Mittwoch, 16.05.2012 | Autor: Jörg Stroisch , Foto: Sebastian Fery / Haufe

Ex-Mieter auf der Straße suchen?

Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Der Mieter hat einfach die Wohnung verlassen, jetzt drohen noch hohe Kosten wegen der Einlagerung. Wer mutig ist, spart davon vielleicht einen Teil, beschreibt Jörg Stroisch.

Jetzt ist es wirklich hart auf hart gekommen. Etwa ein Jahr ist es her, dass der persönliche Lebensweg des Mieters nur noch einen Weg kannte: nach unten. Alkoholismus, und nach einigen Monaten blieb von dem Hartz-4-Empfänger auch die Miete aus, weil er es noch nicht einmal mehr geschafft hatte, zum Amt zu gehen. Die fristlose Kündigung nach drei Monaten Mietausfall, Räumungsklage und dann die tatsächliche Räumung. Ein teurer Spaß schon jetzt, summieren sich doch Ausfälle und Kosten für dieses „Forderungsmanagement“ schon auf mehrere tausend Euro, die der Vermieter wohl nie wiedersehen wird.

Als der Vermieter in Anwesenheit des Gerichtsvollziehers die Wohnung geöffnet hat, ist der Anblick unbeschreiblich. Ich erspare Ihnen die traurigen Details. Der Mieter selbst taucht nicht mehr auf, sondern schläft – Tatsache – auf einer Bank auf einem nahen Bahnhof. Der Vermieter hat ihn schon häufiger eine bestimmte Straße entlanglaufen sehen.

Das Einlagern und die spätere Versteigerung des Restmobiliars würde niemals die dadurch entstehenden Kosten wieder einbringen, im Gegenteil: Weitere Tausende von Euros wären zusätzlich verloren.

Der Vermieter entschließt sich, seinen Ex-Mieter auf der Straße zu suchen und ihn darum zu bitten, per Unterschrift seinen Verzicht auf das Mobiliar zu erklären. Er findet ihn und bekommt die Unterschrift.

Würden Sie das als Vermieter ebenfalls so machen oder wäre Ihnen ein solches Vorgehen zu riskant?

Ich bin ehrlich gesagt hin- und hergerissen: Bei einem Mieter, den man schon lange kennt und das Risiko halbwegs einschätzen kann, ist das vielleicht der richtige Weg, um weitere Kosten zu sparen? Auf der anderen Seite hätte ich doch Angst, dass da etwas schiefgeht.

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