Freitag, 01.08.2008 | Autor: Hans Dieter Hegner/mb

Ratschläge vom Fachmann: energetische Modernisierungsempfehlungen

Hauseigentümer, die für eine Immobilie einen Energieausweis ausstellen lassen, sollen nach dem Willen des Gesetzgebers auch Modernisierungsempfehlungen für ihr Haus erhalten. Deshalb müssen die Fachleute, die den Ausweis erstellen, dem Eigentümer praktische Maßnahmen vorschlagen, wie er seine Immobilie energetisch und wirtschaftlich sinnvoll modernisieren kann.

Nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2007 sollen von den Ausstellern der Ausweise, den Fachleuten, Empfehlungen für kostengünstige Verbesserungen der Gesamtenergieeffizienz (Modernisierungsempfehlungen) entsprechend den Vorgaben der EU-Richtlinie gegeben werden.

Zweck der Empfehlungen

Die Empfehlungen der Fachleute dienen vor allem dem Zweck, den Eigentümer auf energiebezogene Defizite und nahe liegende Verbesserungsmöglichkeiten für das Gebäude aufmerksam zu machen.

Die Modernisierungsempfehlungen sollen übliche, rentable Maßnahmen zur energetischen Verbesserung des Gebäudes aufzeigen. Sie dienen nur der Information und verpflichten nicht zur Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen. Zweck der Empfehlungen ist die Offenlegung des wirtschaftlich sinnvollen Investitionsbedarfs in die Immobilie aus energetischer Sicht.

Fachlicher Ratschlag

Die Empfehlungen haben die Funktion eines fachlichen Ratschlags und sollen eine Energieberatung für den Eigentümer nicht ersetzen, können dazu aber einen Anstoß geben. Mit solchen Informationen verbindet sich die Erwartung, dass Hauseigentümer vermehrt gerade in die energetische Verbesserung ihrer Gebäude investieren.

Die grundsätzliche Pflicht zur Erstellung von Modernisierungsempfehlungen gilt sowohl für den Energieausweis auf Bedarfs- als auch für den Ausweis auf Verbrauchsbasis. Hier ist anzumerken, dass die Erstellung der Modernisierungsempfehlungen auch den Energieausweis auf der Basis des Verbrauchs nicht gerade zum Schnäppchen macht.

Seriöser Ratschlag nur nach Ortsbesichtigung

Aus einem Verbrauchswert kann der Fachmann noch keine Empfehlung ableiten, die als konkreter bauteilbezogener und anlagetechnisch fundierter Ratschlag gelten kann. Ohne genaue Ortsbesichtigung oder Kenntnis der Bausubstanz und der Anlagentechnik ist ein seriöser Ratschlag nicht zu geben.

Die Ratschläge sollen keine Modernisierungsplanungen oder ausführliche Energieberatungen sein. Hier geht es eher um eine "Impulsinformation". Die Empfehlungen sind kein expliziter Bestandteil des Energieausweises, sondern begleiten ihn.

Praktische Maßnahmen

Modernisierungsempfehlungen sollen nicht dazu dienen, theoretisch noch mögliche Wege zur "Perfektionierung" aufzuzeigen. Sie sollen "handfeste", praktisch erprobte und erkennbar geeignete kostengünstige Maßnahmen aufzeigen.

Es geht nicht um die Einhaltung der Neubauanforderungen der EnEV 2007, sondern um die üblicherweise bei Bestandsgebäuden wirtschaftlichen Maßnahmen. Diese sind insbesondere im Anhang drei der EnEV 2007 wiedergegeben.

Beispiel: Austausch der Fenster mit bestimmten neuen Qualitätsfenstern, zusätzliche Dämmung des Gebäudes, Ersatz des Wärmeerzeugers et cetera.

Modernisierungsempfehlungen sind beizufügen

Sind kostengünstige Maßnahmen nicht möglich, zum Beispiel bei neueren Gebäuden und Altbauten nach größerer energetischer Modernisierung, muss der Ausweisaussteller dies im entsprechenden Formular eintragen. Das heißt, dass das Blatt für Modernisierungsempfehlungen zum Energieausweis immer beizufügen ist, egal ob Modernisierungsempfehlungen darauf stehen oder nur ein Kreuz gemacht wurde, dass sie nicht möglich sind. Auch hier muss der Aussteller eindeutig identifizierbar sein.

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Hans-Dieter Hegner ist Diplom-Bauingenieur und zuständiger Baudirektor im Bundesbauministerium.
Hans-Dieter Hegner