Mittwoch, 20.02.2013 | Autor: Jörg Stroisch , Foto: Sebastian Fery / Haufe

Die Strompreisbremse und das Laster mit der Energie

Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Die Energiepolitik wird zur Bundestagswahl zum Politikum. Vermieter und Hausbesitzer können das leidige Thema vermutlich schon längst nicht mehr hören, kommentiert Jörg Stroisch, Chefredakteur meineimmobilie.de.

Wenn die Politiker aller Parteien aufeinander losgehen, ähnelt das Hahnenkämpfen. Besonders stark tritt das vor der Wahl zum Vorschein. Und nun haben die Parteien auch noch das Thema Energiewende und Strompreis für ihr Wahlprogramm erkannt. Als Hausbesitzer oder Vermieter kann man dazu nur sagen: leider!

Denn leider ist es so, dass zwar viel gepoltert wird, aber dabei raus kommt nichts.

  • Politiker der unterschiedlichen Parteien appellieren immer wieder an die Notwendigkeit des Energiesparens. Indes: Appelle sind einfach, weil sie keinerlei konkrete Auswirkungen haben. Es ist schließlich sehr unwahrscheinlich, dass man das Anlassen des Fernsehers im Stand-by-Modus oder das Heizen auf eine Wohnungstemperatur über 21 Grad Celsius zukünftig per Gesetz bestrafen und per Ordnungsamt ahnden lassen wird. Mindestens genauso unwahrscheinlich ist es aber auch, dass der Mensch durch Appelle sein Nutzungsverhalten ändert - das können viele Vermieter immer wieder belegen, wenn sie feststellen, dass die Lüftungspflichten für die eigene Wohnung natürlich nicht eingehalten werden.
  • Natürlich wäre es gut, wenn die Strom- und Energiepreise zumindest stabil bleiben würden. Wenn dadurch allerdings weiterhin der Anschein entsteht, dass vor allem der kleine Mann - also die Mieter und Hausbesitzer - leiden werden, führt das zu weiterem Unfrieden im Hausflur. Vermieter müssen sich ohnehin schon jedes Jahr dafür rechtfertigen, warum denn die Heizkosten gestiegen sind - obwohl sie selbst dafür gar nichts können. Ich persönlich glaube ohnehin überhaupt nicht daran, dass eine Strompreisbremse - selbst wenn sie eingeführt wird - einen Effekt hat, der länger als ein Jahr anhält.
  • Investitionssicherheit gibt es auch überhaupt nicht mehr. Es ist schon klasse, wenn gerade die Besitzer kleiner Solarzellen auf dem Dach - so die Planungen - eben nicht mehr vollständig die zugesagten Entgelte enthalten. Mal ganz davon abgesehen, ob die zuvor massiv propagierte Stromerzeugung durch die Solarzelle überhaupt für einen Ein- oder Mehrfamilienhausbesitzer auch nur annähernd irgendeine Sinnhaftigkeit erfüllt hätte (besser wäre es, mit Sonnenkollektoren für warmes Wasser im Haus zu sorgen).
  • Die energetische Sanierung wird nur unzureichend gefördert. Und sorgt für weiteren Unfrieden im Viertel, zumindest da, wo dann die Mieten stark ansteigen. Auf der anderen Seite ist es aber Tatsache vielerorten, dass die Vermieter mitnichten die elf Prozent auf die Miete aufschlagen können, denn dann sind die Mieter futsch. Sprich: Sie bleiben weitestgehend auf den Kosten sitzen. Kein Wunder also, dass die Sanierungsquote in Deutschland bisher so gering ist. Ich finde, man kann schon von Politikern erwarten, dass sie solche Pole erkennen und hier zu pragmatischen Richtlinien kommen, die sowohl Mieter als auch Vermieter zufriedenstellen und dabei der Energiewende auch tatsächlich gerecht werden. Indes: Eine Mietpreisdämpfung ist da definitiv der falsche Anreiz, kuriert sie doch allenfalls an Symptomen und nimmt auch noch den letzten Investitionsanreiz für Vermieter.

Solange Wahlkampf ist, dürfen wir also nun erst recht lähmend-lange nichts weiter in Sachen Energie und Strom von unseren Politikern erwarten, außer viel heißer Luft. Das ist sehr bedauerlich und auch ärgerlich.

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