unwirksam, soweit der Erblasser die Scheidung beantragt oder ihr zugestimmt hatte und zum Zeitpunkt des Todes die gesetzlichen Voraussetzungen der Ehescheidung vorlagen.

Erbvertrag und gemeinschaftliches Testament

Wurde der Ehegatte in einem Erbvertrag durch eine vertragsmäßige Verfügung oder aber in einem gemeinschaftlichen Testament durch eine wechselbezügliche Verfügung bedacht, gilt Entsprechendes. Die Interessen des geschiedenen Ehegatten sind daher grundsätzlich geschützt. Dennoch empfiehlt sich die Anpassung der getroffenen Verfügung, um Zweifelsfragen in jedem Falle auszuschließen.

Wurde der Ehegatte im Rahmen eines Erbvertrags bedacht, für den Fall der Scheidung aber kein Rücktrittsvorbehalt vereinbart, kann die Erbeinsetzung unter Umständen angefochten werden. Ging aus der geschiedenen oder zerrütteten Ehe ein gemeinsames Kind hervor, kann der geschiedene Ehegatte aber dennoch in den Genuss der Erbschaft kommen.

Tod des gemeinsamen Kindes

Verstirbt das gemeinsame Kind noch vor dem geschiedenen Ehegatten, erlangt dieser als gesetzlicher Erbe des Kindes beziehungsweise als an dem Vermögen des Kindes Pflichtteilsberechtigter unter Umständen zu einem späteren Zeitpunkt das Erbe des verstorbenen geschiedenen Ehegatten. Möchte der Testierende sicherstellen, dass der Ehegatte unter keinen Umständen bedacht wird, bedarf es daher einer zusätzlichen erbrechtlichen Gestaltung.

Der Testierende kann das gemeinsame Kind zum befreiten Vorerben berufen. Die Nacherbschaft kann auf den Fall beschränkt werden, dass unerwünschte Personen zum Erben des Kindes berufen werden. Alternativ kann das Erbe mit einem erst zum Zeitpunkt des Todes des gemeinsamen Kindes anfallenden Vermächtnis belastet werden und das Erbe durch die Anordnung der Testamentsvollstreckung gesichert werden.

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Dr. Günter Huber ist seit 1982 in Freiburg als Rechtsanwalt tätig. Seine Schwerpunkte liegen im Arbeits- und Erbrecht. Er ist Verfasser vieler Publikationen und Artikel.
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