Montag, 11.08.2014 | Autor: Jörg Stroisch, Foto: © Less Cunliffe - Fotolia.com

Bauhelfer: Wenn die Familie und Freunde mit anpacken

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Worum geht´s
  • Bauhelfer sollten speziell versichert werden

Topstory: Bauen und renovieren ist teuer. Da ist jede helfende Hand willkommen! Packt die Familie kräftig mit an, ist das nur so lange ein Grund zur Freude, bis ein Sturz von der Leiter die Mithilfe jäh beendet.

Mithilfe am Bau bleibt unfallträchtig. Deswegen sollten Sie in jedem Fall die Versicherungsfrage vorab klären, bevor Freunde oder Verwandte für Sie auf die Leiter steigen oder zur Bohrmaschine greifen.

Sie bauen und Freunde, Nachbarn und Verwandte helfen dabei mit. Diese „Muskelhypothek“ rechnen viele Bauherren sogar fest in ihre Finanzierung ein und setzen deswegen gerne auch Freunde und Verwandte zur Mithilfe ein.

Allerdings ist der Einsatz von fachfremden Personen mit Risiken verbunden“, beschreibt Eva Reinhold-Postina, Expertin beim Verband Privater Bauherren.

Mit ungelernten Kräften steigt das Unfallrisiko

So ist zum Beispiel das Unfallrisiko größer. Und wenn einer dieser Personen einen Unfall hat, kann der Schaden groß sein.

Deshalb ist es sinnvoll, schon vorab die Versicherungsfrage zu klären: „Bei Helfern, die im Rahmen einer im privaten Bereich üblichen Gefälligkeitsleistung tätig werden, ist der Versicherungsschutz ausgeschlossen, weil solche Handreichungen rechtlich nicht als arbeitnehmerähnlich gelten“, mahnt so Yvonne Kohl vom Referat Mitglieder und Beiträge der BG BAU.

Um den Versicherungsschutz im Einzelfall konkret bestimmen zu können, ist aber immer auf das Gesamtbild des Vorhabens abzustellen.“

Bauhelfer: Wen Sie versichern müssen

Die Abgrenzung, ob jemand gesetzlich versichert ist, ist oft schwierig, hängt das doch auch stark von der Enge der persönlichen Beziehung ab.

Das Merkblatt der BG Bau nennt ein Beispiel:

Bei einem Fußballkamerad des Bauherrn, zu dem über den Sport hinaus keine nähere soziale Bindung besteht, und der über einen längeren Zeitraum bei Maurerarbeiten hilft, ist von einer gesetzlichen Pflichtversicherung auszugehen.

Dann verlangt die BG Bau pro Helferstunde in Westdeutschland 2,07 Euro und in Ostdeutschland 1,76 Euro, übernimmt aber im Austausch auch die Versicherungsleistung. Das sind also Kosten, die auf jeden Fall entstehen, selbst, wenn die Arbeitsleistung selbst gar nicht honoriert wird.

Enge Verwandte brauchen eine Unfallversicherung

Anders sieht es zum Beispiel beim Vater des Bauherren aus, zu dem ein enges Verhältnis besteht, und der auf der Baustelle verunglückt: Dieser ist nicht gesetzlich versichert. „Für gesetzlich nicht versicherte Bauhelfer empfehlen wir, den Abschluss einer privaten Unfallversicherung zu prüfen“, rät  Kohl.

Diese muss dann auf dem freien Versicherungsmarkt abgeschlossen werden, ist aber ohnehin durchaus auch in anderem Kontext eine sinnvolle Versicherung. Bauherren, die sich um das Wohl ihrer Helfer kümmern, informieren sich über diese Absicherung.

Schwere Unfälle haben nämlich für den Betroffenen existenzvernichtende Folgen, wenn er nicht vernünftig abgesichert ist.

Für die BG Bau brauchen Sie die Bauhelfer-Stunden

Die BG Bau verlangt einen genauen Nachweis der Helferstunde auf der Baustelle. Sie empfiehlt deshalb, über die Hilfeleistung ein Bautagebuch zu führen. Hier sollte dokumentiert werden, wer, wann und in welchem Umfang geholfen hat und welche Arbeiten konkret verrichtet worden sind.

Ein Bautagebuch sollte jeder Bauherr ohnehin führen“, rät Reinhold-Postina. „Das ist in diesem Fall ohnehin ratsam, weil so auch der Nachweis geführt werden kann, dass es sich um legale Arbeit handelt.“

Schwarzarbeit: So schnell verstoßen Sie gegen das Gesetz

Denn, wer auf dem Bau nur formell kostenlose Helfer beschäftigt, im Handschatten allerdings dann den vereinbarten Lohn überreicht, der betreibt Schwarzarbeit. „Und diesen Verdacht sollte niemand aufkommen lassen“, mahnt die Expertin.

Kommentare (1)

14.8.2014, 13:01 Uhr von leiled Profil ansehen
Es wäre schon sehr hilfreich, wenn nicht nur die Bau BG als Versicherer genannt würde mit ihren absurden Auflagen wie Stundenzählen u. Namen u.s.w.. Es gibt Bauherrenhaftpflichtversicherungen von allen möglichen Versicherungen angeboten, die da wesentlich günstiger u. leichter zu händeln sind!!! Nun wäre es klasse von meineimmobilie.de, wenn diesbezgl. mal Vergleiche angestellt würden!
Leider ist es so einfach nicht, denn die BG Bau ist eine Pflichtversicherung und Sie haben eben nicht die Wahl, sondern müssen Bauhelfer darüber versichern lassen ggf.. Darüber ist die Bauherrenhaftpflichtversicherung - wie es der Name schon sagt - nicht eine Unfallversicherung, sondern sie haftet bei nicht grob fahrlässig verursachten Schäden.
Foto: Sebastian Fery / Haufe
Foto: Sebastian Fery / Haufe

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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
News: Ein falscher Schritt oder ein Moment der Unaufmerksamkeit und schon ist es passiert: Besonders auf Baustellen besteht hohe Unfallgefahr. Vor allem für Helfer, die nur mal eben mit anpacken wollen, aber die Gefahren vor Ort nicht kennen. Deshalb ist es wichtig, dass Bauherren Privatpersonen, die beim Hausbau mithelfen, bei der BG BAU anmelden.

 meineimmobilie.de-Tipp

Neben der Versicherung für Bauhelfer sollten Sie als Bauherr weitere Versicherungen abschließen, zum Beispiel die Bauherren-Haftpflicht.

 

Das ist sinnvoll, um Ihre finanzielle Existenz zu sichern, denn Sie sind als Bauherr für die Sicherheit rund um die Baustelle verantwortlich und haftbar.