Montag, 25.08.2014 | Autor: Jörg Stroisch, Foto: © TristanBM - Fotolia.com

Unwetter: Wie Sie mit Klammern Ihr Dach sichern

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Worum geht´s
  • Sicherungsmaßnahmen fürs Dach
  • Verschärfte Windsogsicherung für Hausdächer
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Topstory: Sie heißen Christian, Kyrill oder Paula und sie fegen mit großer Geschwindigkeit übers Land. Die Rede ist von Orkanen, die selbst vor Ihrem Dach nicht Halt machen: Steine und Pfannen landen schlimmstenfalls auf der Straße. Damit das nicht passiert, haben die deutschen Dachdecker jetzt stärkere Sicherungsmaßnahmen festgelegt.

Ein ganzes Land ohne Fernverbindung: Als Orkan Kyrill im Januar 2007 seine Schneisen schlug, setzte der überregionale Zugverkehr flächendeckend aus.

In den Böen erreichte Kyrill Windgeschwindigkeiten von bis zu 225 Stundenkilometern. Auf etwa zehn Milliarden US-Dollar schätzt die Münchener Rück die Kosten für alle Schäden des Sturms.

Und natürlich wurden auch diverse Dächer abgedeckt. Zwar sind die Windverhältnisse von Deutschland noch längst nicht mit denen in Großbritannien und den Niederlanden vergleichbar, aber sie entfalten auch hierzulande immer mehr ihre Gewalt.

Je mehr Wind umso strenger die Vorschriften

Als Reaktion darauf wurden die Vorschriften für die sogenannte Windsogsicherung von Dächern verschärft. Konkret: Der Kölner Raum befindet sich in Windzone 1 und linksrheinisch auch teilweise in Windzone 2.

Westlich des Rheins werden für die Zukunft höhere Windgeschwindigkeiten erwartet. Zusätzlich haben sich die Anforderungen generell erhöht.

Neue Vorschrift besagt: Sie müssen mehr "klammern" 

Neu ist, dass auch in den Windzonen 1 und 2 in der Regel geklammert werden muss“, beschreibt Josef Rühle vom Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks e.V.. „Auch in den traditionell weniger sturmgefährdeten Regionen muss also zukünftig mehr gegen Sturm gesichert werden.“

Beispiel: Bei einer Windgeschwindigkeit von 80 bis 100 Stundenkilometern wirken auf einen Quadratmeter eines Daches zwischen 1,1 und 2,5 Kilonewton. Das entspricht einer Last von 250 Kilogramm an einem in der Wand befestigten Dübel.

Das Eigengewicht der Dacheindeckung beträgt pro Quadratmeter etwa 40 bis 50 Kilogramm - „da ist es einleuchtend, dass zusätzlich gesichert werden muss“, beschreibt der Experte.

Nirgendwo steht, wie viele Klammern Sie anbringen müssen

Wie konkret das umgesetzt werden muss, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Neben der Windzone spielt zum Beispiel auch noch die Dachform, die Haushöhe oder die Umgebung eine große Rolle.

Deutlich größere und mehr Flächen von Steildächern müssen demnach geklammert werden. „Man kann nicht pauschal festlegen, wie viele Klammern bei Dachsteinen oder Dachziegeln angebracht werden müssen“, beschreibt Dirk Rosenkranz, Bauherrenberater beim Bauherren-Schutzbund.

Eine Klammer kostet 15 bis 25 Cent

Dies hängt von vielen Faktoren ab.“ Und er beruhigt: „Der Arbeits- und Materialaufwand ist nicht wesentlich höher.“ Das bestätigt auch Dachdecker Rühle: „Das kostet etwas mehr Geld für die Klammern und etwas mehr Arbeitszeit. Auf die Gesamtkosten eines Daches gerechnet, sind die Mehrkosten aber marginal.“ Die Stückpreise pro Klammer liegen auch nur – je nach Hersteller und Art – um die 15 bis 25 Cent.

Das wirkt sich dann bei einer reinen Dacheindeckung mit Preisen ab 20 bis 25 Euro pro Quadratmeter inklusive Verlegung - bei teuren Materialien und weiteren Nebenarbeiten deutlich mehr - kaum aus. Wird korrekt geklammert, ist auch kein System in Sachen Sturmsicherheit im Vorteil.

Sie müssen nicht nachträglich klammern

Trotz "Klammerpflicht" gilt: Sie müssen als Hauseigentümer nicht nachträglich Ihr Dach klammern. Es gibt nämlich einen Bestandsschutz für Altbauten.

Das entbindet Sie als Hausbesitzer allerdings nicht von der Wartung: Das Oberlandesgericht Hamm (Urteil v. 14.7.2010, 13 U 145/09) geht davon aus, dass er seiner Fürsorgepflicht nicht nachgekommen ist, wenn das Dach einer Windgeschwindigkeit bis 120 Stundenkilometern nicht standhält.

Im Schadensfall wird Ihr Dach auf Vorschäden untersucht  

Versicherungen zahlen in der Regel erst ab Windstärke 8, so die Erfahrungen des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerks. Das entspricht einer Geschwindigkeit von 63 bis 74 Stundenkilometern. „Aber natürlich wird bei größeren Schäden überprüft, ob das Dach schon vorher schadhaft war oder erst durch den Wind geschädigt wurde“, so Rühle.

Jeder Hauseigentümer sollte deshalb regelmäßig sein Dach überprüfen lassen.“ In der Regel sind aber ab einem bestimmten Alter nur punktuelle Ausbesserungen nötig, damit das Dach auch weiterhin sicher ist.

Für ein neues Dach gelten die neuen Vorschriften

Steht dann eine komplett neue Dacheindeckung an, dann muss nach den neuen Vorschriften gehandelt werden. „Ein Hausbesitzer oder Bauherr verliert seinen Versicherungsschutz, wenn er sich über amtliche Bauvorschriften hinwegsetzt“, so Rosenkranz. „Ein seriöser Dachdeckermeisterbetrieb wird natürlich auf die Einhaltung der Bestimmungen bestehen.“

Der Ingenieur rät generell dazu, in Qualität zu investieren: „Wer in gebrannte Tonpfannen investiert, die zusätzlich noch engobiert und glasiert sind, investiert in ein langlebigeres und farbbeständigeres Dach.“ Die Mehrkosten für ein Einfamilienhaus lägen zwischen 1.000 und 2.000 Euro – schon inklusive einer zukunftssicheren Sturmsicherung versteht sich.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
Umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer, überschwemmte Keller: Herbststürme wie "Christian" können verheerende Kräfte entwickeln, die richtig ins Geld gehen können. Wer seine Versicherung, sein Haus oder seine Geldbörse schonen will, sollte seine Immobilie rechtzeitig für den Herbst wappnen.
Stürmische Sommergewitter: Während es draußen stürmt, können Sie als Hausbesitzer ruhig bleiben, sofern Sie eine Wohngebäudeversicherung abgeschlossen haben. Allerdings deckt die nicht alle Sturmschäden ab.  Doch welche Versicherung deckt welche Schäden ab? Hier finden Sie die Antworten auf die 5 wichtigsten Fragen rund um die Versicherung in stürmischen Zeiten.

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Neun Tipps zur Beauftragung eines Dachdeckers:

  1. Ausschreibung verfassen, die möglichst im Detail die gewünschten Arbeiten und Materialien beschreibt (Infos gibt es bei Herstellern und im Internet), Realisierungszeitraum
  2. Mindestens drei Angebote einholen und Vor-Ort-Besichtigungen verlangen
  3. Preise gegenüberstellen
  4. Referenzen aktiv überprüfen
  5. Auftrag erteilen
  6. Versicherungsschutz kontrollieren bzw. die Versicherungen über den Beginn von Dacharbeiten und Gerüstaufbau informieren. Ggf. Mieter darauf hinweisen, dass sie ihre Hausratversicherung informieren müssen.
  7. Arbeiten kontrollieren: Ist die Baustelle und sind die Arbeiter gesichert? - Informationen zum Arbeitsschutz bietet die Berufsgenossenschaft. Werden die Materialien sauber und sicher gelagert?
  8. Leistungen abnehmen und protokollieren; im Zweifel zusammen mit einem Sachverständigen
  9. Gewährleistungsfristen notieren: In der Regel läuft die Gewährleistung nach vier Jahren aus.