Mittwoch, 30.07.2008 | Autor: heihec, Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006

Die Diskussion zur Erbschaftssteuerreform

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006
Worum geht´s

2009 kommt die Erbschaftssteuerreform. Für Immobilienbesitzer ändert sich viel, zum Beispiel die Höhe der Steuer und dei Freibeträge.

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Topstory: Nachdem das Bundesverfassungsgericht das geltende Erbschaftssteuergesetz am 07. November 2006 für verfassungswidrig erklärte, diskutiert die Bundesregierung über den neuen Gesetzesentwurf. Doch bis jetzt konnte die Koalition sich nicht einigen.

Da bisher das Barvermögen und Aktien höher besteuert wurden als eine Immobilie, sind Verfassungsrichter der Meinung, dass das geltende Erbschaftssteuergesetz gegen den Gleichheitssatz im Sinne des Grundgesetzes (Artikel 3. Absatz 1) verstößt. Somit erklärte der Bundesgerichtshof am 07. November 2006 das Gesetz für verfassungswidrig und forderte eine Änderung.

Im Dezember 2007 wurde daraufhin vom Bundeskabinett ein neuer Gesetzesentwurf, der das Erbschaftssteuergesetz regeln soll, genehmigt. Seitdem diskutiert die Bundesregierung darüber. Doch auch in der letzten Sitzung des Koalitionsausschusses am 11. Juni 2008 konnte sie sich nicht einigen. Eine Entscheidung wird erst im Herbst erwartet.

Änderungen im Entwurf des Erbschaftssteuergesetzes

Die Inhalte der Gesetzesänderungen zur Erbschaftssteuer umfassen die Bewertung und Besteuerung verschiedener Vermögensarten, die Steuersätze in den Steuerklassen und die persönlichen Freibeträge sowie den steuerbegünstigten Unternehmensübergang. Für Immobilienbesitzer sind die Änderungen im Bereich Grundstückswertermittlung, Freibeträge und Steuerklasse relevant.

Die Änderung der Freibeträge

Die Freibeträge werden nach dem neuen Gesetzesentwurf für nahe Familienangehörige gegenüber den alten Regelungen deutlich erhöht. Ehepartner können statt 307.000 Euro dann 500.000 Euro steuerfrei erben. Auch für eingetragene Ehepartner gilt der Freibetrag von 500.000 Euro. Kinder haben künftig einen Freibetrag von 400.000 Euro statt 205.000 Euro. Für Enkelkinder liegt der Freibetrag bei 200.000 Euro statt wie bisher bei 51.200 Euro. Für Geschwister, Neffen, Nichten, Stiefeltern, Schwiegereltern und alle übrigen Erben gilt ein Freibetrag von 20.000 Euro.

Die Änderung der Steuersätze

Übersteigen die Erben ihren Freibetrag, müssen sie Steuern an das Finanzamt zahlen. Wie viel an Steuern gezahlt werden muss, hängt vom Verwandtschaftsgrad und der Art und Höhe des vermachten Vermögens ab. Beträgt der Wert der Immobilie 75.000 Euro, müssen Ehegatten, Kinder, Eltern und Großeltern, die zur Steuerklasse I gehören, sieben Prozent Steuern an das Finanzamt zahlen. Bei einem Erbe bis zu 300.000 Euro sind elf Prozent zu versteuern, bei bis zu 600.000 Euro 15 Prozent. Je wertvoller die Immobilie wird desto höher der Steuersatz. Er kann bis zu 30 Prozent steigen.

Die Verlierer der Reform sind die Steuerklasse II und III. Diese müssen im Vergleich zur alten Regelung deutlich höhere Steuern an das Finanzamt abgeben. Zur Steuerklasse II gehören Geschwister, deren Kinder, Stiefkinder sowie Schwiegereltern. Zur Steuerklasse III alle übrigen Erben. Ihr Steuersatz liegt bei einem Erbe von 75.000 Euro bis 6.000.000 Euro bei 30 Prozent. Alles darüber wird mit 50 Prozent versteuert.

Änderung der Grundstückswertermittlung

Bei der Bewertung von Grundvermögen ist nach bebauten und unbebauten Grundstücken zu unterscheiden. Der Wert bei unbebauten Grundstücken wird anhand der Flächen und des Bodenrichtwerts der Gutachterausschüsse ermittelt. Für bebaute Grundstücke sind drei verschiedene Methoden vorgesehen: Das Vergleichswertverfahren, das Ertragsverfahren und das Sachwertverfahren.

Das Vergleichswertverfahren wird bei Wohnungseigentum, Teileigentum und bei Ein- oder Zweifamilienhäuser verwendet. Es orientiert sich an Vergleichswerten am Grundstücksmarkt für gleichartige Grundstücke. Liegt kein Vergleichswert vor, wird das Grundstück mit dem Sachwertverfahren anhand von Herstellungskosten bewertet. Das Ertragswertverfahren wird bei Mietwohngrundstücken, Geschäftsgrundstücken, und gemischt genutzten Grundstücken angewendet. Dabei steht der nachhaltig erzielbare Ertrag für die Wertschätzung im Vordergrund.

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 meineimmobilie.de-Tipp


Bis die Bundesregierung sich über das Erbschaftssteuergesetz einig ist, gilt: Erben, die 2007 geerbt haben oder bis Inkrafttreten des Gesetzes noch erben, können wählen, ob sie nach dem bisherigen oder den neuen Vorgaben besteuert werden wollen, je nachdem, welches günstiger für sie ist.