Mittwoch, 31.12.2008 | Autor: Helmut Aschenbrenner/Ulrike Gantert/mb

Vergütung von Handwerkern beim Hausbau

Bei den Angeboten und Preisen der Handwerksfirmen kann der Bauherr schnell den Überblick verlieren. Deshalb sollte er erst den Idealpreis ermitteln und dann den Auftrag vergeben.

Wenn der Bauherr nach der Ausschreibung die Angebote der einzelnen Bieter gesichtet und einen oder mehrere in die engere Wahl gezogen hat, kann er versuchen, diese noch nachbessern zu lassen. Der angebotene Preis muss also nicht das letzte Wort sein. Ein vom Bauherren beauftragter Architekt wird üblicherweise im Rahmen eines Vergabegesprächs herauszufiltern versuchen, ob noch Verhandlungsspielraum besteht. Bei Gewerken kleineren Umfangs mag es im Einzelfall genügen, telefonisch Kontakt mit den verschiedenen Bietern aufzunehmen.

Den idealen Preis ermitteln

Als Hilfsmittel kann der Bauherr sich hierzu eine Tabelle zurechtlegen, in der er den idealen Preis zusammenstellt. Dieser ergibt sich, wenn er aus den Angeboten die jeweils preisgünstigste Position nimmt und daraus den hypothetischen Gesamtpreis ermittelt. Um ein realistisches Ergebnis zu erhalten, sollte überlegt werden, den Teuersten und den Billigsten auszuschließen.

Wenn nun Bieter bereit sind, ihr Angebot hinsichtlich einzelner Positionen nachzubessern, wird der Bauherr vielleicht nahe an den selbst errechneten Idealpreis herankommen. Aber: Es sollte darauf geachtet werden, dass der in die engere Wahl gezogene Bieter nicht nur der Billigste, sondern auch fachlich geeignet und zuverlässig ist.

Bauverträge abschließen

Bauverträge müssen nicht zwingend schriftlich abgeschlossen werden. Dennoch empfiehlt es sich schon aus Beweiszwecken, getroffene vertragliche Abreden schriftlich festzuhalten. Vertraglich geregelt werden muss die vom Auftragnehmer zu erbringende Leistung.

Dass auch eine vorherige Festlegung der geschuldeten Vergütung erfolgt, ist gesetzlich nicht vorgeschrieben (es gilt dann die übliche Vergütung als vereinbart). Schon um eine ausreichende Kalkulationsgrundlage zu haben, wird der Bauherr aber sicher Wert darauf legen, dass verbindlich festgelegt wird, wie die Leistungen Ihres Auftragnehmers vergütet werden sollen.

Vergütungsarten in Bauverträgen

Die bei Bauverträgen üblichen Vergütungsarten sind der Einheitspreis, der Pauschalpreis und, ausnahmsweise, die Vergütung nach Stundenverrechnungssätzen (Regie).

Das Wesen des Einheitspreisvertrages besteht darin, dass die letztlich zu zahlende Vergütung nicht abschließend festgelegt ist. Bestimmt wird im Voraus lediglich ein bestimmter Preis für eine bestimmte Verrechnungseinheit, also zum Beispiel pro Quadratmeter verbautes Ziegelmauerwerk einer definierten Stärke. Der endgültige Gesamtpreis der Position ergibt sich damit erst dann, wenn durch Aufmaß feststeht, wie viele Mengeneinheiten tatsächlich verbaut wurden.

Anders der Pauschalpreis. Gleich, wie viel an Menge verbaut wird, der vereinbarte Preis bleibt, von Ausnahmen abgesehen, derselbe. Dennoch: Pauschalpreisvertrag ist nicht gleich Pauschalpreisvertrag. Differenziert werden muss vielmehr zwischen dem Detailpauschalpreisvertrag und dem Globalpauschalpreisvertrag.

Vergleich von Vergütungen

Bei Ersterem werden - um es vereinfacht auszudrücken - nur die Vordersätze pauschaliert. In Kauf genommen wird damit lediglich das Mengenrisiko. Gleich, wie viel an Menge verbaut wird, der Preis soll sich deswegen nicht ändern. Detailpauschalpreisverträge sind meist das Ergebnis von Verhandlungen nach vorausgegangener Ausschreibung auf Einheitspreisbasis, bei der die einzelnen zu erbringenden Positionen beschrieben sind. Umgekehrt heißt dies aber auch, dass vom Grundsatz her all das einer zusätzlichen Vergütung zugänglich ist, was in der Ausschreibung beziehungsweise im Angebot nicht erwähnt wurde.

Anders, wenn für eine nur global beschriebene Leistung ein fixer Preis vereinbart wird. Hier werden nicht nur die Massen oder Mengen, sondern es wird die gesamte geschuldete Vertragsleistung pauschaliert. Bei dieser Vergütungsart soll der Unternehmer für den vereinbarten Preis all das schulden, was üblicherweise erbracht werden muss, um die nur nach ihrer Funktion beschriebene Leistung, also beispielsweise die "Aufbringung der Dacheindeckung", mangelfrei fertig zu stellen.

Vereinbarung über die Vergütung

Welche der vorher genannten Vergütungsarten im konkreten Fall für den Bauherr optimal ist, kann nicht generell beantwortet werden. Die für beide Seiten sicher "ehrlichste" Abrechnungsart ist der Einheitspreis. Je sorgfältiger das Leistungsverzeichnis erstellt und je realistischer die voraussichtlichen Mengen geschätzt wurden, desto weniger besteht die Gefahr, dass der endgültig abgerechnete Preis signifikant vom ursprünglich kalkulierten Gesamtpreis abweicht.

Die Abrechnung auf Regiebasis, also nach Stundenverrechnungseinheiten, ist erfahrungsgemäß meist die teuerste Vergabeart. Auf sie sollte deshalb nur dann zurückgegriffen werden, wenn es sich um untergeordnete Arbeiten oder um Tätigkeiten handelt, bei denen eine Abrechnung auf Einheitspreisbasis nicht möglich ist. Genannt seien hier beispielsweise die nachträgliche Anbringung von Kernbohrungen oder kleinere Ausbesserungsarbeiten.

Weitere Informationen zum Thema Handwerkerverträge finden Sie in dem Buch "Die häufigsten Baufehler", erschienen im Haufe-Verlag.

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Ulrike Gantert ist Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht sowie Schlichterin/Schiedsrichterin für Baustreitigkeiten. Sie ist in einer Münchener Baurechtskanzlei tätig und Mitglied der ARGE Bau- und ...
Ulrike Gantert