Dienstag, 03.06.2014 | Autor: Jörg Stroisch, Foto: © igor - Fotolia.com

Wie Sie Ärger mit Handwerkern vermeiden

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Worum geht´s
  • Was tun, wenn es Ärger mit Handwerkern gibt
  • Ärger mit Handwerkern vermeiden
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Topstory: Wenn etwas am Haus gemacht werden soll, rücken die Handwerker an. Wo gearbeitet wird, fallen dann auch Späne, sagt ein altes Sprichwort. Aber über die Anzahl dieser Späne geraten Auftraggeber immer wieder in Rage - nicht immer zurecht.

So beugen Sie Missverständnissen und Ärger vor

Die großformatigen Fliesen sind verlegt, allerdings – so findet es der Bauherr – mit zu großen Fugensprüngen.

Ein klassisches Ärgernis, bei dem Auftraggeber und Handwerker schnell aneinander geraten können. „Wenn es Ärger zwischen dem Handwerker und dem Auftraggeber gibt, sind die häufigsten Gründe Missverständnisse in Bezug auf die versprochene Leistung, höhere Kosten durch Änderungen der Anforderungen während der Bauphase“, beschreibt Dirk Belau, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Flensburg, aus der Praxis: „Und natürlich die Frage: Ist die Leistung wirklich mängelfrei?“

Suchen Sie einen neutralen Sachverständigen

Im Zweifelsfall kann es für den Laien schwierig sein, eine nicht fachgerechte Arbeit nachzuweisen“, weiß Julia Rehberg, Juristin bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Nur über ein Gutachten eines Sachverständigen ist das nachweisbar.

Es kann aber sein, dass der Handwerker den Gutachter nicht akzeptiert, nach dem Motto: Das ist ja ihr Kegelbruder“, so Rehberg. Das lässt sich aber einfach im Vorfeld im Gespräch mit dem Handwerker klären.

Schönheit ist selten ein Kriterium

Formal: Es gibt Normen, an die sich ein Handwerker halten muss. Diese definieren auf der anderen Seite aber auch mögliche Abweichungen vom Perfekten.

Unschön“ ist hier kein Kriterium, sondern beim besagten Fugensprung muss nachgemessen werden, wie stark die Abweichung ist. „Der Bauherr hat vielleicht ein eigenes Bild davon, wie die Leistungen aussehen sollen - ohne, dass er sich das in der Realität veranschaulichen konnte“, formuliert es Handwerkskammer-Experte Belau.

Klären Sie Wichtiges bitte schriftlich

Verbraucherzentralenjuristin Rehberg rät im Streitfall aber dazu, die Arbeit schriftlich zu rügen und Nachbesserungen zu fordern: „Häufig treten Mängel erst im Nachhinein auf“, beschreibt sie die Praxis.

Etwa, wenn dann plötzlich der Wasserhahn doch undicht ist oder es durchs Fenster zieht. „Dann kann im Rahmen der Gewährleistung eine Mängelbeseitigung von dem Handwerker verlangt werden.

Sonderwünsche mit Sonderkosten: Geht das so einfach?

Ums Geld wird ebenfalls häufig gestritten: „Es passiert auch häufig, dass über mögliche Mehrkosten bei Änderungen nicht gesprochen wird“, kritisiert so Dirk Belau.

Dann darf der Handwerker aber für seine Leistung eine ortsübliche Bezahlung verlangen. „Das regeln wir schon - so sollten sich Handwerker und Bauherr nicht spontan einigen, das bringt häufig Ärger mit sich.“

Formal besser sei es, wenn der Handwerker einen Nachtrag schreibe, auf dem er die Mehrkosten anhand von anderen Positionen plausibel auflöse.

Es gilt aber auch: „Wenn dann doch ein anderer Baustoff verwendet werden oder die Türöffnung ganz anders aussehen soll, dann darf sich der Bauherr nicht wundern, dass das mehr kostet“, sagt Belau.

Handwerkerstreit: Kommunikation ist günstiger als ein Rechtsstreit

Zu einer eher kommunikativen Lösung gehört dann im Streitfall auch die Schlichtung, die Handwerkskammern per Gesetzesauftrag anbieten.

Das ist im Zweifel günstiger, schneller und schlanker als der Gerichtsweg, „denn auch der Rechtsweg kostet mit jeder Instanz Geld“, sagt Belau.

In rechtlichen Fragen, aber auch bei kommunikativen Problemen vermitteln die Schlichtungsstellen - ohne Vorbehalte: „Es gibt ja auch unter Handwerkern Sprüche, die davor warnen, für bestimmte Berufsgruppen tätig zu werden“, weiß Belau.

„Ich glaube aber nicht, dass es hier prinzipielle Probleme gibt.“

Handwerkerauftrag: Preis und Chemie müssen stimmen 

Wichtig sei vielmehr, dass sich beide Seiten über die Inhalte verständigen können. Wer Ärger vermeiden will, kann schon viel beim Angebotsgespräch mit dem Handwerker vor der Auftragsvergabe herausfinden.

Dirk Belau: „Stimmt die Chemie? Das ist gerade auch bei größeren Projekten ein wesentlicher Faktor auch für den Erfolg der Zusammenarbeit.“ Und: „Ein gut beschriebenes Angebot ist eine Gewähr dafür, dass es nicht zu Streit kommt.“

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
Wer etwas riskiert muss damit rechnen, dass er am Ende schlimmstenfalls alles verliert. So beispielsweise, wenn am Finanzamt vorbei Steuern sparen wollen und einen Handwerker „schwarz“ beschäftigen. Läuft dann was schief, hilft Ihnen kein Gericht. Schlimmer noch: Sie bekommen obendrein noch Ärger mit dem Finanzamt!
Handwerk hat goldenen Boden - fragt sich nur wem hier was vergoldet wird! Warum Vertrauen gut, aber Kontrolle besser ist und außerdem der Ton die Musik macht, schildert Jörg Stroisch, Chefredakteur meineimmobilie.de, in diesem Weblog.
Da tropft später der Wasserhahn oder es zieht durch die Fenster: Stress mit Handwerkern und deren Leistung hat leider jeder schon mal gehabt. Auch Sie? Ein bisschen Platz, zum Dampf ablassen...
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 meineimmobilie.de-Tipp

Bei den klassischen Baugewerken vermitteln die örtlichen Handwerkskammern einen neutralen Sachverständigen zur fachlichen Begutachtung von vermeintlichen Mängeln.

 

Wer für diesen die Kosten übernimmt, müssen aber Handwerker und Kunde selbst klären.

 

Geht es um kommunikative oder rechtliche Probleme, dann übernehmen die örtlichen Handwerkskammern und teilweise die Innungen auf Wunsch eine kostenlose Schlichtung. Diese ist nicht rechtlich verbindlich und es kommt zu einer Empfehlung an die Streitenden. Sie bewirkt keine Verzögerung der Verjährung bei Gewährleistungen.


Möchte ein Kunde die Schlichtungsstelle anrufen, dann sollte er den Sachverhalt schriftlich beschreiben und zur Beurteilung wichtige Unterlagen, wie etwa Angebote oder Rechnungen, beilegen.

 

Kontakt: Zentralverband des Deutschen Handwerks, Mohrenstraße 20/21, 10117 Berlin, Telefon: 030/206190, Fax: 030/ 20619460, www.zdh.de