Freitag, 22.08.2008 | Autor: Günter Huber/mb

Eigenhändig oder mit Notar: Die Errichtung eines Testaments

Wer ein Testament errichten möchte, hat dazu verschiedene Möglichkeiten. Es gibt die handschriftliche Variante oder das notariell beurkundete Testament. Neben dem Testament einer Einzelperson können auch zwei Personen zusammen ihren letzten Willen bekunden. Egal, welche Form gewählt wird: es gelten immer bestimmte Voraussetzungen, damit das Testament als gültig anerkannt werden kann.

Ein Testament kann errichten, wer testierfähig ist. Die Testierfähigkeit beginnt mit Vollendung des 16. Lebensjahres. Vor Vollendung des 16. Lebensjahres ist ein Minderjähriger testierunfähig und kann ein Testament auch nicht von seinen Eltern als gesetzliche Vertreter abfassen lassen, da ein Testament nur persönlich errichtet werden kann.

Mindestalter für ein Testament

Wer das 16., aber noch nicht das 18. Lebensjahr vollendet hat, kann ein Testament nur als sogenanntes öffentliches Testament vor einem Notar errichten. Ab Vollendung des 18. Lebensjahres ist die Testierfähigkeit grundsätzlich nicht mehr beschränkt. Der Volljährige braucht kein öffentliches Testament zu errichten. Er kann auch ein eigenhändiges Testament aufsetzen.

Unabhängig vom Alter sind Personen testierunfähig, die wegen krankhafter Störung der Geistestätigkeit, Geistesschwäche oder Bewusstseinsstörungen nicht in der Lage sind, die Bedeutung der von ihnen abgegebenen Willenserklärungen einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln.

Testierfähigkeit

Gelegentlich werden Testamente angefochten mit der Behauptung, der Testierende sei bei der Errichtung nicht mehr testierfähig gewesen. Diese Testierunfähigkeit muss grundsätzlich derjenige beweisen, der sich darauf beruft. Dies stellt in der Regel einen wirksamen Schutz gegen die unberechtigte Behauptung der mangelnden Testierfähigkeit dar.

In Einzelfällen kann es sinnvoll sein, vor Abfassung eines Testaments die Testierfähigkeit durch den Hausarzt bestätigen zu lassen, um einer etwaigen späteren Behauptung der mangelnden Testierfähigkeit eines vermeintlich zu kurz gekommenen Erben entgegenzuwirken.

Testamentsformen und ihre Formerfordernisse

Zur Errichtung eines Testaments stehen dem Testierenden verschiedene Testamentsformen mit jeweils unterschiedlichen formellen Anforderungen zur Verfügung:

  • das öffentliche Testament,
  • das eigenhändige Testament und
  • das gemeinschaftliche Testament (nur für Eheleute und die eingetragene Lebenspartnerschaft).

Das öffentliche Testament

Das öffentliche Testament wird durch notarielle Beurkundung errichtet. Vor der Beurkundung stellt der Notar die Identität des Testierenden fest und prüft in einem Gespräch seine Testierfähigkeit. Der Testierende hat die Wahl, ob er dem Notar seinen letzten Willen mündlich erklären oder ihm ein Schriftstück, das offen oder verschlossen sein kann, mit der Erklärung übergibt, dass das Schriftstück seinen letzten Willen widergibt.

Bei mündlicher Erläuterung des letzten Willens berät der Notar den Testierenden über die rechtliche Bedeutung seiner Erklärungen und weist auf etwaige Bedenken gegen die Gültigkeit des beabsichtigten Testaments hin. Anschließend wird vom Notar der letzter Wille formuliert und niedergeschrieben. Die Niederschrift wird vorgelesen und anschließend beurkundet.

Das eigenhändige Testament

Die gebräuchlichste und einfachste Testamentsform ist das privatschriftliche oder eigenhändige Testament. Dieses muss vom Testierenden vollständig eigenhändig und handschriftlich geschrieben und unterschrieben werden. Ein vom Testierenden mit der Schreibmaschine getipptes und unterschriebenes Testament ist unwirksam.

Die Unterschrift soll den Vor- und den Familiennamen enthalten. Sie müssen außerdem auf dem Testament vermerken, zu welcher Zeit (Tag, Monat und Jahr) und an welchem Ort das Testament geschrieben wurde.

Das gemeinschaftliche Testament

Neben dem nur von einer Person errichteten einseitigen Testament (Einzeltestament) gibt es für Eheleute die Möglichkeit, ein gemeinschaftliches Testament abzufassen. Dieses Testament kann in öffentlicher Form durch Beurkundung beim Notar oder privatschriftlich durch eigenhändige Niederschrift errichtet werden. Das gemeinschaftliche Testament können nur Eheleute und eingetragene Lebenspartner errichten. Verlobte, Verwandte und Partner nichtehelicher Lebensgemeinschaften können kein gemeinschaftliches Testament abfassen.

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Es schreibt für Sie

Dr. Günter Huber ist seit 1982 in Freiburg als Rechtsanwalt tätig. Seine Schwerpunkte liegen im Arbeits- und Erbrecht. Er ist Verfasser vieler Publikationen und Artikel.
Günter Huber

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Wenn Sie ein eigenhändiges gemeinschaftliches Testament verfassen wollen, müssen Sie oder Ihr Partner das Testament eigenhändig und handschriftlich schreiben, unterschreiben sowie Datum und Ort der Errichtung angeben. Der andere Partner muss die Erklärung dann ebenfalls unterschreiben und mit Datum und Ort der Unterschrift versehen.