Montag, 23.11.2015 | Autor: Heidi Hecht, Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006

Nachlass: Bestimmen Sie zu Lebzeiten, wer Ihr Haus bekommen soll

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006
Worum geht´s
  • Per Testament rechtzeitig die Hinterbliebenen absichern 
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Unsere Gesellschaft wird immer älter. Umso mehr Zeit bleibt, Wichtiges zu regeln - oder es immer weiter nach hinten zu schieben. So weit, dass es vielleicht irgendwann einmal zu spät ist. 

Gerade wer eine Immobilie besitzt und nicht will, dass sie in falsche Hände gerät oder sogar verkauft wird, sollte sich noch zu Lebzeiten dem Thema Nachlass und Erbe widmen. 

Trotz oder gerade wegen des demografischen Wandels beschäftigen sich nur sehr wenige Menschen zu Lebzeiten mit dem Thema Tod. So ist es nicht verwunderlich, dass in Deutschland geschätzt nur etwa ein Drittel der Bundesbürger ein Testament besitzt.

Der Verband Wohneigentum NRW e.V. weist in einer aktuellen Pressemitteilung darauf hin, sich rechtzeitig um den Nachlass zu kümmern.

Legen Sie per Testament Ihre Erben fest

Oft ist es so, dass die gesetzliche Erbfolge nicht dem Willen des Immobilieneigentümers entspricht. So beispielsweise, wenn uneheliche Kinder weniger bekommen sollen als die ehelichen Kinder. Oder wenn die Ehefrau nicht mehr erhalten soll als die Kinder.

Wer sogar andere Personen als seine Angehörigen im Erbe bedenken will, muss unbedingt rechtzeitig aktiv werden und schriftlich in einem Testament festhalten, wer z. B. sein Haus später bekommen soll.

Testamenterstellung: Fragen Sie einen Rechtsanwalt

Da das Erbrecht kompliziert ist und auch nahe Angehörige nicht vollkommen vom Erbe ausgeschlossen werden können, empfiehlt es sich häufig, bei der Testamentserstellung einen Rechtsanwalt zu Rate zu ziehen. Idealerweise einen Fachanwalt für Erbrecht.

Um Missverständnisse zu vermeiden, sollte bei der Testamentserstellung möglichst ein Rechtsanwalt mit Rat und Tat zur Seite stehen, denn viele selbst verfasste Testamente weisen häufig Formfehler auf oder sind auslegungsbedürftig“, sagt Hans-Michael Schiller, 1. Vorsitzender des Verbands Wohneigentum NRW e.V.

Trotz Schenkung in den eigenen vier Wänden bleiben

Viele Eigentümer würden ihre Immobilie schon gern zu Lebzeiten verschenken, denn in einigen Fällen kann der Erbe dadurch Steuern sparen.

Allerdings befürchten sie, dass sie nach einer Schenkung zu Lebzeiten möglicherweise ihr Wohnungsrecht verlieren könnten. Dem lässt sich frühzeitig vorbeugen, indem in der Übertragungsurkunde beispielsweise ein Wohnrecht auf Lebenszeit eingetragen wird.

Es ist sogar möglich, eine an einen Erben bereits zu Lebzeiten übertragene Immobilie wieder zurück zu bekommen, so z. B. wenn der Übernehmer vor dem Erben stirbt.

Um zu verhindern, dass das Haus in „falsche Hände“ gerät, kann im Übergabevertrag ein sogenanntes Rückforderungsrecht festgelegt werden, das im Zweifelsfall zugunsten des Verschenkenden zum Tragen kommt.

Kommentare (2)

26.11.2015, 11:36 Uhr von irekah@gmail.com Profil ansehen
Korrektur: Nießbrauch
26.11.2015, 11:35 Uhr von irekah@gmail.com Profil ansehen
Die Schenkung sollte nicht mit einem Wohnrecht sondern unbedingt mit einem Nießbrach auf Lebenszeit verbunden sein. Nur so bleibt auch des Nutzungsrecht (Mieteinnahme Weitervermietung) bei Einweisung in ein Pflegeheim erhalten. Oder auch bei Wegzug wegen Unstimmigkeiten mit dem neuen Eigentümer. Fragen Sie dazu Ihren Notar. Fachmakler Knut Kahnt
Wer ein Testament errichten möchte, hat dazu verschiedene Möglichkeiten. Es gibt die handschriftliche Variante oder das notariell beurkundete Testament. Neben dem Testament einer Einzelperson können auch zwei Personen zusammen ihren letzten Willen bekunden. Egal, welche Form gewählt wird: es gelten immer bestimmte Voraussetzungen, damit das Testament als gültig anerkannt werden kann.
Bei einem Verstorbenen, der unverheiratet ist, sieht das Gesetz die Eltern, Geschwister oder Kinder als Erben vor. Hat der Verstorbene in einer nichtehelichen Partnerschaft gelebt, ist sein Partner nur dann erbberechtigt, wenn ein individuelles Testament oder ein Erbvertrag vorliegt. Ist das nicht der Fall, hat der Partner keinerlei Ansprüche auf das Erbe des Verstorbenen.
Wer in einem Testament regelt, wem sein Nachlass zusteht, hat viele Möglichkeiten, sein Vermögen aufzuteilen. Auch Änderungen oder Widerrufe sind erlaubt, zum Beispiel wenn ein Erbe frühzeitig stirbt oder eine Person wegen eines Familienstreits nun doch kein Geld bekommen soll.
Ein Verkehrsunfall oder ein Herzinfarkt: Schnell ist´s passiert! Zur Ohnmacht, Trauer und Fassungslosigkeit über den Tod eines geliebten Angehörigen gesellt sich häufig bald ein anderes, unangenehmes Gefühl mit dazu: Die finanzielle Sorge darüber, wie es weitergehen soll.   Das lässt sich jedoch bereits zu jedem Lebenszeitpunkt vermeiden: Mit dem richtigen Testament zugunsten Ihrer Lieben.
Schenkungen unter Eheleuten sind steuerfrei. Das gilt zumindest bei Immobilien, die das Familienheim bilden. Was aber gilt für Ferienhäuser? Können auch sie steuerfrei an die Ehefrau oder den Ehemann übertragen werden? Vor dem Finanzgericht Münster wurde ein solcher Fall verhandelt. Es ging um ein Ferienhaus auf einer deutschen Insel. Lesen Sie hier, was die Richter in puncto Steuerfreiheit entschieden haben.
Die gesetzliche Erbfolge bestimmt, wer außer dem Ehepartner noch erbberechtigt ist. Je nachdem, wieviele Verwandte einer bestimmten Ordnung noch leben, erhält der Ehegatte nur einen Teil des Erbes. Ausschlaggebend ist auch der noch zu Lebzeiten vereinbarte Güterstand des Ehepaares.

 meineimmobilie.de-Tipp

Fest steht, dass es immer besser ist, schon zu Lebzeiten Vorsorge zu treffen, was mit Ihrem Immobilienbesitz nach Ihrem Tod passieren soll.

Holen Sie sich dazu den seriösen und kompetenten Rat eines Anwalts oder Steuerberaters ein, denn es gibt viele Dinge, die hier falsch gemacht werden können!