Mittwoch, 28.05.2008 | Autor: Günter Huber/mb

Das will der Fiskus von der Erbschaft

Wer eine Erbschaft antritt, muss einen bestimmten Anteil davon an das Finanzamt zahlen. Wie hoch der Betrag für den Fiskus im einzelnen Fall genau ist, kann durch Berechnungen ermittelt werden. Dabei spielen Faktoren wie Wert des Erbes, Freibeträge und Steuerklassen eine Rolle.

Alle Vermögenswerte, die durch eine Schenkung oder beim Tod einer Person durch eine Erbschaft übertragen werden, unterliegen der Erbschaft- und Schenkungssteuer.

Die Höhe der anfallenden Erbschaft- und Schenkungsteuer hängt von

  • dem Wert des Vermögens, das übertragen wird,
  • der Steuerklasse, in die der Erbe einzustufen ist, sowie
  • dem persönlichen Steuerfreibetrag des Erben und den maßgeblichen Steuerfreibeträgen ab.

Der Wert von Gebäuden

Bei der Ermittlung des für die Erbschaft- und Schenkungsteuer anzusetzenden Werts der Erbschaft oder Schenkung werden Gebäude grundsätzlich nach ihrem Ertragswert ermittelt.

Der Ertragswert beträgt nach der derzeitigen Rechtslage das 12,5fache der im Durchschnitt der letzten drei Jahre erzielten Jahresmiete (Netto-Kaltmiete ohne Heizungskosten und andere Betriebskosten.

Selbst genutzte Gebäude

Bei selbst genutzten oder an Angehörige vermieteten Gebäuden ist von der üblichen Miete für vergleichbare Grundstücke auszugehen. Von dem so ermittelten Wert ist eine Wertminderung wegen des Alters des Gebäudes in Höhe von 0,5 Prozent für jedes Jahr, höchstens jedoch 25 Prozent, abzuziehen.

Das Ertragswertverfahren gilt für alle Grundstücke, für die eine Miete bezahlt wird oder die grundsätzlich vermietbar sind, also für

  • Mietshäuser
  • Einfamilienhäuser
  • Zweifamilienhäuser
  • Eigentumswohnungen
  • Gewerbeobjekte und
  • gemischt genutzte Objekte
  • wobei für Ein- und Zweifamilienhäuser sowie für Eigentumswohnungen ein Bewertungszuschlag von 20 Prozent addiert wird.

    Da der Marktwert eines Hauses oder einer Wohnung in der Regel das 20 bis 25fache der Jahresmiete beträgt, werden Häuser und Wohnungen nach der derzeitigen Rechtslage vom Fiskus bei der Ermittlung der Erbschaftsteuer meist nur mit ca. 50 bis 70 Prozent des tatsächlichen Verkehrswerts angesetzt.

    Der Wert von unbebauten Grundstücken

    Unbebaute Grundstücke werden mit den um 20 Prozent ermäßigten Bodenrichtwerten der Gutachterausschüsse bewertet. Wenn vom Erben ein niedrigerer tatsächlicher Wert nachgewiesen wird, ist dieser maßgebend.

    Fabrik- und andere Gebäude, für die eine übliche Miete nicht zu ermitteln ist, sind mit dem Wert, mit dem sie in der Steuerbilanz ausgewiesen sind, anzusetzen. In diesem Fall wird der Bodenwert vom Fiskus gesondert in Höhe von 70 Prozent des Bodenrichtwerts festgelegt.

    Renten und Nießbrauchsrechte

    Renten und wiederkehrende Nutzungen, beispielsweise Nießbrauchsrechte, werden mit ihrem Kapitalwert berücksichtigt. Der Kapitalwert einer lebenslänglichen Nutzung oder Leistung errechnet sich aus ihrem Jahreswert und einem Multiplikator, der vom Lebensalter und wegen der unterschiedlichen Lebenserwartung, vom Geschlecht des Renten- oder Nutzungsberechtigten abhängt.

    Nach der Ermittlung des anzusetzenden Werts der Erbschaft, zu dem auch die geschenkten Vermögenswerte innerhalb der letzten zehn Jahre vor dem Todesfall hinzuzurechnen sind (§ 14 des Erbschaft- und Schenkungsteuergesetzes), kann die Höhe der anfallenden Erbschaft- und Schenkungsteuer ermittelt werden.

    Die Steuerklassen

    • I: Ehegatte, Kinder und Stiefkinder, die Abkömmlinge von Kindern und Stiefkindern sowie - beim Erwerb von Todes wegen - die Eltern und Voreltern.
    • II: Geschwister und deren Abkömmlinge ersten Grades, Stiefeltern, Schwiegerkinder und Schwiegereltern, der geschiedene Ehegatte sowie - bei Schenkungen - die Eltern und Voreltern.
    • III: Alle übrigen Erwerber sowie Zweckzuwendungen

    Nach § 16 Abs. 1 des Erbschaftsteuergesetzes stehen den jeweiligen Erben Freibeträge zu, für die keine Erbschafts- und Schenkungsteuer zu zahlen ist.

    Freibeträge

    Zusätzlich zu diesen allgemeinen Freibeträgen stehen dem Ehegatten und den Kindern nach § 17 des Erbschaftsteuergesetzes - allerdings nur im Erbfall und nicht bei Schenkungen - der Versorgungsfreibetrag zu, der für Ehegatten 256.000 Euro beträgt und für Kinder je nach Alter bis zu 52.000 Euro.

    Der Versorgungsfreibetrag kann allerdings reduziert sein, wenn dem Erben Versorgungsbezüge zustehen. So wird der Versorgungsfreibetrag des Ehegatten, dem aus Anlass des Todes seines Ehepartners Versorgungsbezüge zustehen, für die keine Erbschaftsteuer zu zahlen ist - beispielsweise eine Rente - um den Kapitalwert der Versorgungsbezüge gekürzt.

    Kinder und Ehegatten

    Auch der Versorgungsfreibetrag eines Kindes wird um den Kapitalwert von Versorgungsbezügen gekürzt, wenn dem Kind aus Anlass des Todes des Erblassers nicht der Erbschaftsteuer unterliegende Vermögensbezüge zustehen.

    Bei der Berechnung des Kapitalwerts der Versorgungsbezüge ist von der voraussichtlichen Dauer der Versorgungsbezüge auszugehen, die im Zeitpunkt des Erbfalls zu erwarten ist.

    Außerdem steht dem Ehegatten, wenn die Eheleute im Güterstand der Zugewinngemeinschaft lebten, der Ehegattenfreibetrag zu. Danach wird derjenige Geldbetrag nicht der Erbschaftsteuer unterworfen, den der überlebende Ehegatte als Zugewinnausgleich von seinem Ehepartner hätte beanspruchen können.

    Steuerbefreiungen

    Einige Erbgegenstände beziehungsweise Vermögen sind bis zu einem gewissen Betrag von der Erbschaftsteuer befreit, und zwar wie folgt:

    • Hausrat einschließlich Wäsche und Bekleidungsstücke bleiben beim Erwerb durch Personen der Steuerklasse I bis zum Betrag von 41.000 Euro steuerfrei. Zu versteuern ist jeweils nur der übersteigende Wert. Der Freibetrag für andere bewegliche Gegenstände beträgt für Personen der Steuerklasse I 10.300 Euro. Beim Erwerb von Hausrat und anderer beweglicher Gegenstände steht Personen der Steuerklasse II und III ein Freibetrag von 10.300 Euro zu.
    • Betriebsvermögen, Anteile an einer Kapitalgesellschaft, an der der Erblasser oder Schenker zu mindestens einem Viertel beteiligt war, sowie Betriebe der Land- und Forstwirtschaft unterliegen nach § 13a des Erbschaftsteuergesetzes - von den im Gesetz geregelten Ausnahmen abgesehen - mit dem 1.1.2004 bis zu einem Wert von 225.000 Euro nicht der Erbschaft- und Schenkungsteuer. Der darüber hinausgehende Wert wird nur mit 65 Prozent angesetzt. Außerdem ist die Besteuerung für Erwerber der Tarifgruppe II oder III dem günstigen Tarif I (seit dem 1.1.2004 jedoch nur noch zu 88 Prozent) angeglichen.

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    Dr. Günter Huber ist seit 1982 in Freiburg als Rechtsanwalt tätig. Seine Schwerpunkte liegen im Arbeits- und Erbrecht. Er ist Verfasser vieler Publikationen und Artikel.
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