Dienstag, 18.03.2008 | Autor: Günter Huber/mb

Geteilte Freude: Beim Erbe verdient das Finanzamt mit

Die Freude über eine Erbschaft währt meistens nur so lange bis das Finanzamt die Erbschaftssteuer festsetzt. Denn dann muss der Erbe einen Teil seines neuen Besitzes an den Fiskus abtreten. Je nach Art und Wert des Erbes gelten unterschiedliche Steuersätze.

Dem Finanzamt die Erbschaft melden

Jeder Erbe ist verpflichtet, dem zuständigen Finanzamt den steuerpflichtigen Erwerb innerhalb von drei Monaten ab Kenntnis der Schenkung oder des Erbfalls mitzuteilen.

Das Finanzamt muss lediglich dann nicht informiert werden, wenn es bereits vom Gericht, beispielsweise durch die Ausstellung eines Erbscheins oder durch die Eröffnung eines Testaments, oder vom Notar, der einen Schenkungsvertrag beglaubigt, unterrichtet wird.

Wichtige Angaben fürs Finanzamt zum Erbe

Die Anzeige gegenüber dem Finanzamt soll folgende Angaben enthalten:

  • Vorname und Familienname, Beruf und Wohnung des Verstorbenen
  • Todestag und Sterbeort des Verstorbenen
  • Gegenstand und Wert der Erbschaft
  • Rechtsgrund der Erbschaft wie gesetzliche Erbfolge oder Vermächtnis
  • persönliche Verhältnisse des Erben zum Verstorbenen wie Verwandtschaft, Schwägerschaft, Dienstverhältnis
  • frühere Schenkungen des Verstorbenen an den Erben

Auch wenn die Anzeige des Erben oder Beschenkten beim Finanzamt unterbleibt, erhalten die Finanzämter oft Kenntnis vom Erbfall. So müssen die Standesämter die Finanzämter über alle Sterbefälle unterrichten.

Auskunftspflicht gegenüber Finanzamt

Außerdem müssen Banken, Bausparkassen und Versicherungsunternehmen den Finanzämter Guthaben von mehr als 1.200 Euro auf Konten und Depots anzeigen, wenn sie vom Erbfall Kenntnis erlangen.

In aller Regel werden die Finanzämter deshalb umfassend über Bankguthaben und Guthaben bei Bausparkassen und Versicherungsunternehmen, von Vermögen im Ausland abgesehen, unterrichtet. Auch aus diesem Grunde ist es nicht ratsam, dem Finanzamt geerbtes Vermögen verschweigen zu wollen.

Erbschaftsteuer: Wert des Erbes ermitteln

Um abzuschätzen, wie viel Erbschaftssteuer nach dem gegenwärtig noch maßgeblichen Erbschaftsteuergesetz, das nach dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts spätestens bis zum 31.12.2008 geändert werden muss, voraussichtlich zu zahlen ist, muss zunächst der Wert der Erbschaft ermittelt werden. Hiervon sind die Steuerfreibeträge und steuerbefreiten Vermögenswerte abzuziehen.

Gebäude nach Ertragswert

Bei der Ermittlung des für die Erbschaft- und Schenkungsteuer anzusetzenden Werts der Erbschaft oder Schenkung werden Gebäude grundsätzlich nach ihrem Ertragswert ermittelt.

Der Ertragswert beträgt das 12,5-fache der im Durchschnitt der letzten drei Jahre erzielten Jahresmiete (Netto-Kaltmiete ohne Heizungskosten und andere Betriebskosten). Bei selbst genutzten oder an Angehörige vermieteten Gebäuden ist von der üblichen Miete für vergleichbare Grundstücke auszugehen.

Abzug wegen Wertminderung

Von dem so ermittelten Wert ist eine Wertminderung wegen des Alters des Gebäudes in Höhe von 0,5 Prozent für jedes Jahr, höchstens jedoch 25 Prozent, abzuziehen.

Das Ertragswertverfahren gilt für alle Grundstücke, für die eine Miete bezahlt wird oder die grundsätzlich vermietbar sind, also für Miethäuser, Einfamilienhäuser, Zweifamilienhäuser, Eigentumswohnungen, Gewerbeobjekte und gemischt genutzte Objekte, wobei für Ein- und Zweifamilienhäuser sowie für Eigentumswohnungen ein Bewertungszuschlag von 20 Prozent hinzuaddiert wird.

Da der Marktwert eines Hauses oder einer Wohnung in der Regel das 20- bis 25-fache der Jahresmiete beträgt, werden Häuser und Wohnungen bei der Ermittlung des Werts einer Erbschaft meist nur mit etwa 50 bis 70 Prozent des tatsächlichen Verkehrswerts angesetzt.

Renten, Nießbrauchsrechte: Kapitalwert

Renten und wiederkehrende Nutzungen, beispielsweise Nießbrauchsrechte, werden mit ihrem Kapitalwert berücksichtigt. Der Kapitalwert einer lebenslänglichen Nutzung oder Leistung errechnet sich aus ihrem Jahreswert und einem Multiplikator, der vom Lebensalter und wegen der unterschiedlichen Lebenserwartung, vom Geschlecht des Renten- oder Nutzungsberechtigten abhängt.

Nach der Ermittlung des anzusetzenden Werts der Erbschaft, zu dem auch die geschenkten Vermögenswerte innerhalb der letzten zehn Jahre vor dem Todesfall hinzuzurechnen sind, kann die Höhe der anfallenden Erbschaft- und Schenkungssteuer, die an das Finanzamt gezahlt werden muss, ermittelt werden.

Steuerklassen

  • Steuerklasse I: Ehegatte, Kinder und Stiefkinder, die Abkömmlinge von Kindern und Stiefkindern sowie - beim Erwerb von Todes wegen - die Eltern und Voreltern.
  • Steuerklasse II: Geschwister und deren Abkömmlinge ersten Grades, Stiefeltern, Schwiegerkinder und Schwiegereltern, der geschiedene Ehegatte sowie - bei Schenkungen - die Eltern und Voreltern.
  • Steuerklasse III: Alle übrigen Erwerber sowie Zweckzuwendungen

Versorgungsfreibetrag

Zusätzlich zu diesen allgemeinen Freibeträgen steht dem Ehegatten und den Kindern - allerdings nur im Erbfall und nicht bei Schenkungen - der Versorgungsfreibetrag zu, der für Ehegatten 256.000 Euro beträgt und für Kinder, je nach Alter, bis zu 52.000 Euro.

Der Versorgungsfreibetrag kann allerdings reduziert sein, wenn dem Erben Versorgungsbezüge zustehen. So wird der Versorgungsfreibetrag des Ehegatten, dem aus Anlass des Todes seines Ehepartners Versorgungsbezüge zustehen, für die keine Erbschaftsteuer zu zahlen ist - beispielsweise eine Rente -, um den Kapitalwert der Versorgungsbezüge gekürzt.

Versorgungsbezüge berechnen

Auch der Versorgungsfreibetrag eines Kindes wird um den Kapitalwert von Versorgungsbezügen gekürzt, wenn dem Kind aus Anlass des Todes des Erblassers nicht der Erbschaftsteuer unterliegende Vermögensbezüge zustehen.

Bei der Berechnung des Kapitalwerts der Versorgungsbezüge ist von der voraussichtlichen Dauer der Versorgungsbezüge auszugehen, die im Zeitpunkt des Erbanfalls zu erwarten ist.

Außerdem steht dem Ehegatten, wenn die Eheleute im Güterstand der Zugewinngemeinschaft lebten, der Ehegattenfreibetrag bei Zugewinngemeinschaft zu. Danach wird der Geldbetrag nicht der Erbschaftsteuer unterworfen, den der überlebende Ehegatte als Zugewinnausgleich von seinem Ehepartner hätte beanspruchen können.

Steuerbefreiungen beim Erbe

Hausrat einschließlich Wäsche und Bekleidungsstücke bleiben beim Erwerb durch Personen der Steuerklasse I bis zum Betrag von 41.000 Euro steuerfrei. Beim Finanzamt zu versteuern ist jeweils nur der übersteigende Wert.

Der Freibetrag für andere bewegliche Gegenstände beträgt für Personen der Steuerklasse I 10.300 Euro. Beim Erwerb von Hausrat und anderen beweglichen Gegenständen steht Personen der Steuerklasse II und III ein Freibetrag von 10.300 Euro zu.

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Es schreibt für Sie

Dr. Günter Huber ist seit 1982 in Freiburg als Rechtsanwalt tätig. Seine Schwerpunkte liegen im Arbeits- und Erbrecht. Er ist Verfasser vieler Publikationen und Artikel.
Günter Huber

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Gegen den Erbschaftssteuerbescheid des Finanzamts können Sie Einspruch erheben, wenn Sie nicht damit einverstanden sind. Dafür sollten Sie rechtzeitig einen Experten zu Rate ziehen, denn Sie müssen sich an die vorgegebenen Fristen halten, um eine Beschwerde gegen die Steuerfestsetzung der Behörde einlegen zu können.